Türkei kauft russisches Raketensystem | Aktuell Europa | DW | 12.06.2019
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Streit unter NATO-Partnern

Türkei kauft russisches Raketensystem

Trotz massiver Kritik von USA und NATO hat die Türkei offenbar ihr Vorhaben realisiert, russische Luftabwehrraketen vom Typ S-400 zu kaufen. Die Lieferung soll laut Präsident Erdogan schon bald erfolgen.

Die Raketen sollen bereits im Juli geliefert werden, wie der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei einer Veranstaltung seiner Partei AKP ankündigte. Die Türkei nimmt mit der Entscheidung für das russische Raketensystem die Verärgerung des NATO-Partners USA in Kauf.

Ausschluss aus F-35-Kampfjetprogramm

Washington hatte Ankara eine Frist bis Ende Juli gesetzt, um auf den Kauf der S-400-Flugabwehrraketen zu verzichten. Andernfalls werde das Land aus dem F-35-Kampfjetprogramm ausgeschlossen.

In einem am vergangenen Freitag veröffentlichten Schreiben informierte der geschäftsführende US-Verteidigungsminister Patrick Shanahan seinen türkischen Kollegen Hulusi Akar über Einzelheiten eines solchen Rauswurfs. Im Raum steht unter anderem die Drohung, dass alle türkischen Piloten, die derzeit an den neuen F-35-Kampfjets der NATO ausgebildet werden, das Land verlassen müssen.

F-35 Kampfjet (picture-alliance/dpa/B. Pedersen)

F-35-Kampfjets des US-Herstellers Lockheed Martin

Außerdem könnte die Beteiligung türkischer Unternehmen am Bau der F-35-Maschinen dauerhaft gekappt werden. Die Regierung in Washington argumentiert, dass Russland über die in der Türkei installierten Raketen an Daten über die Fähigkeiten der neuen F-35-Tarnkappenflugzeuge gelangen könnte.

Erdogan will Trump umstimmen

Die Türkei protestiert gegen die Reaktion Washingtons. Ein Ausschluss aus dem F-35-Programm widerspreche dem "Geist des Bündnisses" zwischen beiden Ländern, sagte Verteidigungsminister Akar während eines Besuchs in Aserbaidschan. 

Präsident Erdogan will Sanktionen Washingtons indes noch abwenden. Er werde dem US-Präsidenten vor dem G20-Gipfel Ende Juni seine Argumente in einem Telefonat darlegen, kündigte er an. Ziel sei es, zur "Ausgangssituation" zurückzukehren.

Erdogan betonte, die Türkei wolle nicht nur 100 Kampfjets kaufen, sondern sei auch "ein Programmpartner". Die türkische Rüstungsindustrie habe 1,25 Milliarden Dollar in das Projekt investiert. 

Verzicht ist keine Option

Der türkische Präsident bekräftigte zugleich, dass ein Verzicht auf den Kauf der russischen S-400-Raketen für ihn keine Option sei. Das Geschäft sei in trockenen Tüchern.

Washington hatte darauf gepocht, dass Ankara statt der S-400-Raketen das US-Patriot-System erwirbt. Erdogan wies diese Forderung mit dem Argument zurück, Moskau habe ein besseres Angebot unterbreitet.

gri/kle (rtr, dpa, afp)

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