Hollerbachs Debüt gibt HSV neue Hoffnung | NRS-Import | DW | 27.01.2018
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Bundesliga

Hollerbachs Debüt gibt HSV neue Hoffnung

In seinem ersten Spiel als Trainer des Hamburger SV legt das Team von Bernd Hollerbach in Leipzig einen ungewohnt couragierten Auftritt hin. Dabei zeigen die HSV-Profis Tugenden, die einst den Coach auszeichneten.

HSV-Trainer Bernd Hollerbach gibt Anweisungen am Spielfeldrand. (Getty Images/AFP/R. Michael )

HSV-Trainer Bernd Hollerbach gibt Anweisungen am Spielfeldrand.

Aufgregung ist eine Kategorie, die Bernd Hollerbach nicht zu kennen scheint. Zumindest in der Öffentlichkeit versucht er seine Emotionen gänzlich zu verbergen. Selbst vor seinem ersten Spiel als Bundesliga-Trainer verzog der 48-Jährige keine Miene. Dabei ist die Mission, die der Coach beim Hamburger SV übernommen hat, alles andere als ein Engagement, das eine Erfolgsgarantie beinhaltet.

Ehemals "Eisenfuß" des HSV

"Ich mag den Verein, hier hatte ich meine schönste Zeit", sagte Hollerbach, der einst als "Eisenfuß" den Rasen der Hamburger Arena mit schier unendlich vielen Grätschen stark strapazierte, wenige Minuten vor dem Anpfiff. Damit aber genug der Nostalgie. Die bittere Realität der Hanseaten verdrängt die schönen Erinnerungen binnen Sekunden. "Alle machen im Training gut mit. Aber mal sehen, wie sich die Mannschaft gegen einen so guten Gegner wie Leipzig präsentieren wird", so Hollerbach. Er sollte eine erfreuliche Erfahrung machen, auch wenn es anfänglich gar nicht so gut aussah.  

Der erste Rückschlag für den neuen Trainer ließ nicht lange auf sich warten. Die Hoffnung auf Besserung beim HSV bekam den ersten Dämpfer bereits nach neun Minuten. Leipzigs Bruma erzielte die 1:0-Führung - und die HSV-Defensive um Kyriakos Papadopoulos präsentierte sich genauso desolat, wie sie es bereits in den vergangenen Wochen getan hatte. Dabei hatte Hollerbach sein Team auf fünf Positionen verändert.

Änderungen bringen keine Verbesserung

HSV-Angreifer Filip Kostic (l.) erzielt das 1:1 gegen RB Leipzig. (Getty Images/AFP/R. Michael)

HSV-Angreifer Filip Kostic (l.) erzielt das 1:1 gegen RB Leipzig.

Torhüter Christian Mathenia sollte die nötige Erfahrung im Tor mitbringen, der (Streik-) Brasilianer Walace stand ebenfalls überraschend im defensiven Mittelfeld in der Startelf. Bobby Wood, Rick van Drongelen und Gotoku Sakai sollten die Robustheit, Zweikampfhärte sowie die nötige spielerische Reife mitbringen, die Hollerbach in 197 für die Gegner meist schmerzhaften Partien für den HSV einst selbst verkörperte.

Die Hamburger mussten sich erst finden, auch weil Hollerbach in einem 3-4-2-1-System spielen ließ - was zusätzliche Kompaktheit in der Defensive verspricht, weil sich aus dieser Formation zügig eine Fünfer-Abwehrkette bilden lässt. In der Anfangsphase hatten die Hamburger dann auch großes Glück, dass die Leipziger aus ihrer Überlegenheit nicht noch mehr Tore erzielten und die Führung ausbauten.

Die Hollerbachsche Herangehensweise erschwert allerdings häufig auch die eigenen Offensivaktionen, weil sich in der Angriffsspitze zumeist eine numerische Unterzahl ergibt. Allerdings kommt diese Taktik vor allem den Teams entgegen, die kontern wollen und das schnelle Umschaltspiel beherrschen. Und das war Hollerbachs ausdrücklicher Plan.

Einsatz und Laufarbeit

Und das sollte sich nach 29 Minuten auszahlen. Gideon Jung lenkte den Ball geschickt in die Spitze weiter, wo Filip Kostic die erste Torchance der Hanseaten alleine vor Torhüer Peter Gulasci eiskalt ausnutze. Dieser Treffer sorgte dafür, dass die Hamburger plötzlich Selbstvertrauen spürten und offenbar zunehmend auch an die Spielidee ihres neuen Coaches glaubten. Sie spielten in dieser Phase bis zur Pause auf Augenhöhe mit den Leipzigern, womit kaum jemand im Vorfeld gerechnet hätte. 

So hatte Hollerbach einst auch die Würzburger Kickers in die 2. Liga geführt. Viel (Lauf-) Arbeit und Einsatzbereitschaft ließen manches technische Defizit seiner Spieler in den Hintergrund rücken. Und so dürfte es Hollerbach auch beim HSV im Abstiegskampf bis zum Saisonende angehen. Der Coach wird sich vermutlich einiges bei seinem Mentor Felix Magath abgeschaut haben, bei dem er unter anderem. beim VfL Wolfsburg und beim FC Schalke 04 Assistenztrainer war. Denn auch Magath war stets ein Freund von harter Arbeit auf dem Rasen. Seine intensive und ausdauernde Trainingsarbeit, etwa mit Medizinbällen, war bei den Fußballprofis zutiefst gefürchtet.

Hamburg verdient sich das Remis

Aber die Hamburger zeigten in Leipzig eine kaum mehr gekannte Courage, zerstörten deren Aufbauspiel und brachten die Sachsen mit ihren Kontern zudem in große Schwierigkeiten. Und so verdienten sich die kampfstarken und mutigen Hamburger das Remis gegen die spielstärkeren Leipziger - und können mit neuer Hoffnung im Abstiegskampf den Heimweg antreten.  

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