Hohe Haftstrafen für Menschenschmuggler | Aktuell Europa | DW | 22.01.2021
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Großbritannien

Hohe Haftstrafen für Menschenschmuggler

Qualvoll waren 39 vietnamesische Migranten in einem Kühllastwagen in Großbritannien gestorben. Zwei Hauptangeklagte in dem Fall werden ihr menschenverachtendes Geschäft nun über Jahrzehnte nicht mehr ausüben.

Großbritannien | 39 Leichen in LKW Container gefunden

In diesem LKW waren die 39 Leichen entdeckt worden

Es herrschten unerträgliche Zustände in dem Container auf dem Lastwagen, der Ende Oktober 2019 in einem Industriegebiet in der Grafschaft Essex östlich von London abgestellt worden war. 39 Migranten aus Vietnam waren dort zusammengepfercht, die laut Obduktionsbericht an Sauerstoffmangel und Überhitzung qualvoll gestorben waren. Im Verfahren am Strafgerichtshof Old Bailey in London gegen vier Angeklagte wies Richter Nigel Sweeney darauf hin, bis zu 40 Grad Celsius hätten in dem versiegelten Container geherrscht. 

Die Insassen hatten keine Überlebenschance. Als nach Stunden die Türen geöffnet wurden, fanden Ermittler 31 männliche und acht weibliche Leichen, darunter mehrere Teenager. Die Vietnamesen hatten umgerechnet jeweils fast 15.000 Euro bezahlt, um vom europäischen Festland nach Großbritannien gebracht zu werden.

Verurteilte müssen für 27 beziehungsweise 20 Jahre hinter Gitter

Richter Sweeney verurteilte vier Mitglieder der Schleuserbande nun zu langen Haftstrafen: Ein 43-jähriger Rumäne muss für 27 Jahre ins Gefängnis, ein 41-jähriger nordirischer Transportunternehmer bekam 20 Jahre. Für zwei LKW-Fahrer setzte das Gericht Strafen von 18 Jahren beziehungsweise 13 Jahren und vier Monaten Haft fest.

Grossbritannien Thurrock | Leichenfund im Kühllaster | Boris Johnson

Blumen im Gedenken an die 39 Opfer: Auch der britische Premier Boris Johnson war nach dem Leichenfund entsetzt

"Ich habe keine Zweifel daran (...), dass es sich um eine raffinierte, langjährige und profitable Verschwörung handelte, um hauptsächlich vietnamesische Migranten über den Kanal zu schmuggeln", sagte der Richter. Sweeney ergänzte, die "Bereitschaft der Opfer, illegal ins Land einzureisen, ist keine Entschuldigung für das, was ihnen widerfahren ist".

In Zeebrugge eingeschifft

Die Migranten mussten sich im nordfranzösischen Bierne sammeln, im belgischen Hafen Zeebrugge wurden sie eingeschifft. Anfangs lag die Temperatur im Container noch bei 21,5 Grad Celsius, dann stieg sie unaufhörlich weiter, wie Experten in einer Simulation dokumentierten. "Es gab verzweifelte Versuche, die Außenwelt telefonisch zu kontaktieren und das Dach des Containers zu durchbrechen", wies Sweeney darauf hin. Vor Gericht wurden Audio- und Videodateien präsentiert, die den Todeskampf der Opfer zeigten. Auf Handy-Sprachnachrichten verabschiedeten sich Opfer von ihren Angehörigen.

Wegen der besonderen Schwere des Verbrechens verfügte Richter Sweeney, dass die Verurteilten mindestens zwei Drittel ihrer Strafe in Haft verbüßen müssen, bevor über eine Bewährung entschieden werden kann. Normalerweise muss mindestens die Hälfte der Gefängnisstrafe abgesessen sein.

se/uh (dpa, afp, rtr)