Hofmann wird neuer IG Metall-Vorsitzender | Wirtschaft | DW | 20.10.2015
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Wirtschaft

Hofmann wird neuer IG Metall-Vorsitzender

Eine Überraschung ist die Wahl des neuen Vorsitzenden nicht. Jörg Hofmann, der bislang zweite Mann der IG Metall, wird künftig die Richtung bestimmen. Nicht nur die Auswirkungen des VW-Skandals werden ihn fordern.

Die IG Metall hat einen neuen Vorsitzenden. Die Delegierten des Gewerkschaftstages in Frankfurt wählten am Dienstag den bisherigen Vize-Chef Jörg Hofmann zum ersten Vorsitzenden. Der 59-jährige Ökonom erhielt 91,3 Prozent der 478 abgegebenen Stimmen. Er löst Detlef Wetzel (62) ab. Hofmann und Wetzel hatten die größte Einzelgewerkschaft der Welt zuletzt gemeinsam geführt.

Wetzel war 2013 zur Mitte des regulären Wahlturnus nach dem vorzeitigen Ausscheiden seines Vorgängers Berthold Huber gewählt worden. Nun wollte er nicht mehr für eine neue, vierjährige Amtszeit kandidieren.

Als langjähriger Leiter des für die IG Metall wichtigen Bezirks Baden-Württemberg ist Hofmann ein erfahrener Tarifexperte. Er hat an so ziemlich jedem wichtigen Tarifabschluss der vergangenen Jahrzehnte mitgewirkt. Unter seiner Führung will die Gewerkschaft das Thema Arbeitszeit unter den Bedingungen des immer stärker verbreiteten mobilen Arbeitens anpacken. Auch die Rechte der Industrie-Beschäftigten in einer stärker digitalisierten und vernetzten Produktion stehen ganz oben auf Hofmanns Agenda.

Im Aufsichtsrat von VW

Von seinem Vorvorgänger Berthold Huber übernimmt Hofmann dem Vernehmen nach zudem einen schwierigen Aufsichtsratsposten, nämlich den beim abgaskriselnden VW-Konzern. Dort spielen gemäß dem VW-Gesetz die IG Metall und das Land Niedersachsen eine wichtige Rolle. In keinem anderen Industrieunternehmen ist die IG Metall so stark wie beim größten Autokonzern Europas. Bei VW sind mehr als 90 Prozent der Stammbelegschaft gewerkschaftlich organisiert. Der Haustarif liegt über dem Industrieniveau und die Beschäftigten erhalten regelmäßig ordenliche Prämien.

Sorgen bei der VW-Belegschaft

"Wir zahlen nicht für eure Krise" war der Slogan, den die Gewerkschaftler bei VW zuletzt ausgegeben haben. Ob das so durchzuhalten sein wird, ist fraglich. In einigen Werken wurden bereits Schichten gestrichen und die ersten Leiharbeiter sorgen sich um ihre Jobs. Bei weiteren Sparmaßnahmen von VW könnten auch Tarifverträge und Prämien in den Fokus geraten.

Nicht nur VW könnte unter dem Abgas-Skandal erheblich leiden. Wird die Diesel-Technologie generell in Frage gestellt, dann sind auch andere Autobauer und Zulieferer betroffen. Diesel-Komponenten seien komplizierter als beim Otto-Motor und würden folglich bislang noch eher im Hochlohnland Deutschland gefertigt, erklärte Hofmann. Und die Mitarbeiter solcher Unternehmen sind ebenfalls bei der IG Metall organisiert.

iw /cw (rtr, dpa)