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KatastropheHongkong

Hochhausbrand in Hongkong: Mehr als 80 Tote

27. November 2025

Es ist die schlimmste Brandkatastrophe in Hongkong seit Jahrzehnten. Immer noch werden etwa 300 Menschen vermisst. Hat extreme Fahrlässigkeit das Inferno ausgelöst?

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China Hongkong 2025 | Polizisten stehen vor den brennenden Türmen des Wang Fuk Court (27.11.2025)
Brennender Wohnkomplex Wang Fuk CourtBild: Vernon Yuen/ZUMA/picture alliance

Acht Wohntürme gehören zum Komplex Wang Fuk Court im Stadtteil Tai Po im Norden von Hongkong. Erbaut in den frühen 1980er-Jahren liefen an den Fassaden der Gebäude gerade Sanierungsarbeiten. Trotz ihrer 31 Stockwerke waren die sehr eng beieinanderstehenden Hochhäuser ganz traditionell eingerüstet: mit Bambus.

Als am Mittwoch das Feuer in dem Komplex ausbrach, konnten die Flammen leicht von einem Gebäude zum anderen übergreifen. Nur einer der acht Wohntürme blieb verschont.

Zwar konnten viele der Bewohner sich in Sicherheit bringen. Aber mindestens 83 Menschen überlebten nach Angaben der Behörden das flammende Inferno nicht. Wie die Feuerwehr mitteilte, starben die meisten vor Ort. Andere erlagen im Krankenhaus ihren Verletzungen durch die Folgen von Feuer und Rauch. Wie Hongkonger Medien berichten, wurden 70 Menschen verletzt, darunter 10 Feuerwehrleute. Die Zahl der Toten könnte weiter steigen, denn noch gut 300 Bewohner werden vermisst.

China Hongkong 2025 | Helfer mit Helmen bringen ein Brandopfer auf einer Fahrtage in Sicherheit (27.11.2025)
Rettungseinsatz im Stadtteil Tai PoBild: Nexpher Images/Sipa USA/picture alliance

Die gesamte Nacht über hatten die mehr als 1200 Feuerwehrleute gegen das Inferno angekämpft. Inzwischen gab die Feuerwehr bekannt, die Flammen unter Kontrolle gebracht und in vier Wohnblöcken gelöscht zu haben. Die Rettungsarbeiten gestalten sich wegen der großen Hitze und des dichten Rauchs als schwierig.

Was hat den verheerenden Brand ausgelöst?

Zur Brandursache wird noch ermittelt. Die Polizei hat drei Mitarbeiter einer Baufirma festgenommen und vermutet grobe Fahrlässigkeit und unsichere Baumaterialien als Ursache für die Katastrophe. Die Männer im Alter zwischen 52 und 68 Jahren sollen für Befragungen in Gewahrsam bleiben. Mit großen Masken als Kopfbedeckung führten Polizisten die Männer vor laufenden Kameras ab. Auch Büroräume des Unternehmens wurden durchsucht.

Polizeisprecherin Eileen Chung: "Während der Lösch- und Rettungsarbeiten stellte die Feuerwehr fest, dass die Außenwände des Gebäudes mit Schutznetzen, Membranen, wasserdichten Planen und Plastikfolien versehen waren, die vermutlich nicht den Brandschutznormen entsprachen." Die polizeiliche Untersuchung in dem nicht betroffenen achten Gebäude habe zudem ergeben, dass dort die Fenster der Aufzugslobbys auf jeder Etage mit Schaumstoffmaterial versiegelt waren. All dies habe zur unkontrollierten Ausbreitung des Feuers beigetragen, so Chung.

Bei den Festgenommenen handele es sich um zwei Direktoren und einen beratenden Ingenieur. Ihnen werde fahrlässige Tötung vorgeworfen, teilte die Polizeisprecherin mit. Auch die Hongkonger Antikorruptionsbehörde hat eine Untersuchung eingeleitet.

Wohnungsnot in der Wirtschaftsmetropole

Hongkong ist seit 1997 eine chinesische Sonderverwaltungszone. Chinas Präsident Xi Jinping forderte die Behörden auf, alle Anstrengungen zu unternehmen, um das Feuer zu löschen und die Zahl der Opfer zu minimieren.

Die Brandkatastrophe ist die folgenschwerste in Hongkong seit 1948. Sie trifft die Stadt vor den für Anfang Dezember angesetzten Wahlen und dürfte die Unzufriedenheit über die seit langem grassierende Wohnungsnot anheizen. Der betroffene Komplex ist Teil eines staatlich subventionierten Wohnungsbauprogramms.

Hongkong Tai Po 2025 | Flammen erfassen Bambus-Gerüst am Wang Fuk Court (26.11.2025)
Brennendes Bambus-Gerüst am Wang Fuk Court (am Mittwoch)Bild: Tyrone Siu/REUTERS

In Hongkong stehen einige der bewohnerreichsten und höchsten Wohnblöcke der Welt. Früher gehörten tödliche Feuer zum Alltag, insbesondere in ärmeren Stadtvierteln. In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Sicherheitsmaßnahmen verschärft, sodass Brände in Wohngebieten heute viel seltener vorkommen.

Seit März 2025 muss bei öffentlichen Bauvorhaben mindestens die Hälfte der Gerüste aus Metall sein. Private Bau- oder Sanierungsprojekte können aber nach wie vor Bambus verwenden.

AR/se/pgr/wa (rtr, kna, afp, dpa)

Redaktionsschluss 18.05 Uhr (MEZ) - Dieser Artikel wird nicht weiter aktualisiert.