HNA will sich offenbar von Deutsche Bank-Anteilen trennen | Wirtschaft | DW | 07.09.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Großaktionär

HNA will sich offenbar von Deutsche Bank-Anteilen trennen

Bestätigt ist es nicht, aber allein die Spekulation drückt auf den Kurs: Steigen die Chinesen wieder bei der Deutschen Bank aus? Völlig überraschend wäre ein solcher Schritt nicht.

Die Deutsche Bank hat offenbar bald einen Großaktionär weniger. Wie das "Wall Street Journal" am Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtete, werde das chinesische Konglomerat HNA in den nächsten Monaten seinen Anteil von zuletzt 7,6 Prozent am größten deutschen Geldhaus abstoßen - auf Druck der Regierung in Peking. Sprecher des Instituts und von HNA wollten keinen Kommentar abgeben. Das "Handelsblatt" zitierte einen anonymen Mitarbeiter von HNA mit den Worten: "Mit dem Verkauf des Deutsche-Bank-Anteils beweisen wir, dass wir die Botschaft verstanden haben." Derzeit gebe es aber noch keinen konkreten Zeitplan oder einen bestimmten Abnehmer für die Papiere.

Wieder schlechter Tag für Deutsche Bank-Aktie

Die Spekulationen setzten am Freitag die Aktie der Deutschen Bank unter Druck. Ihr Kurs fiel zeitweise bis auf 9,552 Euro und auf den tiefsten Stand seit Mitte Juli. "Wir kommentieren solche Marktgerüchte nicht", sagte ein HNA-Sprecher im chinesischen Haikou zu den Berichten. Auch die Deutsche Bank in Frankfurt wollte sich zunächst nicht äußern. Neu sind die Sorgen um HNA nicht - schließlich hat der Konzern bei seiner weltweiten Einkaufstour in den vergangenen Jahren einen Schuldenberg angehäuft.

Deutsche Bank Aktie erstmals unter 10 Euro (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Kaum ein Tag ohne schlechte Nachrichten: Türme der Deutschen Bank in Frankfurt am Main

Das Konglomerat hat in diesem Jahr bereits den Abverkauf von Firmenbeteiligungen, Immobilien und anderen Vermögenswerten für mehr als 16 Milliarden Dollar vereinbart, wie Berechnungen von Reuters ergaben. HNA wollte sich nicht zur Höhe der Verschuldung äußern. Die Mehrheit an HNA, die wegen seiner undurchsichtigen Eigentümerstruktur wiederholt für Kritik sorgte, besitzen eine in New York ansässige Stiftung und eine in China beheimatete Stiftung, die zusammen 52 Prozent halten.

Der chinesische Staat und Gläubiger der hochverschuldeten HNA hatten zuletzt den Druck erhöht, sich wieder auf das alte Kerngeschäft Luftfahrt und Tourismus zu konzentrieren.

Undurchsichtige HNA-Strukturen

HNA war Anfang 2017 groß bei der Deutschen Bank eingestiegen und besaß zeitweise knapp unter zehn Prozent der Anteile. Laut jüngsten Angaben hält der Investor aus Fernost über den österreichischen Vermögensverwalter C-Quadrat derzeit noch 7,64 Prozent an Deutschlands größtem Geldhaus. Damit ist der Mischkonzern der größte Aktionär der Bank vor dem Emirat Katar und dem US-Vermögensverwalter Blackrock. Mit C-Quadrat-Gründer Gerd Alexander Schütz sitzt auch ein Vertreter der Chinesen im Aufsichtsrat des Dax-Konzerns. Den Großteil der Anteile (6,63 Prozent) hat HNA bei der Schweizer Großbank UBS geparkt und über Finanzinstrumente abgesichert. Im Fall eines Verkaufs der Aktien sollten somit die negativen Auswirkungen auf den Kurs der Deutschen Bank begrenzt bleiben.

Dennoch würde ein Ausstieg der Chinesen für weitere Unruhe bei dem Geldhaus sorgen, das nach drei Verlustjahren in Folge unter dem seit diesem April amtierenden Chef Christian Sewing den Umbau beschleunigen will. Struktur und Finanzierung der HNA-Beteiligung an der Deutschen Bank standen von Anfang in der Kritik. Dass sich HNA mit Hilfe von Derivaten gegen Kursverluste absicherte, brachte den Chinesen den Vorwurf ein, die Deutsche Bank nur als Spekulationsobjekt zu sehen. Zudem stand die Frage im Raum, ob sich HNA angesichts zahlreicher Übernahmen und Beteiligungen in diversen Branchen nicht übernommen habe. Aufseher fragten danach, wie sich der vor allem in der Touristik und Luftfahrt engagierte Konzern eigentlich finanziert und wer bei ihm die Fäden in der Hand hält.

hb/zdh (rtr,dpa)

Die Redaktion empfiehlt