Hitler überm Sofa: Kunst vom ″Führer″ kommt in einer Auktion in Nürnberg unter den Hammer | Kultur | DW | 18.11.2016
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Kultur

Hitler überm Sofa: Kunst vom "Führer" kommt in einer Auktion in Nürnberg unter den Hammer

Ein Nürnberger Auktionshaus versteigert am Samstag Bilder, die Adolf Hitler gemalt haben soll. War der Führer das künstlerische Genie, für das er sich hielt? Ein Gespräch mit der Auktionatorin Kerstin Weidler.

DW: Frau Weidler, was genau kommt bei Ihrer Auktion unter den Hammer?

Es sind Bilder, signiert mit A. Hitler, und monogrammiert. Wir haben 22 Positionen, eine davon enthält ein Album, in dem fünf Bilder eingeklebt wurden.

Welches ist Ihr Lieblingsbild?

Die Frage kann man nicht beantworten. Es ist ein Bild darunter aus dem Werkkatalog, das die Wiener Brandstätte (eine platzartige Straßenverbindung zwischen Stephansplatz und Tuchlauben in der Wiener Altstadt, Anm.d.Red.) zeigt. Das könnte interessant sein für einen Sammler, der ein Bild aus diesem Werkkatalog haben möchte. 

War Hitler ein guter Maler? Er selbst hielt sich ja für ein "künstlerisches Genie"...

Er hat sich bis 1920 – laut Werkkatalog – als Kunstmaler bezeichnet. Und zur Frage des Genies können wir gar keinen Beitrag leisten, weil wir lediglich die Werke sehen, die unterschiedlicher Qualität sind.

Er hatte unterschiedliche Malphasen. Hat er sich da einen eigenen Stil zugelegt?

Nein, eben nicht. Er hat sich ausprobiert, hat Bilder abgemalt, Postkarten gemalt, Motive gemalt, die einfach gerne gekauft wurden – das Münchner Standesamt beispielsweise.

Welche Sicherheit haben Käufer, dass sie bei Ihnen ein Original ersteigern?

Wir haben einige Bilder mit Expertisen, zum Teil von August Priesack, dem Redakteur des Werkkatalogs (der Historiker Prof. Dr. August Priesack arbeitete in den 1930er Jahren im Hauptarchiv der Reichsleitung der NSDAP und lieferte die Grundlage für den Werkkatalog des amerikanischen Herausgebers Billy Price/Anm.d.Red.). Es gibt Bilder, die wir in gleicher oder sehr ähnlicher Form im Werkkatalog gefunden haben. Das heißt: Wir können unseren Kunden das Bild zeigen, das im Werkkatalog nur mit einer kleinen Veränderung enthalten ist.

Sie haben die Arbeiten auf Echtheit überprüft?

Wir haben sie abgeleuchtet. Und wir haben diese Bilder aufgenommen, weil wir der Meinung sind, das sie von Hitler stammen.

Woher kommen die Bilder? Wer sind die Einlieferer?

Wir haben unterschiedliche Einlieferer. Die kommen aus Österreich, aus Deutschland. Es gibt Einlieferer, die das einfach geerbt haben und nicht länger im Bankschließfach haben wollen. Es sind Privatleute, zum Beispiel auch ein Pastorenhaushalt, dessen Sammlung erst nach Erstellung des Werkkatalogs gefunden wurde und deshalb leider nicht enthalten ist.

Wer sammelt Hitler-Bilder? Sind das alles Alt-Nazis?

Keinesfalls. Unter den Käufern haben wir Sammler, die ein Stück Weltgeschichte haben möchten. Es sind Kunden aus aller Welt, zum Beispiel auch ein Museum in Brasilien.

Was treibt diese Sammler an?

Schwer zu sagen. Ich weiß auch nicht, ob nach einem Motiv gesucht wird, oder nach einem Stück, das im Werkkatalog steht, bei dem der Sammler sagen kann: 'Ich besitze ein Bild, das nachgewiesenermaßen aus dem Buch stammt.' Es gibt Kunden, die ein Wiener Motiv haben möchten. Oder solche, die nur München interessiert.

Vermutlich gibt es viele, die München-Motive malen, aber wenige, die dann auch noch Adolf Hitler heißen…?

Ja, das ist richtig.

Frau Weidler, auf Ihrer Website findet sich gar kein Hinweis auf die Versteigerung von Adolf Hitlers Bildern. Ist Ihnen der Rummel um die Hitler-Kunst-Auktion zu viel?

Unsere Kataloge sind online. Natürlich kommt bei einzelnen  Sammlungen bekannter Persönlichkeiten großes Medieninteresse auf. Somit bündeln wir dieses auf eine jährliche Auktion, wo wir – wie jetzt – 22 Positionen anbieten.

Freuen Sie sich über die Publicity? Oder eher nicht?

Für ein Auktionshaus ist Medieninteresse natürlich immer gut. Aber in diesem Zusammenhang sind wir äußerst sensibel und wollen auch neutral dazu stehen. Der Kunde, der diese Bilder besitzt, möchte sie verkaufen. Wir sehen uns zwischen Verkäufer und Käufer. Es gibt dieses historische Erbe in Nürnberg. Wir versuchen damit bestmöglich umzugehen. Aber was Medien und Auktionen angeht, da sind wir Profis.

 

Das Gespräch führte DW-Redakteur Stefan Dege

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