Hilfsorganisationen verlassen Kundus | Aktuell Asien | DW | 06.10.2015
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Aktuell Asien

Hilfsorganisationen verlassen Kundus

Nach dem US-Bombenangriff auf die Klinik von "Ärzte ohne Grenzen" ziehen sich alle humanitären Hilfsorganisationen aus der nordafghanischen Stadt zurück. Die Taliban dort setzen in ihrem Kampf auf eine neue Taktik.

Afghanische Soldaten (einer trägt einen verletzten Kameraden) in Kundus

Afghanische Soldaten nach einem Feuergefecht mit Taliban-Kämpfern

Alle Hilfsorganisationen haben die Konsequenzen gezogen und nach dem verheerenden Bombardement die Stadt Kundus verlassen. Das von einem US-Kampfjet zerstörte Krankenhaus war die einzige Unfallklinik in Nordafghanistan. 22 Menschen waren bei dem Angriff getötet worden, darunter zwölf Mitarbeiter von "Ärzte ohne Grenzen". Das US-Justizministerium in Washington kündigte eine Untersuchung des Vorfalls an. Ungeachtet dessen ist die Lage in Kundus aufgrund der anhaltenden Kämpfe sehr kritisch, wie das UN-Büro zur Koordinierung humanitärer Hilfe in Genf weiter mitteilte.

In der 300.000-Einwohnerstadt ist die Wasser- und Elektrizitätsversorgung weitgehend unterbrochen. Lebensmittel werden knapp, weil es keinen Nachschub gibt. Die radikal-islamischen Taliban kontrollieren wichtige Zufahrtsstraßen in die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Tausende Familien sind laut UN auf der Flucht.

Taliban kehren nach Kundus zurück

Einwohner berichteten örtlichen Medien von heftigen Gefechten zwischen Regierungstruppen und den radikal-islamischen Taliban auf dem zentralen Platz in der Innenstadt. Taliban-Kämpfern war in der Nacht zum Dienstag gelungen, in die Stadt zurückzukehren. Sie griffen das Hauptquartier der Polizei und weitere Regierungsgebäude an. Interimsgouverneur Hamdullah Danischi sprach von einer neuen Kampftaktik der Aufständischen.

Noch ist es den afghanischen Streitkräften in Kundus nicht gelungen, die Taliban zu vertreiben (Foto: Getty)

Noch ist es den afghanischen Streitkräften in Kundus nicht gelungen, die Taliban zu vertreiben

Statt Soldaten und Polizisten in direkte Feuergefechte zu verwickeln, verlegten sich die Islamisten zunehmend auf blitzartige Überfälle. "Sie fahren mit Motorrädern an Kontollposten vor, geben Schüsse auf die Sicherheitskräfte ab und tauchen dann sofort wieder in Wohnvierteln unter", erklärte Danischi. Damit wollten sie auch Angst unter den Anwohnern schüren, damit diese nicht zum Alltag zurückkehrten.

In der vergangenen Woche hatten die Taliban für drei Tage die Kontrolle über Kundus übernommen. Am vergangenen Donnerstag starteten Regierungstruppen eine Offensive zur Rückeroberung der Stadt. Unterstützt werden sie von NATO-Einheiten, darunter sind auch Bundeswehrsoldaten.

se/kle (dpa, ape, rtr, epd)

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