Hilferuf in Corona-Zeiten: Moria-Flüchtlinge schreien auf | Aktuell Europa | DW | 17.04.2020
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Flucht und Vertreibung

Hilferuf in Corona-Zeiten: Moria-Flüchtlinge schreien auf

Fast 24.000 Menschen sind in dem Lager Moria auf der griechischen Insel Lesbos zusammengepfercht - in Zeiten von Corona ein doppelter Albtraum. Mit einem dramatischen Appell wenden sie sich deshalb an die EU.

Griechenland Lesbos | NGOs verteilen handgemachte Schutzmasken gegen die Ausbreitung des Coronavirus (Getty Images/AFP/M. Lagoutaris)

Helfer verteilen an die Bewohner des griechischen Flüchtlingslagers einen Gesichtsschutz

Sie haben sich organisiert - die knapp 24.000 Flüchtlinge im Camp Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Haben versucht, ihrem Leben in den Baracken etwas Struktur zu geben. Doch dann kam die Corona-Pandemie: "Wir brauchen Europa, um zu überleben", wenden sie sich deshalb mit einem eindringlichen Schreiben an führende Politiker in Europa, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Das Coronavirus bedeute für Alte, Kranke und andere Schutzbedürftige im Lager das Todesurteil.

Griechenland Lesbos | Migranten des Moria Camps nähen Gesichtsmasken zum Schutz gegen Corona (Reuters/E. Marcou)

Flüchtlinge im Lager Moria nähen für die NGO "Team Humanity" Gesichtsmasken

In dem Text, der von den Initiativen "Moria Corona Awareness Team" und "Moria White Helmets" stellvertretend für die Asylsuchenden verfasst und im Berliner "Tagesspiegel" veröffentlicht wurde, verlangen die Geflüchteten konkret, eben jene besonders schutzbedürftigen Gruppen sofort aus dem Lager in Sicherheit zu bringen. Dies gelte neben Alten und Kranken auch für unbegleitete Minderjährige.

Keine Möglichkeit, sich vor COVID-19 zu schützen 

"Wir begannen, unser Leben im Elend zu organisieren. Wir versuchten, unsere Würde zu schützen. Aber wir können nicht gegen ein Virus kämpfen ohne minimale Hygienestandards und Möglichkeiten, uns zu schützen", heißt es in dem Text weiter. "Wie sollen wir Abstand halten?", fragen die Bewohner des Camps mit Blick auf die internationalen Empfehlungen zum Infektionsschutz. Kranke könnten nicht isoliert werden, weil kein Platz dafür sei. Zum Händewaschen stehe nicht ausreichend Wasser zur Verfügung.

Gefordert werden deshalb Maßnahmen zur besseren Organisation der Wasserversorgung sowie zur Müllentsorgung, zum Brandschutzes und zur Bildung.

Griechenland Lesbos | Kind sammelt Gebrauchsgegenstände aus dem Müll: Flüchtlingslager in Moria (picture-alliance/imageBROKER/F. Bachmeier)

Ein Kind im Lager Moria durchforstet den Müll nach Gebrauchsgegenständen

Ausdrücklich bedanken sich die Asylsuchenden für die Solidarität der europäischen Zivilgesellschaft, bei "allen Menschen, die nicht bereit sind, uns in Zeiten der Coronakrise in ihren Ländern im Stich zu lassen". Weiter schreiben sie: "Wir sind alle nach Europa gekommen, weil wir wie Menschen leben wollen und weil wir die Gewalt, die Kriege und die Verfolgung, mit der wir alle konfrontiert waren, nicht mehr ertragen konnten." Und: "Wir kamen, weil unsere Kinder eine bessere Zukunft verdienen."

500.000 Euro UN-Soforthilfe

Die UN-Flüchtlingshilfe stellt zur Bekämpfung des Coronavirus in den griechischen Lagern eine Soforthilfe von 500.000 Euro zur Verfügung. Ein UN-Mitarbeiter sprach in Bonn von katastrophalen hygienischen Zuständen im Lager Moria. Mehr als 500 Bewohner müssten sich eine Dusche und 160 Menschen eine Toilette teilen.

Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl verlangte nochmals, Moria und die anderen Lager auf griechischen Inseln schnellstmöglich zu evakuieren. Die Schutzsuchenden könnten beispielsweise in leerstehenden Hotels in Griechenland untergebracht werden, die wegen der Corona-Pandemie noch lange Zeit nicht wieder für den Tourismus gebraucht werden dürften. Auf Dauer werde die einzige Lösung allerdings die Aufnahme der Menschen in der EU sein, auch in Deutschland, heißt es bei Pro Asyl weiter.

Griechenland Lesbos | Kind mit Mundschutz im Moria Camp (Reuters/E. Marcou)

Neben den Wegen im Lager liegen Abfälle

Linken-Parteichefin Katja Kipping in Berlin warnte in Berlin: "Jedes Warten ist ein Spiel mit dem Leben Tausender Menschen."

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums verwies auf "umfassende" Unterstützung durch die Bundesregierung, "um die Zustände in den griechischen Lagern zu verbessern". Dabei gehe es auch um Maßnahmen, um das Infektionsrisiko zu verringern. Er erwähnte auch, dass Deutschland an diesem Samstag gut 50 unbegleitete Minderjährige aus den Lagern aufnehmen will.

se/kle (epd, kna, afp, dpa)

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