Herzanfall, nicht Corona: Asterix-Zeichner Uderzo stirbt mit 92 | Kultur | DW | 24.03.2020
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Comic-Legende

Herzanfall, nicht Corona: Asterix-Zeichner Uderzo stirbt mit 92

Der Zeichner der weltberühmten französischen Asterix und Obelix-Comics, Albert Uderzo, ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Gemeinsam mit Autor René Goscinny gehörte er zu den "Vätern" der Comicserie.

"Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt... Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen Galliern bewohntes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten." Mit diesen Sätzen fangen sie an, die 38 Bände um den kleingewachsenen, blondbärtigen Asterix, seinen dicken, gutmütigen Freund Obelix und ihr kleines gallisches Dorf.

Durch einen Zaubertrank und eine gehörige Portion Schläue sind die Gallier in diesem Dorf unbesiegbar. Was viele Fans nicht wissen: Das kleine, gallische Dorf hat ein reales Vorbild aus der Kindheit von Albert Uderzo. Während des Zweiten Weltkriegs lebte der 1927 geborene Albert ein Jahr bei seinem Bruder im bretonischen Örtchen Les Villages. Es sollte später zum Modell für die Heimat von Asterix und Obelix werden.

Jubiläum 50 Jahre Asterix-Hefte (ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2018 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY - UDERZO)

Die wohl beliebtesten europäischen Comicfiguren: Asterix und Obelix

Französische Helden gesucht

Albert Uderzo wuchs als drittes von fünf Geschwistern in der Nähe von Reims, in Clichy-sus-Bois und in Paris auf. Sein Vater war ein italienischer Geigenbauer. 1934 erhielt die Familie die französische Staatsbürgerschaft. Es sei eine "fröhliche, aber arme Kindheit" gewesen, sagte er später in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Seine Liebe zum Comic entdeckte Uderzo früh: Nachdem er seinen Militärdienst abgeleistet hatte, zeichnete er ab 1947 Karikaturen und Comics für französische und belgische Zeitungen. Er war ein Naturtalent, das Zeichnen brachte er sich teils autodidaktisch bei. Doch Uderzo war teilweise farbenblind. Für ihn selbst war das kein Handicap - er nummerierte die Stifte einfach durch, um die Farben unterscheiden zu können.

Jubiläum 50 Jahre Asterix-Hefte (ASTERIX®- OBELIX®- IDEFIX® / © 2018 LES EDITIONS ALBERT RENE / GOSCINNY - UDERZO)

Goscinny (links) und Uderzo

1951 traf Uderzo den Comic-Autoren René Goscinny. Es war der Beginn einer kongenialen Zusammenarbeit. Im ständigen Wettbewerb um die besten Ideen produzierten die beiden Kreativen mehrere Comicserien zusammen. 1959 entwickelten sie die Figur, mit der sie weltweit Ruhm ernten sollten: den kleingewachsenen Gallier Asterix. Mit der Serie wollten sie einen französischen Gegenpol zu den dominierenden US-Comics finden. Das Vorbild: der historische Häuptling Vercingetorix, der Widerstand gegen das römische Reich geleistet hatte.

Siegeszug der Gallier

Doch Asterix musste den Kampf gegen Rom nicht allein aufnehmen. Uderzo erschuf auch die Figur des Obelix, seines besten Freundes. Der gutmütige Dickwanst in weißblauer Hose war die perfekte Ergänzung zum gewitzten Strategen Asterix. 1961 erschien "Asterix, der Gallier" in Buchform mit einer Auflage von 6.000 Exemplaren. Bereits vier Jahre später hatte der Comic die Millionengrenze durchbrochen. Auch international machten die gallischen Helden Furore: Die Asterix-Comics wurden in mehr als 100 Sprachen und Dialekte übersetzt. Bis heute wurden 380 Millionen Bände der Comic-Reihe in 80 Ländern verkauft. Dazu kamen bisher acht Zeichentrickfilme, zwei computeranimierte und vier Realfilme in die Kinos. Er wolle zuallererst Kinder zum Lachen bringen, hat Albert Uderzo einmal gesagt.

Doch die Erfolgsgeschichte der Gallier fand 1977 ein tragisches Ende. Völlig überraschend starb Autor René Goscinny während eines medizinischen Belastungstests. Uderzo sah zunächst keine Zukunft für Asterix mehr. Doch die Fans ließen nicht locker. Uderzo entschied sich schließlich, das Werk allein weiterzuführen. 1980 erschien "Der große Graben". Weitere acht Bände folgten im Abstand von mehreren Jahren. Sie wurden zu Bestsellern, doch Kritiker vermissten den Einfallsreichtum von Goscinny.

Troubadix (Asterix®-Obelix®-Idefix®/© 2017 Les Éditions Albert René)

Einer der vielen beliebten Charaktere aus der Comicreihe: Troubadix, der Barde

Albert Uderzo lebte mit seiner Frau Ada Milani in der Nähe von Paris, war leidenschaftlicher Ferrari-Fan. Er besaß mehrere Sportwagen. Der vielfach preisgekrönte Zeichner träumte von einer Teilnahme an der Formel 1. Mit seiner einzigen Tochter Sylvie, die einige Jahre den väterlichen Verlag geleitet hatte, zerstritt sich Albert Uderzo wegen seiner Nachfolge und den Verwertungsrechten. Sie war - im Gegensatz zu ihrem Vater - der Meinung, dass Asterix nicht von anderen fortgesetzt werden sollte.

"Ich bin der Tempelwächter"

Doch Albert Uderzo war fest davon überzeugt, dass Asterix und Obelix weiterleben sollten. Deshalb erschien im Oktober 2013 ein neuer Band. Er stammt erstmals nicht mehr aus der Feder von Albert Uderzo. "Asterix bei den Pikten" verantwortete der renommierte Comiczeichner Didier Conrad.

Uderzo passte dennoch auf, dass im "kleinen, gallischen Dorf" alles beim Alten blieb. In einem Interview sagt er: "Ich bin der Tempelwächter und achte darauf, dass die Persönlichkeit der Figuren nicht verloren geht." Diese Aufgabe müssen nun andere übernehmen. Doch Albert Uderzo wird uns fehlen - als pointierter Zeichner, kreativer Denker und Schöpfer von so menschlichen Charakteren wie Asterix und Obelix. Wie seine Familie mitteilte, ist Uderzo an den Folgen eines Herzanfalls im Schlaf in seinem Haus in Neuilly gestorben. Es gab keine Verbindung zum Coronavirus.

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