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Heiner Wilmer ist neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz

24. Februar 2026

Die Zahl der Christen in Deutschland sinkt. Die Gesellschaft ist gespalten. Doch der neue Bischofskonferenz-Chef beschwört Einheit und Dialog.

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Deutschland Würzburg 2026 | Heiner Wilmer als neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, nach seiner Wahl Bild: Daniel Peter/epd-bild/picture alliance

Der neue Vorsitzende der katholischen deutschen Bischöfe, Heiner Wilmer, ist vier Tage älter als sein Vorgänger Georg Bätzing. Beide werden im April 65 Jahre alt. Ein Generationswechsel sieht anders aus. Könnte man denken.

Aber der Hildesheimer Bischof Wilmer ist anders als die meisten der deutschen Bischöfe. Erstmals leitet ein Ordensgeistlicher die Konferenz von rund 55 Oberhirten. Wilmer gehört den weltweit in rund 40 Ländern tätigen Herz-Jesu-Priestern an, einem Orden mit rund 2200 Mitgliedern. Von 2015 bis 2018 war er ihr Generaloberer mit Sitz in Rom. In diesem Amt war er häufig weltweit unterwegs. Und er traf des öfteren den früheren Papst Franziskus im Vatikan und pflegte den kurzen Draht. Manches erinnert an den Lebenslauf des US-Amerikaners Robert Prevost, des heutigen Papstes Leo XIV., der zwölf Jahre lang, von 2001 bis 2013, Generaloberer des Augustinianer-Ordens war.

Nach der Wahl des neuen Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz (DBK) im Presseraum der Vollversammlung, im Hintergrund auf der Wand schwach erkennbar das Logo der DBK. Rechts Bischof Heiner Wilmer, daneben DBK-Generalsekretärin Beate Gilles und der bisherige Vorsitzende Georg Bätzing.
Bischof Heiner Wilmer (rechts), daneben Bischof Georg Bätzing und die Generalsekretärin der Bischofskonferenz, Beate GillesBild: Peter Back/Geisler-Fotopress/picture alliance

Wenn Kritiker seines Vorgängers Bätzing ihre Sicht konkret machen wollten, kamen gelegentlich seine fehlenden Italienisch-Kenntnisse zur Sprache, die es im Dialog oder Disput mit der vatikanischen Kurie einfach brauche. Wilmer dagegen ist vielsprachig.

Und Plattdeutsch

Er studierte unter anderem in Paris und Rom. Als junger Priester arbeitete er als Lehrer einige Monate in Kanada und ein Jahr in New York in der Bronx. Bei seiner Ansprache nach der Bischofsweihe im September 2018 im Hildesheimer Dom switchte er vom Deutschen ins Spanische, Englische, Französische und Italienische. Und ja, Wilmer, auf einem Bauernhof im Westen Niedersachsens aufgewachsen, sprach da auch Plattdeutsch, das er nun bei seiner Vorstellung in Würzburg erneut anklingen ließ.

Anlässlich seiner Bischofsweihe kam Wilmer 2018 auch auf das Thema Missbrauch zu sprechen, das Großthema der katholischen Kirche in Deutschland spätestens seit 2010. "Das schwerste und bitterste Thema" sei für ihn "der Zusammenhang von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch in unserer Kirche". Er wolle sich diesem Thema "mit aller Kraft widmen".

Einige Monate später legte er nach und sagte in einem Zeitungsinterview: "Der Missbrauch von Macht steckt in der DNA der Kirche." Man müsse radikal umdenken. Da empörten sich reaktionäre Bischöfe und Laien. Aber der dritte Vorgänger Wilmers, Bischof Heinrich Maria Janssen (1907-1988), 25 Jahre Hildesheimer Oberhirte, gilt mittlerweile gut belegt als Missbrauchstäter. In diesem Bistum wandten sich viele Menschen wegen dieses Bischofs nach Bekanntwerden der Verbrechen von der Kirche ab.

Nach seiner Wahl zum Vorsitzenden der Bischofskonferenz richtete sich Wilmer auch an Betroffene sexueller Gewalt in der Kirche. "Ihre Stimmen haben Gewicht", sagte er vor Journalisten. Jede Aufarbeitung gewinne "Tiefe und Wahrheit" durch das Zeugnis der Betroffenen.

Bischof Heiner Wilmer schwenkt am Osterfest 2019, seiner ersten Osterfeier als Bischof, das silberne Weihrauchfass im Dom der Stadt und verbreitet so festlichen Duft, der in die Höhe aufsteigt. Im Hintergrund sind Gläubige zu erkennen.
Bischof Heiner Wilmer bei einem feierlichen Gottesdienst im Hildesheimer DomBild: Peter Steffen/dpa/picture alliance

In seinem ersten öffentlichen Statement, vom Smartphone abgelesen und gut sechs Minuten lang, betonte Wilmer die Bedeutung von Synodalität, dem Dialog-Prinzip in Kirche, und das "gemeinsame Hören". Und es gelte: "Der Heilige Geist lebt nicht nur im Konsens, sondern auch im Widerspruch."

Im Streit mit einem Pfarrer

Konkret hat Wilmer das selbst praktiziert. Im Frühjahr 2024 eskalierte eine Kontroverse mit dem katholischen Pfarrer von Wolfenbüttel. Dieser Pfarrer kritisierte am konkreten Beispiel eines Missbrauchstäters das Engagement Wilmers und der Bistumsleitung. Ein Schlagabtausch über die Medien. Der Bischof forderte den Rücktritt des Pfarrers, in der Gemeinde kochte die Stimmung hoch. Und doch gelang es, den Streit auszuräumen. Schlussendlich feierten beide, Bischof und Pfarrer, gemeinsam mit der Gemeinde die Sonntagsmesse.

Die Kirche, so Wilmer, wolle Botschafterin des Friedens sein. Das gelte angesichts der vielen Krisen und politischen Auseinandersetzungen in der Welt. Dabei nahm er auch Bezug zum vierten Jahrestag des Beginns des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und formulierte einen Appell zum Frieden für die Ukraine nach "vier Jahren voller Leid, voller Zerstörung, voller Tränen". "Wir glauben an die Kraft des Rechts vor der Gewalt", sagte er mit Blick auf die "vielen Krisenherde der Welt".

Die katholische Kirche habe eine "schwere Zeit" hinter sich, sagte Wilmer nun in Würzburg. Aber sein Eindruck aus Gemeindebesuchen sei: "Wir haben Probleme und Herausforderungen, ja. Aber die Gläubigen vor Ort sind gut drauf." Kirche sei für viele ein "wichtiger Anker".

Bischof Heiner Wilmer sitzt im Gespräch mit der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann in der vorderen Reihe von Kirchenbänken. Im Hintergrund sieht man weitere Teilnehmer des Empfangs.
Bischof Wilmer mit der FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann beim Jahresempfang des Bistums Hildesheim im Mai 2024Bild: Clemens Heidrich

Vielleicht betonte er das angesichts seines Eindrucks der gesellschaftlichen Stimmung. Wilmer zeigte sich besorgt über einen "inneren Unfrieden in Deutschland" und warnte vor "Defätismus und Untergangssehnsucht". Die Demokratie organisiere die Uneinigkeit einer Gesellschaft "in gerechter und friedvoller Weise". Die Kirche wolle den Weg der Demokratie mitgehen, auf dem sie sich auch selbst "einüben" müsse.

Dabei steht die katholische Kirche im öffentlichen Bild oft schlecht da. Die Zahl der Christen in Deutschland sinkt kontinuierlich – weil Gläubige aus der Kirche austreten und auch, weil weit mehr ältere Kirchenmitglieder sterben als durch Taufe neu in die Kirche kommen. Kirchliche Bauten, Gotteshäuser, Pfarrhäuser oder leerstehende Klöster werden abgerissen oder umgenutzt.

Oft wirkt die Bischofskonferenz bei kirchlich-theologischen Fragen uneins. Kaum einmal fiel Einstimmigkeit so sehr auf wie bei ihrem Nein zu völkischem Nationalismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit, das sie vor zwei Jahren ungewohnt scharf und einstimmig formulierte. Es war ein Nein zu typischen Positionen der Partei Alternative für Deutschland, AfD.

Die Bischöfe und das Alter

Wilmer ist in Hildesheim, gelegentlich auch im Bistum mit dem Fahrrad unterwegs. Bei seinem ersten Auftritt wirkte Wilmer dynamischer und jünger als sein fast gleich alter Vorgänger Bätzing. Dieser wirkte zuletzt müde. Er hatte häufig an der Seite der katholischen Laien in Deutschland Kontroversen mit Rom ausgetragen und stand zugleich in der Kritik konservativer Bischöfe in Deutschland. "Mal ehrlich, nach einer weiteren Amtszeit wäre ich 70 oder 71. Das muss nicht sein!", sagte Bätzing vor wenigen Tagen in einem Interview der Wochenzeitung "Die Zeit".

So spricht vieles aus dieser Wahl. Bätzing und Wilmer gehören zur jüngeren Hälfte der derzeit 25 Ortsbischöfe in Deutschland. Der insgesamt jüngste, Michael Gerber aus Fulda, ist 56 Jahre alt (sieben Kardinäle der katholischen Weltkirche aus anderen Erdteilen sind jünger). Der leitende Klerus steht da beispielhaft für eine Überalterung der Geistlichen in Deutschland.