Harley-Davidson: Rebellen unter Strom | Aktuell Welt | DW | 31.07.2018
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Motorräder

Harley-Davidson: Rebellen unter Strom

Die legendäre Motorradschmiede hat Probleme: Die dicken US-Bikes finden immer weniger Käufer und das Management steht unter gewaltigem politischen Druck. Eine überraschende Modellstrategie soll aus dieser Krise führen.

USA - Harley Davidson LiveWire (picture alliance/dpa/Harley-Davidson)

Kein Poltern, kein mechanisches Beben: Die Harley-Davidson LiveWire summt nur

Kleinere Motorräder, elektrische Antriebe, frische Ideen für den Vertrieb: Einer der ältesten Motorradhersteller der Welt erfindet sich neu. Gemeinsam mit einem asiatischen Hersteller wolle man ein Motorrad mit einem Hubraum von 250 bis 500 Kubikzentimetern für den indischen und für andere Märkte in Asien entwickeln, verkündete die 115 Jahre alte US-Traditionsfirma in Milwaukee.

Das neue Modell ist Teil eines Wachstumsplans bis 2022, mit dem Harley-Davidson auf sinkende Umsätze reagiert. Der für seine schweren Maschinen bekannte US-Motorradbauer hatte im vergangenen Quartal Abstriche beim Nettogewinn und beim Umsatz machen müssen. Im Juni hatte sich der Konzern den Zorn von Donald Trump zugezogen, als die Manager entschieden, einen Teil der Produktion ins Ausland zu verschieben. Der US-Präsident, der die Harley-Bosse zu Beginn seiner Amtszeit noch ins Weiße Haus eingeladen hatte, drohte dem Unternehmen nun mit dem "Anfang vom Ende" und kündigte an: "Sie werden besteuert wie nie zuvor!".

USA | Harley Davidson (Getty Images/D. Angerer)

Als der Präsident noch stolz auf Harley-Davidson war

Harley reagierte mit der geplanten Verlagerung von Fertigungskapazitäten auf den von Trump losgetretenen Handelsstreit und wollte so den angedrohten Vergeltungszöllen der EU entgehen.

Doch nicht nur der Streit mit dem Präsidenten belastet das Unternehmen, auch die Verkaufszahlen gehen kontinuierlich zurück. So gelingt es immer seltener, jüngere Kunden für die großvolumigen Zweizylinder zu gewinnen. Im zweiten Quartal sank der Absatz in den USA im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,4 Prozent auf nur noch 46.490 verkaufte Motorräder.

Tschechien - Harley Davidson Treffen in Prag (picture alliance/dpa/CTK Photo/J. Honza)

Die Harley-Kundschaft wird auch nicht jünger

Von seiner Geschichte alleine kann Harley-Davidson ebenso wenig leben wie vom Image des freiheitsliebenden Rebellen auf zwei Rädern. Folglich drängt es den Hersteller auf die asiatischen Wachstumsmärkte. Dabei gibt es – auch in Europa - bereits seit 2014 eine Harley aus indischer Fertigung: Die "Street 750" kann zwar auch von Führerscheinneulingen bewegt werden, stößt bei den eisenharten Fans der Marke jedoch auf verhaltene Reaktionen. In Asien ist das Modell mit 500 Kubikzentimetern erhältlich.

Indien 2014 - Harley Davidson auf der Autoexpo (picture alliance/dpa/Harley-Davidson)

Die Indien-Harleys heißen "Street 500" und "Street 750"

Nun will man im Jahr 2020 weitere Modelle für das Segment von 500 bis 1250 Kubikzentimetern auf den Markt bringen. Harley kündigt dafür eine "Neue Plattform" an. Verkauft werden sollen die neuen Typen auch in kleinen Shops in den Innenstädten. 

Im klassischen Bereich wolle man die Weiterentwicklung schwerer Maschinen vorantreiben, um traditionelle Harley-Davidson-Fahrer zu halten, versichern die Konzernchefs. 

Harley Davidson Biker in Tschechien (Reuters/D. W. Cerny)

Der klassische Harley-Fahrer weiß, wo der Hammer hängt

Den größten Kulturschock wird jedoch zweifellos die "LiveWire" auslösen: Ein elektrisch summendes Motorrad, mit dem sich Harley-Davidson zum Marktführer in dem Segment aufschwingen will. "Livewire" soll schon im kommenden Jahr erhältlich sein. Weitere "Twist and Go"-Elektro-Zweiräder sollen folgen: leichter und kleiner und vor allem für den Stadtverkehr gedacht. Die Easy-Rider stehen jetzt schon unter Strom.

rb/se (ap, dpa)

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