Hardliner gewinnt Wahl in Nordzypern | Europa | DW | 18.04.2010
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Hardliner gewinnt Wahl in Nordzypern

Dervis Eroglu - für den Friedensprozess auf der geteilten Mittelmeerinsel Zypern könnte sein Sieg bei der Präsidentenwahl einen herben Rückschlag bedeuten. Eine Wiedervereinigung strebt er jedenfalls nicht an.

Dervis Eroglu (Foto: AP)

Der Wahlsieger: Eroglu

In Nordzypern hat der konservative Hardliner Dervis Eroglu die Präsidentenwahl vom Sonntag bereits in der ersten Runde für sich entschieden. Laut vorläufigem amtlichen Endergebnis, das in der Nacht zum Montag (19.04.2010) veröffentlicht wurde, erhielt Eroglu knapp 50,4 Prozent der Stimmen - und damit die absolute Mehrheit. Eine Stichwahl ist nicht erforderlich. Der bisherige Präsident Mehmet Ali Talat musste sich mit 42,8 Prozent begnügen.

Mehmet Ali Talat mit seiner Frau (Foto: AP)

Der Wahlverlierer: Talat

Der 72-jährige Eroglu, Vorsitzender der konservativen Nationalen Einheitspartei (UBP), ist derzeit Regierungschef der Türkischen Republik Nordzypern. Diese wird allerdings nur von der Türkei als eigenständiger Staat anerkannt.

Zypern war am 1. Mai 2004 in die Europäische Union aufgenommen worden. Das EU-Recht gilt aber vorerst nur im griechisch-zyprischen Süden der Mittelmeerinsel. Im Gegensatz zu Talat ist Eroglu bisher für eine Zwei-Staaten-Lösung eingetreten, die die griechischen Zyprer ablehnen.

"Negative Entwicklung"

Ein Sprecher der Regierung im griechischen Süden Zyperns bezeichnete die Wahl Eroglus als "zweifellos eine negative Entwicklung". Schließlich ist die Zukunft der Gespräche über eine Wiedervereinigung Zyperns ungewisser denn je.

Viele befürchten, dass der Sieg Eroglus den ohnehin nur schleppend verlaufenden Verhandlungen endgültig das Aus bringen könnte. Dies wiederum würde allerdings das Streben der Türkei nach einer Mitgliedschaft in der Europäischen Union torpedieren. Nach Einschätzung politischer Beobachter dürfte der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan deshalb weiteren Druck auf Eroglu ausüben, den Aussöhnungsprozess auf Zypern fortzusetzen.

"Niemand soll denken, dass ich den Verhandlungstisch verlasse", versicherte Eroglu denn auch im türkischen Nachrichtensender NTV. Er werde sich für eine Lösung einsetzen, "welche die Rechte meiner Gemeinschaft berücksichtigt". Dabei werde er "im engen Dialog mit dem Vaterland" Türkei vorgehen.

Anhänger Eroglus in Nikosia (Foto: AP)

Große Freude bei Eroglus Anhängern in Nikosia - mit dabei: die türkische Flagge

Teilung seit Jahrzehnten

Zypern ist seit 1974 geteilt. Damals waren nach einem Putsch griechischer Nationalisten türkische Truppen im Norden der Insel einmarschiert. Noch heute sind in Nordzypern rund 35.000 türkische Soldaten stationiert.



Autor: Christian Walz (afp, apn, dpa)
Redaktion: Michael Wehling

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema