Haftstrafen für zwei Manager nach Chemieunfall in Ungarn | NRS-Import | DW | 04.02.2019
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Ungarn

Haftstrafen für zwei Manager nach Chemieunfall in Ungarn

Mehr als acht Jahre nach der schlimmsten Umweltkatastrophe Ungarns sind zwei Verantwortliche zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. 2010 waren bei dem Chemieunfall zehn Menschen umgekommen.

Ungarn Chemieunglück 2010 | roter Schlamm in Devecser (picture-alliance/dpa/T. Kovacs)

So sah es kurz nach dem Dammbruch in der betroffenen Stadt Devecser aus (Archivbild)

Das Gericht im westungarischen Györ ordnete für den früheren Chef der Aluminiumfabrik-Betreiberfirma MAL, Zoltan B., zweieinhalb Jahre Gefängnis an, sein damaliger Stellvertreter Jozsef D. soll für zwei Jahre hinter Gitter. Gegen sieben weitere Angeklagte wurden Bewährungsstrafen verhängt, ein Beschuldigter wurde offiziell von der Justiz gerügt, fünf weitere wurden freigesprochen. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Die Gerichtsbeschlüsse erfolgten wegen fahrlässiger Tötung, Verletzung öffentlichen Eigentums, Verstöße gegen Abfallentsorgungsregeln und Umweltverschmutzung. Die Anklage hatte dargelegt, die Beschuldigten hätten das tödliche Unglück verhindern können. Dabei waren 2010 zehn Menschen ums Leben gekommen, mehr als 200 weitere wurden verletzt, sie erlitten teils schlimmste Verätzungen.

In einem ersten Prozess waren im Januar 2016 alle Beschuldigten freigesprochen worden, die Staatsanwaltschaft legte aber Berufung ein. Ein Berufungsgericht in Györ ordnete daraufhin im Februar 2017 an, den Prozess neu aufzurollen.

Ungarn Chemieunglück 2010 | Prozess 2016, Zoltan Bakonyi - CEO von MAL (Getty Images/AFP/F. Isza)

Der damalige MAL-Geschäftsführer Zoltan B. vor Gericht im Jahr 2016

Rote Schlammlawine

Der Chemieunfall hatte sich am 4. Oktober 2010 in der MAL-Aluminiumfabrik in Ajka ereignet, 160 Kilometer westlich von Budapest. Ein Auffangbecken der Fabrik barst, und etwa 1,1 Millionen Kubikmeter Giftschlamm ergossen sich über die umliegenden Dörfer. Bei dem roten Schlamm handelte es sich um ein giftiges bleihaltiges Abfallprodukt aus der Aluminiumproduktion, das zudem leicht radioaktiv ist. Die Schlammlawine verursachte das schwerste Industrieunglück und die schlimmste Umweltkatastrophe in der Geschichte Ungarns.

Mehr als 300 Häuser wurden zerstört, 800 Hektar Ackerland und mehrere Gewässer verseucht. Der Giftschlamm erreichte auch die Donau. Straßen, Plätze und Häuser der Umgebung mussten aufwändig mit Spezialgerät gereinigt werden. Das Ernten und der Verzehr von örtlichen Produkten wurden vorübergehend verboten. Bis heute darf auf Hunderten von Hektar nichts angebaut werden. Dutzende Anwohner weigerten sich, in das betroffene Gebiet zurückzukehren.

Im September 2011 wurde die Betreiberfirma MAL zu 135 Milliarden Forint (430 Millionen Euro) Strafzahlung an die örtlichen Behörden verurteilt. Seine Produktion durfte das Werk aber fortsetzen. Da das Unternehmen die Geldbuße nicht zahlte, wurde es verstaatlicht.

kle/jj (afp, dpa, ape)

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