Hält die Jugend zu Franziskus? | Politik | DW | 03.10.2018
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Katholische Kirche

Hält die Jugend zu Franziskus?

Im Schatten des Missbrauchskandals beginnt an diesem Mittwoch im Vatikan die Jugendsynode. Wichtigstes Thema ist die katholische Sexualmoral. Doch nur 34 von über 400 Teilnehmern sind Jugendliche.

"Für mich", sagt Thomas Andonie, "ist das Kernziel der Synode zu schauen: Was brauchen junge Menschen, damit sie ihren Weg durchs Leben finden? Und wie kann Kirche sie dabei begleiten?" Und dann wird der 27-Jährige gleich konkreter: "Da geht es um den Umgang mit Partnerschaft, mit Sexualität. Homosexualität wie auch Heterosexualität, und auch vorehelicher Partnerschaft." Und dann fügt er im Gespräch mit der Deutschen Welle noch den Hinweis auf die Rolle der Frau in der Kirche an, die gestärkt werden müsse, bis hin zum Weiheamt. 

Thomas Andonie ist Vorsitzender des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und ist mit diesen Fragen nach Rom gereist. Er will die Anliegen der 660.000 Mitglieder des Verbandes bei der am 3. Oktober beginnenden Jugendsynode im Vatikan einbringen. Der Papst, der des öfteren über das alte Gesicht Europas klagt, will mit der dritten Bischofssynode bis Ende Oktober nun das junge Gesicht der Kirche in den Blick nehmen.

Bereits am vergangenen Mittwoch überreichte Andonie dem Papst auf dem Petersplatz tausende Postkarten von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Mit drängenden Fragen wie: "Warum kann ich als Frau kein Priester werden?", und "Warum dürfen Priester nicht heiraten?".

Vatikan Thomas Andonie übergibt Papst Franziskus Postkarten und Briefe (picture-alliance/Vatican New)

BDKJ-Chef Thomas Andonie überreichte mit dem Bundespräses Dirk Bingener vor der Synode tausende Postkarten mit Fragen und Anregungen an Papst Franziskus

Jugendliche in der Minderheit

Die Synode soll ein weiterer Baustein der päpstlichen Strategie sein, die Kirche behutsam und begrenzt zu öffnen. Sie soll Fragen des Glaubens und des Lebens gerade aus der Sicht junger Menschen thematisieren. Und nach einer sogenannten Vorsynode im März mit 300 jungen Leuten in Rom findet sich im gut 50-seitigen Arbeitsdokument auch der Wunsch nach der Diskussion strittiger Themen wie Homosexualität und Gender-Fragen. Ja, der Vatikan verwendet ungewöhnlicherweise sogar das Kürzel LGBT (für homosexuelle, bi- und transsexuelle Menschen).

Dabei ist die auf gut drei Wochen angelegte Jugendsynode alles andere als jung. Nur 34 von gut über 400 Teilnehmern, Delegierten und Gästen, sind unter 30 Jahre alt. Andonie sagt, die katholische Jugend in Deutschland hätte "gerne genau so viele junge Menschen wie Bischöfe bei der Synode dabei gehabt". Bischöfe sind es an die 260. "Der Vatikan bringt sich hier um eine große Chance, mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen", sagt Andonie. Denn es gilt auch: Bischöfe dürfen über das Abschlussdokument der Synode abstimmen, die jungen Teilnehmer nicht.

Über-Thema Missbrauch

Das Thema Missbrauch überschattet auch die Jugendsynode. Aus immer mehr Ländern werden zahlreiche Fälle sexueller Gewalt durch Priester gegen Minderjährige bekannt, darunter Australien und die USA, Chile und Frankreich, Deutschland und die Philippinen, um nur einige zu nennen. Bereits im Arbeitspapier der Synode wurde die Forderung nach Aufarbeitung beim Thema Missbrauch festgehalten.

Vatikan PK zu Bischofssynode (picture-alliance/AP Photo/A. Medichini)

Der durchschnittliche Teilnehmer der Bischofssynode ist männlich, Bischof und schon etwas älter. Hier ein Bild von der Synoden-Pressekonferenz am Dienstag

Seit Ende August wird das dringlicher. Da startete der frühere päpstliche Botschafter in den USA, Carlos Maria Vigano, einen öffentlichen Feldzug gegen das bisherige System der Kurie und warf ihm massive Vertuschung und Behinderung von Aufarbeitung vor. Die Kirche in den USA wirkt seitdem zerrissen. Und Vigano, der seitdem abgetaucht ist, aber weitere Vorwürfe veröffentlicht hat, legte Franziskus sogar den Rücktritt nahe. Der schweigt. Und ermunterte Journalisten zur Aufklärung der Sachverhalte. Aber sein Schweigen irritiert.

"Es geht für mich nicht, dass wir einfach zur Tagesordnung übergehen und das Thema Missbrauch aussparen. Die Kirche muss auf das hören, was junge Menschen sagen. Und wir müssen uns auch mit dem Problem sexueller Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene beschäftigen und Lösungen finden", sagt Andonie. "Dahinter stehen eben auch die klerikalistischen Strukturen in der Kirche, die wir durchbrechen müssen."

Video ansehen 06:44

Opfervertreter fordert staatliche Aufarbeitung und Einbeziehung Betroffener

Auch mehrere der deutschen Bischöfe, die sich Ende September in Fulda mit neuen erschütternden Zahlen des Missbrauchs in der katholischen Kirche seit Ende des Zweiten Weltkriegs befassten, sind in Rom dabei. Das Thema Missbrauch, sagte der Jugend-Bischof der Deutschen Bischofskonferenz, Stefan Oster, "muss auf den Tisch". Er hoffe, dass die Debatte in Rom ausführlich stattfinden könne.

Für die Synode nehmen sich die gut 400 Teilnehmer gut drei Wochen Zeit. Bei den ersten Synoden unter Papst Franziskus gab es in manchen Debatten regelrechte Flügelkämpfe. Das ist nun erneut zu erwarten. 

2014 und 2015 gab es bereits Bischofssynoden zum Thema Familie. Bei beiden rumorte es in konservativen Kreisen heftig, bei der ersten wegen des Themas Homosexualität, bei der zweiten wegen des kirchlichen Umgangs mit konfessionsverschiedenen Ehepaaren bei der Eucharistie.

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