Grundschulbildung in Afrika: Kost′ nix, taugt nix? | Afrika | DW | 11.07.2015
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Afrika

Grundschulbildung in Afrika: Kost' nix, taugt nix?

Die meisten afrikanischen Länder erheben in der Primarausbildung keine Schulgebühren mehr. "Bildung für alle" rückt damit in greifbare Nähe. Dennoch bleiben viele Hürden zu überwinden.

Die staatliche Grundschulausbildung ist in Uganda kostenlos - trotzdem entschied sich die Journalistin Jane Ayeko-Kümmerth für eine Privatschule: Häufig seien die staatlichen Schulen in sehr schlechtem Zustand, die Klassen seien zu groß, die Lehrer überfordert und demoralisiert. Die Ausbildung sei immer schlechter geworden. "Ich habe für jeden meiner beiden Söhne rund 900 Euro im Schuljahr an die Privatschule gezahlt", erzählt sie. Dabei hatte Präsident Yoweri Museveni seinen Wahlsieg 1996 unter anderem der Abschaffung der Schulgebühren zu verdanken.

Seit der Ausrufung des ambitionierten Slogans "Bildung für alle" auf dem Weltbildungsforum in Dakar im Jahr 2000 haben neben Uganda viele weitere Länder in Subsahara-Afrika Schulgebühren gestrichen. Damals hatten sich weltweit 164 Länder verpflichtet, allen Kindern Zugang zu unentgeltlicher, obligatorischer und qualitativ hochwertiger Grundschulbildung zu verschaffen.

Weniger Gebühren - mehr Schülerinnen und Schüler

Der diesjährige UNESCO-Weltbildungsbericht zählt positive Beispiele des weltweiten Aktionsprogramms "Bildung für alle" aus Afrika auf. In Tansania etwa, wo es seit 2002 keine Schulgebühren mehr gibt, stieg der Anteil der Schüler, die die Grundschule abschlossen, zwischen 2000 und 2007 von 50 auf knapp 70 Prozent.

Kampf gegen Malaria in Burkina Faso - Foto: Cécilia Conan

In vielen staatlichen Schulen sind die Klassen überfüllt

Ruanda strich die Gebühren für die ersten drei Jahre der Sekundarschule und erreichte 2012 eine Einschulungsrate von 37 Prozent, drei mal höher als noch 2009. Die Regierung will innerhalb der kommenden zwölf Jahre die gesamte Schulbildung kostenfrei gestalten. In Kenia kündigte Präsident Uhuru Kenyatta vor gut einem Monat an, die Gebühren für die Grund- und Sekundarschulen bis 2018 abzuschaffen. In einem ersten Schritt will die Regierung die Prüfungsgebühren erlassen. Besonders wichtig sind laut UNESCO die vermehrten Einschulungen von benachteiligten Kindern wie Mädchen und Waisen. Das sei auch in Uganda gelungen.

Klassenziel nicht erreicht

"58 Millionen Kinder weltweit gehen noch immer nicht zur Schule, davon 30 Millionen in Afrika ", schränkt Yumiko Yokozeki vom UNESCO International Institute for Capacity Building in Africa in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba die Erfolgsstory ein. Eine der Hauptaussagen des Berichts sei deshalb, dass die größten wirtschaftlichen Ungleichheiten weiterhin bestehen bleiben. Das liege auch daran, dass die Schulgebühren nur einen Teil der Kosten ausmachten.

Uganda, Schulkinder auf dem Schulweg - Foto: imago/Xinhua

Teure Uniformen: Schülerinnen auf dem Schulweg in Uganda

Die Uganderin Jane Ayeko-Kümmerth kann das bestätigen. An den staatlichen Schulen sei die sogenannte "Kostenteilung" eingeführt worden: Eltern zahlten zehn Euro pro Kind und Trimester, um die Gehälter der Lehrer etwas aufzubessern: "Die Regierung will den Begriff 'Gebühren' vermeiden", so Ayeko-Kümmerth. "Zudem müssen die Eltern alles andere bezahlen: Schul- und Textbücher, Stifte und Uniformen, Socken und Sportkleidung… Das ist wahnsinnig teuer."

Besonders benachteiligt: Mädchen

Auch in anderen afrikanischen Staaten, etwa in Südafrika, wurden Gebühren auf anderem Wege wieder eingeführt. Dort waren im Jahr 2008 zwei Drittel der Schulen gebührenfrei, aber die staatlichen Zuschüsse ließen so lange auf sich warten, dass die Schuldirektoren schließlich doch wieder Geld verlangen mussten. Mit der Folge, dass ärmere Familien ihre Kinder wieder vermehrt zu Hause behalten mussten.

Töchter armer Familien in ländlichen Regionen Subsahara-Afrikas haben besonders schlechte Chancen auf einen Schulbesuch: Nur 23 Prozent von ihnen schaffen es, eine Grundbildung abzuschließen. "Selbst da, wo keine Schulgebühren erhoben werden, bleiben die Mädchen zu Hause", hat UNESCO-Beraterin Yokozeki in vielen Ländern festgestellt. "Töchter helfen den Müttern im Haushalt oder passen auf die kleineren Geschwister auf." Teenager-Schwangerschaften seien an der Tagesordnung und auch frühe Heirat sei ein Grund, die Schule vor einem Abschluss zu verlassen.

Ausweg: Geld für Benachteiligte

Diesen benachteiligten Kindern kann mit gezielten staatlichen Zuschüssen geholfen werden, führt der Weltbildungsbericht der UNESCO aus. In Ghana sei ein Pilotprojekt in 40 besonders armen Distrikten so erfolgreich gewesen, dass die Zivilgesellschaft eine Ausweitung auf das ganze Land forderte. Die sogenannte Pro-Kopf-Förderung richtet sich zum Beispiel an der Lehrer-Schüler Relation aus, um Schulen über die Lehrergehälter hinaus ausreichend zu finanzieren. Ein anderes Modell: In Kenia bekommen benachteiligte Familien in städtischen Slums Geld, wenn sie Kinder in die Schule schicken. "Das war sehr effektiv", so Yokozeki.

Elfenbeinküste Schule - Foto: Getty Images/AFP/I. Sanogo

Mädchen müssten besonders gefördert werden, fordert die UNESCO

In Uganda warten arme Familien darauf noch vergebens. Auch wenn sich die von Ministern und Präsident hochgelobten hohen Einschulungsraten sehen lassen können, leiden die Kinder unter der schlechten Qualität der Ausbildung. "Es gibt Kinder, die nach sieben Jahren Grundschule weder lesen noch schreiben noch die einfachsten Rechenaufgaben lösen können", klagt Journalistin Ayeko-Kümmerth.

Laut UNESCO muss die internationale Gemeinschaft zusätzlich 22 Milliarden US-Dollar pro Jahr aufbringen, um frühkindliche Bildung und Grundbildung für alle Menschen weltweit sicherzustellen.

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