Großbritannien: Starmer gerät immer mehr in die Defensive
21. Juni 2026
Möglicherweise schon an diesem Montag könnte Premierminister Keir Starmer seinen Rückzug erklären, erfuhren britische Medien. Der 63-Jährige sei nach Gesprächen mit Ministern, Beratern und Gewerkschaftsführern zu dem Schluss gekommen, dass er sich nicht mehr im Amt halten könne, meldete etwa die Zeitung "The Observer".
Auch anderen Berichten zufolge legten etliche Labour-Abgeordnete und Kabinettsmitglieder Starmer einen Abgang nahe - darunter nach Informationen des Senders Sky News hochrangige Politikerinnen wie Außenministerin Yvette Cooper. Die Labour-Parlamentarier machten enormen Druck auf Starmer, seinem parteiinternen Rivalen Andy Burnham den Weg ins Amt des Labour-Chefs freizumachen, schreibt das Blatt "The Guardian" an diesem Sonntag.
"Ich würde sagen, es ist vorbei, Keir", antwortete der frühere Minister Alan Johnson beim Sender LBC auf die Frage, was er dem Regierungschef raten würde, riefe dieser ihn an. Starmer sei "ein Kämpfer". Jetzt gelte jedoch die "harte Realität", betonte Johnson.
"Draußen lauter Spekulationen"
Wirtschaftsminister Peter Kyle wies hingegen die Berichte über einen unmittelbar bevorstehenden Rücktritt Starmers zurück. "Ich habe keinen Grund zur Annahme, dass sie wahr sind. Ich sehe da draußen lauter Spekulationen", sagte er Sky News.
Kyle räumte allerdings ein, dass der Premier über Vieles nachdenke: "Gleichzeitig versucht er auch, einen Raum zu schaffen, in dem er über die politischen Realitäten und Herausforderungen sowie die vor uns liegenden Chancen nachdenken und reflektieren kann."
Starmer-Rivale Burnham hatte am Donnerstag eine Unterhaus-Nachwahl im englischen Bezirk Makerfield gewonnen. Durch den gewonnenen Parlamentssitz kann er den Premier in eine Wahl um den Labour-Vorsitz zwingen und ihn - bei einem Erfolg - als Regierungschef ablösen. Als weiterer möglicher Nachfolge-Kandidat gilt der ehemalige Gesundheitsminister Wes Streeting.
Die frühere Verkehrsministerin Louise Haigh, eine Unterstützerin Burnhams, sagte am Wochenende: "Wir hoffen sehr, dass dies ein geordneter und kontrollierter Übergang wird, dass Keir Starmer die Ergebnisse reflektiert, und dass Andy und Keir sich in den kommenden Tagen treffen und innerhalb der nächsten Woche auf einen gemeinsamen Weg nach vorn verständigen."
Reform UK auf dem Vormarsch
Ein Nebenschauplatz in der Regierungskrise dürfte die Wahl von Burnhams Nachfolger als Bürgermeister der Metropolregion Greater Manchester werden. Diese soll Ende Juli stattfinden. Labour will das Amt insbesondere gegen die rechtspopulistische Partei Reform UK verteidigen, die in Umfragen in Großbritannien teils deutlich führt.
wa/fab (dpa, rtr)
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