Großdemonstration gegen Agrarindustrie | Aktuell Deutschland | DW | 20.01.2018
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Ökologie

Großdemonstration gegen Agrarindustrie

Mehrere tausend Bauern und Umweltaktivisten haben in Berlin für eine ökologischere Landwirtschaft demonstriert. Zu der Veranstaltung hatte ein Bündnis aus Umwelt- und Landwirtschaftssorganisationen aufgerufen.

Mit dem Protestmarsch wollten die Protestler parallel zur Grünen Woche und am Rande der Agrarministerkonferenz ein Zeichen gegen die Industrialisierung der Agrarwirtschaft setzen. Die Demonstranten forderten mehr Tempo für eine Ernährungswende.

"Die industrielle Land- und Ernährungswirtschaft verursacht lokal und global Probleme für Bauern, Klima, Tiere und Umwelt", sagte Jochen Fritz, Sprecher der mehr als 100 Organisationen, die zur Demo aufgerufen hatten. "Der Umbau hin zu einer umwelt-, tier- und klimafreundlichen Landwirtschaft, in der Bauern gut von ihrer Arbeit leben können, darf von der Politik nicht weiter aufgeschoben werden."

Deutschland Berlin - Demonstration der Landwirte (Reuters/H. Hanschke)

Bunter Prostet gegen die Agrarlobby

Nötig sei eine grundlegende Reform der europäischen Agrarpolitik, betonte Georg Janßen, Bundesgeschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft: "Diejenigen, die umwelt- und klimaschonenden Ackerbau betreiben und Tiere artgerecht halten, müssen durch Direktzahlungen unterstützt werden, nicht wer am meisten Flächen besitzt."

Der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger, warnte vor Gülle und Pestiziden, die Böden und Gewässer belasten. "Bäuerliche Betriebe ringen ums Überleben und das Insektensterben zeigt, welche dramatischen Auswirkungen die industrielle Agrarproduktion auf die Artenvielfalt hat." Die nächste Bundesregierung müsse Lösungen für die massiven Probleme der Landwirtschaft präsentieren.

Verbot von Glyphosat gefordert

Das Demonstrationsbündnis rief die künftige Bundesregierung auf, in einem ersten Schritt das umstrittene Unkrautgift Glyphosat zu verbieten. Gefordert wurden zudem mehr Geld für den Umbau der Tierhaltung, eine Kennzeichnungspflicht bei tierischen Lebensmitteln, ein Verbot von Reserve-Antibiotika sowie faire Marktregeln zum Schutz von Bauernhöfen. Es gehe auch darum, Exportorientierung und Landkonzentration weltweit zu überdenken, sagte Fritz. "Es gibt gute Gründe, die Dinge zu verändern: Artensterben, Grundwasserverschmutzung und Billigexporte nach Afrika", ergänzte Anton Hofreiter, der Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag.

Deutschland - Fahrt zur Treckerdemo Wir haben es satt! (picture-alliance/dpa/C. Pörschmann)

Landwirte auf der Fahrt zur Treckerdemo "Wir haben es satt!" in Berlin

Dutzende Traktoren begleiteten den Protestzug, auf Transparenten hieß es: "Wir haben's glyphosatt", "Kein Schwein braucht Tierfabriken" und "Ohne Bienen ist kein Staat zu machen". Nach aktuellen Angaben der Veranstalter kamen rund 30.000 Menschen zu der Demonstration im Regierungsviertel, darunter rund 150 Bauern samt ihrem Trecker. "Einige Landwirte sind per Traktor sogar aus Süddeutschland angereist", sagte Sprecher Christian Rollmann. Das Netzwerk "Wir haben es satt" wird unter anderem von den Organisationen "Brot für die Welt", Deutscher Tierschutzbund sowie den Umweltverbänden Nabu und BUND unterstützt.

Initiativen gegen das Insektensterben

In den Fokus wollen die Bauern in diesem Jahr auch das Thema Insektensterben rücken. Den Angaben zufolge haben sich Landwirte aus der ökologischen und konventionellen Landwirtschaft in ganz Deutschland dazu verpflichtet, 2018 deutlich mehr sogenannte Blühstreifen an den Feldern einzurichten, um unter anderem Bienen eine bessere Nahrungsgrundlage zu bieten.

"Damit wollen wir ein sichtbares Zeichen setzen, dass den Landwirten der Schutz der Natur besonders am Herzen liegt", sagte Marcus Holtkötter, Landwirt aus Nordrhein-Westfalen und einer der Mitinitiatoren, im Vorfeld. Auch Verbraucher in Großstädten könnten einen Beitrag gegen das Insektensterben leisten, indem sie Blühfelder auf Balkonen oder Gärten anpflanzen, hieß es.

cgn/rb (afp, dpa, epd)