Großbritannien und Russland: Ende der Eiszeit? | Aktuell Welt | DW | 22.12.2017
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Diplomatie

Großbritannien und Russland: Ende der Eiszeit?

Boris Johnsons Besuch in Moskau ist der erste eines britischen Außenministers seit fünf Jahren. Zuvor hatte er Russland scharf kritisiert. In Russland selbst fand Johnson dann diplomatischere Worte.

Cyber-Angriffe, die Annexion der Krim, Versuche Russlands, europäische Staaten zu destabilisieren - die Liste der Vorwürfe Großbritanniens an Russland ist lang. Vor seiner Reise kündigte der britische Außenminister Boris Johnson deshalb an, Klartext zu reden. "Es gibt Bereiche, in denen sich Russland feindseliger gegenüber unseren Interessen verhält als je zuvor seit Ende des Kalten Krieges", sagte der als eher undiplomatisch geltende Brite vor Journalisten. Großbritannien werde sich aber notfalls mit gleichen Mitteln zu wehren wissen. 

Die Äußerungen sorgten für einen frostigen Auftakt des Treffens mit dem russischen Außenminister Sergej Lawrow. "Es ist kein Geheimnis, dass unsere Beziehungen derzeit auf einem Tiefpunkt sind", sagte Lawrow bei einer gemeinsamen Pressekonferenz. Die Vorwürfe, Moskau habe sich irgendwo eingemischt, wies er zurück. Indessen nannte Johnson erneut russische Übergriffe auf die Ukraine und eine Moskauer Einmischung auf dem Westbalkan als Streitpunkte.

Gemeinsamkeiten wichtiger als Unterschiede?

Dennoch herrschte nach Jahren der Funkstille insgesamt ein versöhnlicherer Ton vor, als man im Vorfeld hätte erwarten können. Johnson erklärte, Moskau und London sollten als ständige Mitglieder im UN-Sicherheitsrat in Fragen wie Syrien, Nordkorea oder dem Erhalt des Atomabkommens mit dem Iran zusammenarbeiten. Trotz aller "Schwierigkeiten" in den vergangenen Jahren müsse man einen Weg finden, um "voranzugehen". Johnson bezeichnete sich außerdem als "Russophilen" (Russland-Liebhaber), wofür schon sein Vorname Boris stehe. 

Lawrow betonte seinerseits, dass er trotz der Konflikte seinem britischen Amtskollegen vertraue und zu einem Dialog auf Augenhöhe bereit sei. Dabei müssten die Interessen des anderen berücksichtigt und respektiert werden, forderte der russische Chefdiplomat. Am Ende des Treffens blieb sogar Zeit für ein paar Scherze. Johnson erzählte, er habe Lawrow seinen Mantel gegeben "mit allem was drin ist, geheim oder nicht". Daraufhin witzelte dieser: "Ich kann sagen, dass in Boris' Taschen nichts war." Worauf der Brite das letzte Wort behielt: "Du hast also schon nachgeschaut!"

Noch im April hatte Johnson einen Besuch in Moskau in letzter Minute wegen der russischen Unterstützung für Syriens Machthaber Baschar al-Assad abgesagt. Das Verhältnis zwischen beiden Ländern war seit 2006 deutlich abgekühlt, als der frühere Geheimagent und spätere Kreml-Kritiker Alexander Litvinenko in London vergiftet wurde. Auch war London ein engagierter Verfechter der westlichen Sanktionen gegen Russland, nachdem es 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert hatte. Nach dem Treffen mit Lawrow will Johnson auch mit Oppositionellen, Studierenden und Vertretern der Schwulenbewegung in Russland zusammenkommen.

ie/cr (dpa, afp, rtr)

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