Grüße aus aller Welt: Die Postkarte wird 150 Jahre alt | Lebensart | DW | 21.08.2019
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Lebensart

Grüße aus aller Welt: Die Postkarte wird 150 Jahre alt

Zum 150. Jubiläum bekommt die gute alte Postkarte eine eigene Ausstellung. Zunächst als "unanständige Mitteilung" verpönt, wurde sie in Deutschland schnell populär und überbrachte ebenso Liebes- wie Urlaubsgrüße.

Die älteste Postkarte der Welt war eigentlich noch gar keine - zumindest nicht offiziell. Sie wurde 1840 als handgemalte Karte an einen gewissen Theodore Hook verschickt. Das Motiv: Schreiber eines Postamts, die um ein riesiges Tintenfass sitzen. Es wird vermutet, dass Hook, der als Scherzbold bekannte britische Autor und Stückeschreiber, sich die Karte selbst geschickt hat - ganze 29 Jahre bevor die Postkarte 1869 offiziell von den Österreichern eingeführt wurde.

Hooks Karte wurde 2002, kurz nachdem sie zwischen den Seiten eines Briefmarkenalbums wiederentdeckt wurde, für 35.000 Euro versteigert.

Großbritannien 2002 | eine Frau hält die alteste Postkarte der Welt von Theodore Hook hoch (Getty Images/S. Touhig)

Die erste Postkarte der Welt wurde im Juli 1840 verschickt

Im Berliner Museum für Kommunikation wird die Postkarte jetzt gebührend gefeiert. "Mehr als Worte. 150 Jahre Postkartengrüße" heißt die Ausstellung, die sich auf das Jubiläum in deutschsprachigen Ländern fokussiert.

Heinrich von Stephan, der spätere Gründervater des Museums, war ein früher Verfechter des Formats. Der Generalpostdirektor des Deutschen Reichs schlug bereits bei einer Postkonferenz im Jahre 1865 die Einführung eines offenen Postblatts vor; sein Vorschlag  wurde damals allerdings als "unanständige Form der Mitteilung" verworfen. Die österreichisch-ungarische Postverwaltung griff die Idee aber wieder auf, führte vier Jahre später die "Correspondenz-Karte" ein und markierte damit den Beginn eines neuen Kommunikationsmediums.

Vorläufer von SMS, WhatsApp und Instagram

Um eine Postkarte in Deutschland zu verschicken, musste man ab 1872 nur die Hälfte dessen berappen, was an Gebühr für einen Brief fällig wurde - was enorm zum Siegeszug dieses neuen Nachrichtenträgers beitrug. Man konnte sogar Doppelkarten mit bereits vorbezahltem Antwortschreiben versenden, und so avancierte die Postkarte schnell zum beliebten Format, um schnelle Grüße zu verschicken und Verabredungen zu treffen - ähnlich den modernen SMS- oder WhatsApp-Nachrichten.

So wie die heutige Generation Fotos auf Instagram oder Facebook postet, zeigten die bebilderten Postkarten der Jahrhundertwende beliebte Sehenswürdigkeiten und Ausflugsziele, überbrachten Urlaubsgrüße und Hochzeitsglückwünsche.

Postkarte mit Berlin-Motiven um 1970. (Museum für Kommunikation Berlin)

Touristische Highlights in Westberlin um 1970

Das Museum für Kommunikation verfügt über die größte Postkarten-Sammlung Deutschlands und zeigt in der Ausstellung rund 500 Exemplare, die den Zeitgeist über anderthalb Jahrhunderte hinweg widerspiegeln. Man erfährt, dass die Blütezeit der Ansichtspostkarte zwischen 1895 und 1914 den Herstellern lukrative Gewinne einbrachte und dass im Ersten Weltkrieg rund zehn Milliarden kostenfreie Feldpostkarten, darunter viele Ansichtskarten, verschickt wurden.

Die Ausstellung zeigt auch, dass bebilderte Postkarten schon vor der Machtergreifung der Nazis antisemitische Propaganda verbreiteten und erzählt davon, wie militärische Motive im Zweiten Weltkrieg die angebliche Überlegenheit und Siegesgewissheit der Deutschen vermitteln sollten. 

Im geteilten Deutschland gab es unterschiedliche Perspektiven in Ost und West. So zeigt eine BRD-Postkarte die Berliner Mauer vor dem Brandenburger Tor mit der Grenze dahinter, in der DDR-Berliner Variante mutiert der Todesstreifen zum grünen einladenden Platz. Nach dem Fall der Mauer wurden Postkarten mit winzigen, in Plastik eingeschweißten Mauerstücken der absolute Hit.

DDR-Postkarte (Museum für Kommunikation Berlin)

Auf der DDR-Postkarte sieht man am Brandenburger Tor statt der Mauer einen einladenden Platz zum Verweilen

Die Ausstellung "Mehr als Worte. 150 Jahre Postkartengrüße" startet am 21. August und ist bis zum  5. Januar 2020 im Berliner Museum für Kommunikation zu sehen.

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