Googles neues Betriebssystem könnte Android ersetzen | Wirtschaft | DW | 13.09.2018
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Technologie

Googles neues Betriebssystem könnte Android ersetzen

Das beliebte Betriebssystem Android von Google macht Probleme. Ein Nachfolger mit dem Codename Fuchsia wird bereits entwickelt, doch Google hüllt sich in Schweigen.

Fuchsia auf die Schliche zu kommen, gleicht einer Schnitzeljagd: Hier und da gibt es Hinweise und Informationsfetzen im Internet, aber ein schlüssiges Gesamtbild muss man sich selbst zusammenpuzzeln. Das macht das Projekt nur noch spannender.

"Pink + Lila == Fuchsia (ein neues Betriebssystem)". Das war's. Mehr wollte Google nicht preisgeben, als die Firma 2016 zum ersten Mal Fuchsia-Programmcode für Entwickler auf der Software-Platform Github veröffentlichte. Was es mit dem Projekt auf sich hat und wozu es dient? Schweigen. Trotzdem oder gerade deshalb machte Fuchsia bei Entwicklern schnell die Runde als DAS Betriebssystem, das das Google-Universum übernehmen und Android und Chrome von Smartphones, Laptops und vernetzten Kühlschränken vertreiben soll.

Mehr dazu: Kommentar: Wir brauchen mehr Kontrolle über Google!

"Im Netz waren viele sich von Anfang an sicher, dass Fuchsia Android ersetzen soll", sagt Daniel Herbig von Heise Online der DW. "Und es gab viel Häme für die spärliche Dokumentation." Bis heute hat Google das Projekt nicht öffentlich angekündigt. Soll es der Android-Killer werden? Was wir wirklich über das mysteriöse Projekt wissen:

Android macht Probleme

Der putzige Roboter (oder Android), der Googles mobilem Betriebssystem als Maskottchen dient, kann nicht darüber hinweg täuschen, wie mächtig Android ist. Die Software steckt in mehr als 80 Prozent der in diesem Jahr weltweit verkauften neuen Smartphones.

Toll für Google und den Mutterkonzern Alphabet, schlecht für die Konkurrenz, findet die EU und hat den Konzern erst kürzlich zu einer saftigen Strafe von 4.3 Milliarden Euro verdonnert.

Der Vorwurf: Google nutze sein Monopol mit Android aus, um Gerätehersteller zur Installation der Google Suche zu zwingen und sich so mehr Werbeeinahmen zu sichern.

Fuchsia Pflanze (imago stock&people)

Fuchsien - sie liefern dem Google-Projekt seinen Codenamen

Stress gibt es auch mit dem US-Software-Konzern Oracle. Der behauptet, das Unternehmen aus Mountain View habe Urheberrechte verletzt, als es Kernkomponenten von Oracles Open Source Software Java nutzte, um Android zu bauen. 8.8 Milliarden US-Dollar will Oracle haben. Das aktuellste Urteil in einer Reihe von Revisionen seit 2010 gibt Oracle Recht. Google will den Fall jedoch bis zum Verfassungsgericht eskalieren lassen.

Fuchsia ist nicht Android

Dieses Mal geht Google kein Risiko mit Urheberrechten ein und startet von Null. Nicht nur basiert Fuchsia nicht auf Android, es hat auch keine Verbindung zum beliebten Open Source Betriebssystem Linux, auf dem Android ursprünglich fußt. Das ist dem Konzern so wichtig, dass es kurz nach dem Urteil zu Gunsten Oracles eine ausführlichere Dokumentation für Fuchsia publizierte, in der an prominenter Stelle zu lesen steht: "Fuchsia ist nicht Linux!"

Das Herz des Systems ist ein neuer Kernel mit dem Namen Zircon. Der Kernel ist die zentrale Einheit im Betriebssystem, die im Hintergrund dafür sorgt, dass Hardware wie Festplatten und Speicher reibungslos mit der Software kommunizieren können.

Bereit für das Internet der Dinge

Seit unsere aktuellen Betriebssysteme wie Android entwickelt wurden, sind aus Handys Smartphones geworden und gerade entsteht eine ganz neue Welt von vernetzten Geräten wie autonomen Autos, intelligenten Temperaturreglern und künstlicher Intelligenz, die als Alexa oder Google Home in die Wohnzimmer einziehen.

Vernetztes Wohnen mit Google Home (picture-alliance/F. Duenzl)

Der Fokus auf Geräte wie die intelligenten Google Home Lautsprecher bereitet sich das Unternehmen auf das Internet der Dinge vor

Mehr dazu: "Google hat die Rolle meiner Mutter übernommen"

Ein Betriebssystem neu zu erfinden, kann die Vernetzung der Geräte vereinfachen. Und tatsächlich ist Fuchsia auf die reibungslose Kommunikation nicht nur zwischen Handys ausgerichtet, sondern auch mit Laptops, Smartwatches und Smart Home-Geräten. Programmierer von 9to5google konnten beim Stöbern im Fuchsia-Code als erstes einen vernetzten Lautsprecher identifizieren, wie er für Sprachassistenten eingesetzt wird.

Sicherheitsprobleme werden mit der Zahl der vernetzten Geräte noch zunehmen. Da ist es hilfreich, dass der neu entworfene Zircon-Kernel Google auch mehr Kontrolle über Sicherheitsupdates gibt. Für das Linuxbasierte Android muss sich der Konzern auf Gerätehersteller verlassen, um Sicherheitslücken zu schließen. Und die sind oft wenig kooperativ.

Wie sieht Fuchsia denn nun aus?

Das verzerrte fuchsiafarbene Unendlichzeichen-Logo gibt dem Projekt zumindest etwas offiziellen Anstrich. Für einen Eindruck von der Nutzeroberfläche haben findige Programmierer das Betriebssystem-Skelett auf Smartphones und mittlerweile auch dem Google Pixelbook ausprobiert. Noch funktioniert kaum etwas, doch eine Funktion, in der Apps sich parallel nutzen lassen, ist bereits zu erkennen.

Screenshot - Website Arstechnica mit Fuschia demo (video.arstechnica.com)

Auf dem Pixelbook kann das Fuchsia-Betriebssystem bereits sichtbar gemacht werden

Wann kommt Fuchsia auf den Markt?

Vielleicht niemals, bei Google weiß man das nie. Das US-Unternehmen hat schon häufiger Projekte einfach dicht gemacht - kurz vor der Fertigstellung. Doch selbst wenn Fuchsia ein besseres Schickal ereilt, wird es dauern.

"Ein komplett neues Betriebssystem ist sehr riskant", sagt Technik-Reporter Herbig und ergänzt: "Das ist ungewöhnlich. Und es wird vermutlich viele Jahre dauern." Nicht zuletzt, weil so viele Hersteller am System hängen. Und Fuchsia ist mit zwei Jahren noch jung. Android lernte erst nach fünf Jahren Übung das Laufen. Der Finanzservice Bloomberg berichtete kürzlich von einem ambitionierten Plan innerhalb des Fuchsia-Teams, Android binnen fünf Jahren zu ersetzen. Ein offizieller Plan sei allerdings noch nicht von Firmenchef Sundar Pichai abgesegnet worden.

Offiziell bestreitet der Konzern dieses Vorhaben, wenn auch nur halbherzig. Ein Sprecher verwies die DW auf einen Blogpost aus dem Jahr 2015. Damals hatte Hiroshi Lockheimer, verantwortlich für Android und Chrome, bestritten, es gäbe Pläne, das Chrome Betriebssystem und Android zu fusionieren. Auf Rückfragen erhielten wir keine Antwort. Google gibt sich weiter mysteriös, wenn es um Fuchsia geht. Vielleicht, weil es selbst noch keinen Plan für Fuchsia in der Tasche hat - oder damit die Schnitzeljagd weiter spannend bleibt und wir weiter darüber schreiben.

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