Gletscherschmelze gewinnt an Tempo | Welt | DW | 28.04.2021
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Klimawandel

Gletscherschmelze gewinnt an Tempo

Die "erste vollständige Bestandsaufnahme" ist besorgniserregend: Fast alle Gletscher der Welt schrumpfen laut einer Studie gegenwärtig - und zwar immer schneller.

Island | Gletscherhöhle

Gefährdet: Gletscherhöhle auf Island

Weltweit hat sich die Gletscherschmelze in den vergangenen 20 Jahren deutlich beschleunigt, wie aus einer im Fachmagazin "Nature" veröffentlichten Studie hervorgeht: Während demnach zwischen den Jahren 2000 und 2004 noch durchschnittlich 227 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr verlorengingen, betrug der Rückgang von 2015 bis 2019 bereits im Schnitt 298 Milliarden Tonnen jährlich.

Von der Schmelze betroffen sind laut der internationalen Studie fast alle der insgesamt rund 220.000 Gletscher, von denen normalerweise nur ein paar hundert unter ständiger Beobachtung stehen. "Es gibt viele Regionen, von denen wir nicht wussten, wie sie sich entwickeln", sagte Hauptautor Romain Hugonnet, der an der ETH Zürich und der Universität von Toulouse forscht.

Blick aus dem All

Hugonnet und seine Kollegen analysierten eine halbe Million bisher weitgehend ungenutzter Satellitenbilder. Auf diese Weise gelang ihnen "die erste vollständige Bestandsaufnahme der Gletscherschmelze in der Welt". Einige der besonders betroffenen Gletscher befinden sich in den Alpen, auf Island, im Himalaya und in Alaska.

USA Muldrow-Gletscher in Alaska

Gewaltig: Muldrow-Gletscher in Alaska

Die Schlussfolgerungen der Studie deckten sich mit den Einschätzungen des Weltklimarats (IPCC), seien jedoch deutlich genauer, so Hugonnet. Dies gelte insbesondere für die Auswirkungen der Gletscherschmelze auf den Meeresspiegelanstieg. Dieser sei inzwischen zu mehr als 20 Prozent auf das schmelzende Gletschereis zurückzuführen.

"Nichts mehr übrig"

Die neuen, geografisch genaueren Daten könnten auch bei der Planung von Anpassungsstrategien in dicht besiedelten Gebieten helfen, in denen Gletscher eine wichtige Rolle für Landwirtschaft und Wasserversorgung spielen, erläuterte Hugonnet. Kurzfristig könnten die schmelzenden Gletscher den Wassermangel in einigen Regionen wie Indien oder in den Anden ausgleichen. Aber sei der Höhepunkt einmal überschritten, würden die Wassermengen "rapide abnehmen, bis nichts mehr übrig ist", warnte der Forscher.

wa/bru (afp, rtr)

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