Giftanschlag: Das Militär ermittelt in Salisbury | Aktuell Europa | DW | 09.03.2018
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Geheimdienste

Giftanschlag: Das Militär ermittelt in Salisbury

Die britische Armee soll nun mithelfen, den Anschlag auf den russischen Ex-Doppelspion Sergej Skripal aufzuklären. Soldaten räumen Gegenstände vom Tatort weg. Eine Gefahr für die Öffentlichkeit bestehe nicht, heißt es.

Die britische Polizei hat die Ermittlungen im Fall der Nervengiftattacke auf den früheren russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Yulia ausgeweitet. Für die Suche nach den Hintermännern wurde nun die Hilfe der Armee angefordert. Die Soldaten seien angefordert worden, "um eine Reihe von Fahrzeugen und Gegenständen" am Ort der Ermittlungen im englischen Salisbury südwestlich von London beiseite zu räumen, teilte die britische Anti-Terror-Polizei mit.

Das Militär habe "die Expertise und Ausrüstung", um mit Unvorhersehbarkeiten umzugehen. Von einer Gesundheitsgefahr für die Öffentlichkeit werde aber weiterhin nicht ausgegangen. Medien in Großbritannien berichteten, es könnten sich mehr als hundert Militärangehörige an der Aktion beteiligen.

Ulf Schmidt, Experte für chemische Kampfstoffe und Waffen von der Universität Kent, sagte der Deutschen Presse-Agentur (dpa), es gehe vermutlich darum, auf diese Weise möglichst unverfälschten Spuren des Nervengifts zu sichern. Die Zusammensetzung des Stoffes könnte Hinweise darauf geben, in welcher Umgebung und mit welcher Ausrüstung das Gift hergestellt worden sei. Noch ist unklar, welche Substanz bei der Giftattacke verwendet wurde

Womit wurden Sergej und Yulia Skripal vergiftet?

Die Behörden suchen in einem Park im Zentrum von Salisbury nach den Spuren des Gifts und Hinweisen auf die Täter. Der Bereich um den Ort wurde noch einmal weiträumiger abgesperrt. Skripal und seine Tochter waren am Sonntag auf einer Parkbank nahe eines Einkaufszentrums mit Vergiftungserscheinungen aufgefunden worden. Sie kämpfen seitdem in einem Krankenhaus um ihr Leben. 19 weitere Menschen wurden nach dem Attentat medizinisch behandelt.

Ein Polizeibeamter, der den beiden zu Hilfe geeilt war und zeitweise ebenfalls im Koma lag, ist den Behörden zufolge inzwischen ansprechbar. Er befinde sich aber immer noch in einem ernsten, wenn auch stabilen Zustand. Der Gesundheitszustand Skripals und seiner Tochter sei weiterhin "sehr ernst" sagte die britische Innenministerin Amber Rudd während eines Besuchs in Salisbury. Die Anti-Terror-Polizei geht von einem Mordanschlag auf Skripal aus. 

Mehrere mysteriöse Todesfälle mit Russland-Bezug

Medienberichten zufolge nahmen Ermittler nun auch das Haus des 66-jährigen Ex-Agenten in den Fokus. Dies könne ein Hinweis darauf sein, dass Skripal und seine Tochter bereits dort in Kontakt mit dem Nervengift gekommen sein könnten, spekulierten verschiedene Medien. Noch ist unklar wie und wann dem Ex-Spion und seiner 33-jährigen Tochter das Gift verabreicht wurde.

Großbritannien Untersuchungen zum Vergiftungs-Fall Salisbury (Reuters/P. Nicholls)

Untersuchungen im Schutzanzug im Park in Salisbury

Der frühere Scotland-Yard-Chef Ian Blair forderte derweil, einen neuen Blick auf weitere mysteriöse Todesfälle mit Russland-Bezug aus der Vergangenheit zu werfen. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Online-Nachrichtenmagazin Buzzfeed unter Berufung auf Geheimdienstquellen über 14 solcher Todesfälle berichtet.

Moskau weißt Vorwürfe zum Mordanschlag zurück

Skripal, ein früherer Oberst des russischen Militärgeheimdienstes GRU, war in Russland als britischer Spion verurteilt und bei einem Austausch 2010 freigelassen worden. Der Anschlag auf ihn erinnert an den Giftmord am Kremlkritiker Alexander Litwinenko im Jahr 2006 und hat inzwischen einen diplomatischen Schlagabtausch zwischen Moskau und London ausgelöst.

Bildkombo - Sergei Skripal und seine Tochter Yulia

Sergei Skripal und seine Tochter Yulia

Die britische Regierung hatte mit einer "angemessenen und robusten" Reaktion gedroht, sollte sich herausstellen, dass Moskau hinter dem Attentat stecke. Der russische Außenminister Sergej Lawrow wies die Vorwürfe erneut zurück. Dies sei "Propaganda", die Spannungen schüren solle, sagte Lawrow.

Laut Kampfstoff-Experten Schmidt gibt es allerdings eine wachsende Wahrscheinlichkeit, dass hinter dem Attentat ein staatlicher Akteur steckt. Es scheine sich nicht um eine Substanz zu handeln "die irgendeine Gruppe, Terrorgruppe oder kriminelle Vereinigung in ihrer Gartenhütte herstellen kann", sagte Schmidt der dpa. Eine eindeutige Zuordnung, beispielsweise nach Russland, sei aber trotz Untersuchungen nicht unbedingt zu erwarten.

cw/rb (afp, dpa, rtre)