Gewalt gegen Lehrer an jeder dritten Grundschule | Aktuell Deutschland | DW | 02.05.2018
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Bildung

Gewalt gegen Lehrer an jeder dritten Grundschule

An etwa jeder dritten Grundschule in Deutschland sind Lehrerinnen und Lehrer binnen fünf Jahren laut einer neuen Studie körperlich angegriffen worden. Dies berichten die Schulleitungen in einer Umfrage.

Grundschule in Hessen (picture-alliance/dpa/A. Arnold)

Selbst in Grundschulen sind Lehrer nicht mehr sicher vor Gewaltakten

Fast an der Hälfte der befragten Schulen (48 Prozent) kam es in den vergangenen fünf Jahren zu Fällen von direkter psychischer Gewalt gegen Lehrer. Dies beinhaltet laut der Befragung Fälle von Beschimpfung, Bedrohung, Beleidigung, Mobbing oder Belästigung. Schulformen übergreifend sprach jede vierte Einrichtung (26 Prozent) sogar von Vorfällen, in denen Lehrer körperlich angegriffen wurden. Jede fünfte Schulleitung (20 Prozent) gab an, dass Lehrer in den vergangenen fünf Jahren über das Internet diffamiert, belästigt, bedroht oder genötigt wurden. Hochgerechnet sind damit rund 45. Lehrkräfte betroffen. 

An der repräsentativen bundesweiten Befragung durch das Institut Forsa nahmen im Januar und Februar 1200 Schulleitungen allgemeinbildender Schulen teil. Sie wurde von der der Lehrergewerkschaft Verband Bildung und Erziehung e.V. (VBE) durchgeführt.

Selbst Grundschüler werden laut der neuen Studie immer auffälliger: An jeder dritten Grundschule kam es in den letzten fünf Jahren zu gewalttätigen Vorfällen gegen Lehrer, gefolgt von Haupt-, Real- und Gesamtschulen (12 Prozent) und Gymnasien (4 Prozent). Aufschluss über die Gründe, warum die Gewalt gegen Lehrer so zunimmt, gibt die Studie nicht.

Nicht mehr von Einzelfällen zu sprechen    

"Die Ergebnisse sind so eindeutig wie erschütternd", erklärte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann. Die Zahlen bewiesen entgegen der Einschätzung der Kultusministerien der Länder erneut, dass es sich nicht um Einzelfälle handle. Die zunehmende Gewalt gegen den öffentlichen Dienst sei ein "gesamtgesellschaftliches Phänomen", so Beckmann.

Die Gewaltbereitschaft gegen Lehrkräfte ist laut der Umfrage aber kein Tabuthema mehr. Während 2016 bei einer ähnlichen Befragung noch 57 Prozent angaben, die Thematik werde verschwiegen, waren bei der aktuellen Umfrage "nur" noch 39 Prozent dieser Überzeugung. Bis auf 13 Prozent gaben alle Schulleitungen an, dass es es ihnen gelungen sei, betroffenen Kollegen zu unterstützen. Die Gründe für ein Scheitern von Konfliktlösungen sahen die Befragten am häufigsten in der Uneinsichtigkeit der Schüler oder einer nicht vorhandenen Kooperationsbereitschaft der Eltern. Bemängelt wurde zudem, dass Meldungen zu bürokratisch und zeitaufwendig organisiert oder von den Schulbehörden nicht gewünscht seien und dass Schulen um ihr Ansehen fürchteten.

Forderung nach mehr Unterstützung

Der VBE verlangt von den Kultusministerien, die Lehrer stärker zu unterstützen und Statistiken zur Gewalt an Schulen zu führen. Beckmann erhebt schwere Vorwürfe gegen die Landesministerien und hält vor allem eine unbürokratische Meldung und schnelle Hilfe nach einem Vorfall für entscheidend. "Außerdem sehen wir einen klaren Zusammenhang zwischen dem Ressourcenmangel an den Schulen, dem Bild von der Schule als Reparaturbetrieb der Gesellschaft und damit verbunden enttäuschten Erwartungen von allen Seiten", erklärte der Verbandsvorsitzende.

rös/kle (dpa, kna, afpd)

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