Gewalt überschattet Geberkonferenz für Afghanistan | Aktuell Welt | DW | 24.11.2020
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Afghanistan

Gewalt überschattet Geberkonferenz für Afghanistan

Während die Staatengemeinschaft sich bei einer Gebekonferenz um Finanzhilfen für Afghanistan bemüht, geht der blutige Terror in dem Land weiter. In der zentralen Provinz Bamian explodierten zeitgleich zwei Bomben.

Afghanistan Bamiyan | Anschlag

Bamian nach dem Anschlag - Die gleichnamige Provinz gilt eigentlich als eines der ruhigsten Gebiete Afghanistans

Wie die Provinzbehörden mitteilten, wurden mindestens 14 Menschen getötet und 45 verletzt. Die Bomben waren auf einem Basar der Stadt Bamian in der gleichnamigen Provinz detoniert. Die radikal-islamische Taliban-Miliz dementierte, für den Anschlag verantwortlich zu sein. Ihr Sprecher Sabiullah Mudschahid erklärte dies der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage.

Die Provinz Bamian gilt als eines der ruhigsten Gebiete in dem Land am Hindukusch. In dieser Region wohnen vor allem Angehörige der schiitischen Minderheit der Hasara.

Schweiz | Online-Geberkonferenz für Afghanistan

Die Afghanistan-Konferenz findet coronabedingt virtuell statt - organisiert wird sie vom Büro der Vereinten Nationen in Genf

International bekannt wurde Bamian, als die Taliban in Afghanistan ein Terrorregime etabliert hatten und 2001 die historischen Buddha-Statuen von Bamian unter dem Protest der internationalen Staatengemeinschaft sprengten.

Die Islamisten, die jetzt gegen die vom Westen gestützte Regierung in Kabul kämpfen, sind allerdings in der beliebten Urlaubsregion in den vergangenen Jahren nicht mehr aktiv gewesen.

Die afghanische Regierung hoffte derweil bei der neuen Geberkonferenz in der Schweiz auf großzügige Finanzzusagen. Ziel ist, dass Afghanistan in vier Jahren auf eigenen Beinen stehen kann. Zur Zeit ist das Land fast vollständig von ausländischen Zuwendungen abhängig.

Brüssel | EU Außenministertreffen Heiko Maas PK

Außenminister Heiko Maas: Afghanistan muss Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wahren (Archivbild)

Bundesaußenminister Heiko Maas kündigte an, Deutschland wolle zivile Projekte im kommenden Jahr mit bis zu 430 Millionen Euro unterstützen. Ziel sei es, "ein vergleichbares Niveau in den Jahren bis 2024" aufrechtzuerhalten, "wenn die Umstände dies erlauben", führte Maas aus.

Die afghanische Gesellschaft stehe an einer Wegscheide, stellte Maas fest mit Blick auf die derzeitigen Friedensverhandlungen zwischen der Kabuler Regierung und den Taliban in Doha. "Diese einzigartige Chance darf nicht vergeben werden", forderte er. Deutschland werde sich "nach Kräften bemühen", den Friedensprozess weiter zu unterstützen.

Milliardenhilfen an Bedingungen geknüpft

Eine Erneuerung der Partnerschaft beider Länder hänge jedoch von der Bereitschaft Afghanistans ab, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu wahren, eine verantwortungsvolle Regierungsführung umzusetzen, Korruption zu bekämpfen und die Menschenrechte zu achten, so Maas. Die Taliban forderte er auf, die "vollkommen inakzeptable Gewalt" zu beenden.

Die EU kündigte an, Afghanistan in den kommenden vier Jahren mit 1,2 Milliarden Euro zu unterstützen. Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell warnte jedoch vor einer Beeinträchtigung der Hilfen durch die zunehmende Gewalt.

Gemeinschaft gibt zehn Milliarden Euro 

Insgesamt sagte die Weltgemeinschaft für die friedliche Entwicklung und den Wiederaufbau in Afghanistan rund zwölf Milliarden US-Dollar (10,1 Milliarden Euro) zu. Die Gelder sollen in den nächsten vier Jahren in das Konfliktland fließen, wie die finnische Regierung nach der Geberkonferenz für Afghanistan in Genf mitteilte.

Die UN-Geberkonferenz für das Land findet alle vier Jahre statt. Wegen der Corona-Pandemie wurde sie in diesem Jahr virtuell abgehalten. 2016 waren in Brüssel für vier Jahre 12,9 Milliarden Euro zusammengekommen.

uh/se (dpa, rtr, afp)

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