Gesucht: Alternativen zur Plastiktüte | Wissen & Umwelt | DW | 27.08.2015
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Wissen & Umwelt

Gesucht: Alternativen zur Plastiktüte

Die EU will den Verbrauch von Plastiktüten bis 2019 pro Kopf und Jahr auf 90 Stück beschränken. Der Einzelhandel diskutiert daher über Möglichkeiten, die umweltschädlichen Einwegtüten zu ersetzen.

Plastiktüten - sie sind Alltagsgegenstand mit verheerender Wirkung, weil sie die Weltmeere verschmutzen und Tiere massiv gefährden. Denn das Material hat eine hohe Haltbarkeitsdauer. Von Wind und Wasser in Kleinstteile gerissen, werden die Kunststofffetzen irrtümlich von Fischen oder Vögeln für Futter gehalten und gefressen. Die Tiere verenden schließlich qualvoll.

Verbraucher als Werbeträger 

Daher hat die Europäische Union den Einwegbeuteln den Kampf angesagt. Bis Ende 2019 dürfen pro Kopf und Jahr nur noch 90 Plastiktüten verwendet werden. Bis 2025 soll der persönliche Verbrauch auf höchstens 40 pro Jahr sinken. Die Abgabe soll außerdem nicht mehr kostenlos sein. Deutschland liegt zwar mit 71 Tüten weit unter dem EU-Durchschnitt von 198 (Statistik von 2010) pro Kopf und Jahr, doch die geforderte Verkaufsabgabe aus Umweltgründen stößt im Handel durchaus auf Unverständnis, denn das Verpackungsmateriel dient auch als Werbefläche.

Symbolbild Aldi Lidl Discounter Plastiktüte

Nicht kostenfrei, dafür mit Werbebotschaft

Es gibt aber auch Unternehmen - wie der Düsseldorfer Textilfilialist "C&A" oder der Textildiscounter "KiK" - die überlegen, die (un-)geliebte Plastiktüte ganz zu verbannen. Ab 1. Oktober sollen testweise in rund 2800 Filialen in Deutschland, Österreich und den Niederlanden keine Plastiktüten mehr ausgegeben werden. Dadurch will allein KiK rund 500 Tonnen des Kunststoffs Polyethylen einsparen, erklärte der Textildiscounter.

Verzicht, Abgabe oder alternative Materialien?

Andere wollen den Kunden künftig zur Kasse bitten, um ein Bewusstsein für das Problem zu schaffen. Beim Handelsverband Deutschland (HDE) will man bei dem Problem auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Läden setzen. Danach sollen künftig alle Tragetaschen nur noch gegen eine Gebühr abgegeben werden - wie in Lebensmittelläden seit Jahren gängige Praxis.

Bildergalerie Plastiktüten Naturfaser Neumaterial

Rückkehr zum Stoffbeutel?

Doch auch rund 100.000 deutsche Händler sollen bei einer Mitgliederbefragung zu Wort kommen. Die Ergebnisse einer von dem Verband angestoßenen Befragung solle in den kommenden Wochen vorgelegt werden, kündigte HDE-Geschäftsführer Kai Falk an.

Es wurden aber auch Bedenken laut: "Wenn jemand einen Herrenanzug für 499 Euro kauft, schaut er ziemlich entgeistert, wenn er dann für die Tüte zur Kasse gebeten werden soll", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des deutschen Textileinzelhandels (BTE), Jürgen Dax der Deutschen Presse-Agentur.

Zusammen mit anderen Handelsbranchen, wie Juweliere oder Parfümerien, stünden die Textilhändler bei dem Thema vor ganz anderen Problemen als etwa der Lebensmittelhandel. Lose Textilien, die zerknittern können, oder sperrige Elektrogeräte, kann man nicht in den Einkaufskorb packen zwischen Zwiebeln und Kartoffeln. "Wer geht schon mit einem Koffer in die Stadt?", fragt Dax zugespitzt. Zudem seien die bedruckten Tragetaschen für viele Händler ein wichtiges Marketinginstrument.

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Ein Verzicht ist möglich

Nach den Vorgaben der EU-Kommission sollen sich die Mitgliedsstaaten nationale Ziele zur Verminderung setzen. Umweltschützer hatten in diesem Sommer zu einem Plastiktüten-freien Tag aufgerufen und eine Abgabe auf Einwegtüten gefordert. Die Deutsche Umwelthilfe und Bündnis 90/ die Grünen setzen sich für eine Verbrauchsabgabe von 22 Cent je Tüte ein. Damit könne vielleicht auch ein "Wildwuchs" wie in der Modebranche eingedämmt werden, meint der umweltpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Peter Meiwald.

Vorbild dafür könne etwa Irland sein. Dort hat ein solcher Schritt deutliche Erfolge gezeigt: Die Umweltsteuer von 22 Cent auf jede Plastiktüte hat zu einem Rückgang von 90 Prozent geführt. Supermärkte auf der Insel bieten wiederverwendbare Stofftüten oder wiederverwendbare, haltbare Plastiktüten an, die Verbraucher käuflich erwerben können. Alternativen sind Einkaufsnetze, Papiertüten, Stofftaschen oder Einkaufskörbe.

In Bangladesch sind Kunststofftüten gänzlich verboten, da sie während der Regenzeit Abwasserkanäle verstopften und die Überschwemmungsgefahr verstärkten.

Die Drogeriemarktkette "dm" hat die kostenlosen Plastik-Abreißbeutel aus den Filialen entfernt. Von "überwiegend positiven" Kundenreaktionen spricht dm-Chef Erich Harsch.

kj/hf (dpa)

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