Geste der Vergebung | Aktuell Europa | DW | 22.12.2012
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Aktuell Europa

Geste der Vergebung

Kurz vor Weihnachten ließ Benedikt XVI. Gnade vor Recht ergehen: Der Papst erließ seinem inhaftierten Kammerdiener den Großteil der Gefängnisstrafe. Ex-Butler Paolo Gabriele konnte zu seiner Familie zurückkehren.

Es sei "eine väterliche Geste" gegenüber einer Person, mit der der Papst sechs Jahre lang täglichen familiären Umgang gehabt habe, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi bei einer anschließenden Pressekonferenz. Papst Benedikt XVI. hatte seinen langjährigen Butler Paolo Gabriele (Artikelfoto) in dessen Haftzelle besucht, um ihm persönlich mitzuteilen, dass er das Gnadengesuch angenommen und ihm die Strafe erlassen habe. Als freier Mann konnte der zentrale Akteur in der "Vatileaks"-Affäre sofort zu seiner Familie in die nahegelegene Vatikanwohnung zurückkehren.

"Im Vertrauen auf aufrichtige Reue"

Vatikan-Sprecher Frederico Lombardi (Foto: AFP/GettyImages)

Vatikan-Sprecher Lombardi: "Eine gute Nachricht zum Abschluss einer traurigen Angelegenheit"

Damit kam der 46-Jährige Gabriele, den das Vatikangericht am 6. Oktober zu eineinhalb Jahren Haft verurteilt hat, sieben Monate nach seiner Verhaftung wieder frei. Allerdings wird er nicht weiter im Vatikan arbeiten und wohnen können, bestätigte Lombardi. Die Modalitäten müssten im Einzelnen noch geklärt werden. Aber der Vatikan wolle ihm "im Vertrauen auf die Aufrichtigkeit der geäußerten Reue die Möglichkeit bieten, unbehelligt das Leben mit seiner Familie weiterzuführen".

Gabriele galt dem Papst als treu ergeben. Er will die von ihm gestohlenen Papiere an die Medien weitergegeben haben, um dem Papst zu helfen und gegen "das Böse und die Korruption" vorzugehen. Vor Gericht bezeichnete sich Gabriele als des Diebstahls unschuldig und begründete sein Handeln damit, dass er das Gefühl gehabt habe, der Papst sei "manipuliert" worden.

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Urteil gegen Papst-Diener (06.10.2012)

Vermutlich werde man ihm an anderer Stelle in vatikanischen oder kirchlichen Diensten eine Beschäftigung beschaffen, hieß es schon vorab in Rom. Die vorzeitige Begnadigung für den untreuen Kammerdiener zu Weihnachten kommt nicht überraschend: Schon zum Ende des einwöchigen Prozesses im Oktober hatten Beobachter vermutet, Gabriele werde nicht die gesamte Haftzeit absitzen müssen - obwohl diese bereits vorab von drei auf eineinhalb Jahren halbiert worden war.

Nicht der einzige "Vatileaks"-Akteur

In der Affäre um die Weitergabe vertraulicher Dokumente aus dem Vatikan war im November auch der Informatiker Claudio Sciarpelletti zu zwei Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Ermittler hatten in Sciarpellettis Schreibtisch einen an Gabriele adressierten Umschlag gefunden. Darin befanden sich Kopien von Papieren, die der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi von Gabriele erhalten hatte und in seinem Enthüllungsbuch "Seine Heiligkeit" veröffentlichte.

Dass die Begnadigung Gabrieles zu Weihnachten kam, zweieinhalb Monate nach dem Prozess, hat seinen Grund im liturgischen Kalender: Weihnachten als Fest der Geburt Christi ist ein Fest der Friedens, der Freude und der Aussöhnung - und auch im zivilen Bereich durchaus ein Amnestie-Anlass.

rb/SC (kann, afp, dpa)

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