Gericht ordnet Freilassung von Chelsea Manning an | Aktuell Amerika | DW | 13.03.2020
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Wikileaks-Whistleblowerin

Gericht ordnet Freilassung von Chelsea Manning an

Die Beugehaft gegen die frühere Wikileaks-Informantin ist aufgehoben worden. Nach Ansicht eines US-Gerichts ist ihre Aussage nicht mehr erforderlich. Einen Tag zuvor hatte Manning einen Suizidversuch unternommen.

Alexandria Chelsea Manning vor Gerichtsgebäude (picture-alliance/AP Photo/C. Owen)

Chelsea Manning vor dem Gerichtsgebäude in Alexandria (Archiv)

Die frühere Wikileaks-Informantin Chelsea Manning ist frei. Sie sei am Donnerstagabend (Ortszeit) aus der Haftanstalt in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia entlassen worden, teilte eine Sprecherin des Sheriffs der Stadt mit. Ein Bundesgericht hatte zuvor überraschend die sofortige Freilassung Mannings verfügt. In der Anordnung von Richter Anthony Trenga hieß es, Mannings Aussage vor dem Geschworenengericht sei nicht länger notwendig. Damit entfalle auch die Notwendigkeit der Beugehaft.

Seit Mai in Beugehaft 

Chelsea Manning saß seit Mai vergangenen Jahres wegen "Missachtung des Gerichts" in einem Gefängnis in Alexandria in Beugehaft. Dadurch sollte sie dazu gezwungen werden, vor einer sogenannten Grand Jury - einem mit weitreichenden Ermittlungsvollmachten ausgestatteten Geschworenengremium - zum Fall des Wikileaks-Gründers Julian Assange auszusagen.

Die Grand Jury stellte ihre Arbeit jedoch am Mittwoch dieser Woche ein. Das war der Grund für die Entscheidung von Richter Anthony Trenga, Manning auf freien Fuß zu setzen. Eine gegen Manning verhängte Geldstrafe von 256.000 Dollar (umgerechnet 229.000 Euro) bleibt jedoch in Kraft.

Anordnung nach Suizidversuch

Am Mittwoch hatten die Anwälte der Whistleblowerin mitgeteilt, dass ihre Mandantin versucht habe, sich im Gefängnis selbst zu töten. Die 32-Jährige war daraufhin in ein Krankenhaus gebracht worden, um sich dort zu erholen. Es war laut "New York Times" nach zwei ähnlichen Vorfällen 2016 bereits der dritte Suizid-Versuch Mannings.

Die ehemalige Soldatin, die vor ihrer geschlechtsangleichenden Operation als Mann lebte und den Vornamen Bradley trug, hatte Wikileaks 2010 Hunderttausende geheime Militärdokumente zukommen lassen. Es geht dabei um die US-Militäreinsätze und Kriegsverbrechen im Irak und in Afghanistan.

Manning war 2010 in Untersuchungshaft genommen worden. 2013 wurde sie bei einem Militärgerichtsverfahren zu 35 Jahren Haft verurteilt. 2017 kam sie frei, nachdem der damalige US-Präsident Barack Obama die vorzeitige Freilassung angeordnet hatte.

Assange wehrt sich gegen Auslieferung

Wikileaks-Gründer Julian Assange wehrt sich vor einem Gericht in London gegen seine Auslieferung an die USA. Aus Angst davor hatte er sich 2012 in die ecuadorianische Botschaft in London geflüchtet. Die britische Polizei verhaftete Assange im April 2019, weil er mit der Flucht in die Botschaft gegen Kautionsauflagen verstoßen hatte.

Die US-Justiz wirft Assange vor, Manning geholfen zu haben, das geheime Material von US-Militäreinsätzen zu veröffentlichen. Dabei soll Washington zufolge insbesondere die Sicherheit von US-Informanten aufs Spiel gesetzt worden sein. Bei einer Verurteilung in allen 18 Anklagepunkten drohen dem gebürtigen Australier bis zu 175 Jahre Haft.

mak/ie/se (dpa, afp)

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