Gepanschte Krebsmedikamente: Zwölf Jahre Haft für Bottroper Apotheker | Aktuell Deutschland | DW | 06.07.2018
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Medizinskandal

Gepanschte Krebsmedikamente: Zwölf Jahre Haft für Bottroper Apotheker

Weil er Luxus wollte, hat ein Apotheker im Ruhrgebiet nach Überzeugung der Richter Krebsmedikamente gepanscht. Seine Anwälte hielten die Indizienkette für brüchig, das Gericht war aber von seiner Schuld überzeugt.

Das Landgericht Essen hat einen Apotheker zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Die Richter stellten in ihrem Urteil fest, dass in der Apotheke des 48-Jährigen aus Bottrop Infusionslösungen gestreckt, bei den Krankenkassen aber voll abgerechnet wurden. Im Urteil ist von mehr als 14.000 Medikamenten die Rede, die in ihrer Qualität "nicht unerheblich" gemindert waren. Die Richter verhängten außerdem ein lebenslanges Berufsverbot.

Der Angeklagte selbst hatte sich im Prozess nicht zu den Vorwürfen geäußert. Seine Verteidiger hatten einen Freispruch beantragt. Die Staatsanwaltschaft hatte dreizehneinhalb Jahre Haft gefordert. Sie war überzeugt, dass Peter S. jahrelang lebenswichtige Krebsmedikamente streckte, um seinen luxuriösen Lebensstil zu finanzieren. Der 48-Jährige habe sich auf Kosten von Menschen bereichert, die um ihr Leben bangten, hatte Staatsanwalt Rudolf Jakubowski in seinem Plädoyer argumentiert. "Und das zur Fortsetzung seines luxuriösen Lebensstils - zum Beispiel zum Bau einer Villa mit Wasserrutsche."

Verteidiger zweifeln Indizienkette an

Die Verteidiger äußerten Zweifel an den Indizien, die die Ermittler zusammengetragen haben. Dem Apotheker könne nicht nachgewiesen werden, dass er ein Serienbetrüger sei, argumentierten die Anwälte. Außerdem sei die Analyse der sichergestellten Arzneien anzuzweifeln. "Es ist nichts bewiesen", sagte Verteidiger Ulf Reuker in seinem Plädoyer.

Opfer und Hinterbliebene kritisierten, dass wichtige Fragen in dem Verfahren am Landgericht Essen offengeblieben seien. Vor allem konnte nicht geklärt werden, wie viele Patienten unterdosierte Medikamente bekamen. Anfänglich war die Staatsanwaltschaft von mehr als 1000 betroffenen Patienten ausgegangen.

Der Medikamentenskandal war von zwei Mitarbeitern des Apothekers aufgedeckt worden. Für ihre Enthüllungen wurden sie Ende 2017 mit dem Deutschen Whistleblower-Preis ausgezeichnet. Mehrere andere ehemalige Mitarbeiter hatten vor Gericht keine Aussagen gemacht.

pg/bru (dpa)