George H. W. Bush: Präsident in Umbruchzeiten | Aktuell Amerika | DW | 01.12.2018
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USA

George H. W. Bush: Präsident in Umbruchzeiten

George Bush senior ist tot. Der ehemalige US-Präsident wurde 94 Jahre alt. Von 1989 bis 1993 regierte er die Vereinigten Staaten. In seine Amtszeit fielen das Ende des Kalten Krieges und die deutsche Wiedervereinigung.

Die Nachricht übermittelte sein Sohn George W. Bush, ebenfalls ehemaliger Präsident. Er und seine Geschwister seien "betrübt bekanntzugeben, dass unser lieber Vater nach 94 außerordentlichen Jahren gestorben ist", schrieb Bush in einer im Kurzbotschaftendienst Twitter veröffentlichten Erklärung.

Bush senior, der 41. Präsident der USA, galt als erfolgreicher Staatsmann und kluger Außenpolitiker, dessen Schwachstelle die Innenpolitik war. Für die Deutschen in Ost und West erlangte er historische Bedeutung während des Zusammenbruchs der Sowjetunion und als ausdrücklicher Fürsprecher der staatlichen Wiedervereinigung Deutschlands im Jahr 1990.

George Herbert Walker Bush wurde 1924 in Massachusetts als Sohn des späteren Senators von Connecticut, Prescott Bush, geboren. Seine Karriere begann 1962 als Vorsitzender der Republikanischen Partei im texanischen Harris County. Mit Unterstützung von US-Präsident Richard Nixon wurde der Wahl-Texaner 1966 zum Abgeordneten für Houston, Texas, in den Kongress gewählt. Es folgte die Berufung zum UN-Botschafter der USA 1971.

Ex-US-Präsdient George H.W. Bush gestorben (picture alliance/AP Photo)

Als UN-Botschafter: George H.W. Bush im Oktober 1971

Wahl zum Präsidenten 1988

Mitte der 1970er Jahre wurde der Yale-Absolvent zum ersten diplomatischen Vertreter seines Landes in China ernannt. 1976 übernahm er als CIA-Chef neue Aufgaben, bevor er im Jahr 1980 erstmals ins Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur ging. Dort verlor er gegen Ronald Reagan, der ihn aber später zu seinem Vizepräsidenten ernannte. Reagan benötigte Bush vor allem zur Stärkung der amerikanischen Position gegen die Sowjetunion.

Sowjetunion START Vertrag 1991 (Getty Images/AFP/M. Fisher)

In Zeiten der Abrüstung: Bush und der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow (rechts) im Juli 1991

1988 trat Bush erneut an, wurde Kandidat der Republikaner und gewann die Präsidentschaftswahl. Er setzte sich mit 54 Prozent der Stimmen gegen den Demokraten Michael Dukakis durch. Im Januar 1989 wurde er vereidigt.

Fürsprecher für ein vereintes Deutschland

Der Zerfall der Sowjetunion begleitete Bushs Präsidentschaft, wobei er sich durch sein besonnenes Verhalten das Vertrauen Gorbatschows erwarb. Das zahlte sich auch bei den Zwei-Plus-Vier-Verhandlungen zur deutschen Wiedervereinigung aus, in denen der US-Präsident von Anfang an auf eine deutsche Selbstbestimmung bedacht war. Dies brachte Bush nach der Vereinigung 1990 so zum Ausdruck: "Ich gratuliere Bundeskanzler Kohl sowie allen Deutschen im Osten wie im Westen und im so lange geteilten Berlin, dass es ihnen gelungen ist, ihren Traum von der nationalen Selbstbestimmung für immer am Leben zu halten." Bush sorgte dafür, dass auch das vereinte Deutschland seinen Platz in der NATO behielt.

George Bush Senior und Helmut Kohl (AFP/Getty Images)

Helmut Kohl und George Bush senior im Juni 1990 in Washington

Irak-Krieg 1991

Bush senior, wie er nach der Präsidentschaft seines Sohnes George Walker genannt wurde, setzte aber auch auf militärische Stärke. Er befahl den Krieg gegen Panama, dessen Staatschef Manuel Noriega er 1990 verhaften ließ. Außerdem führte er eine UN-Koalition im ersten Irak-Krieg an, nachdem der irakische Diktator Saddam Hussein das Nachbarland Kuwait besetzt hatte. Auch zahlreiche arabische Staaten schlossen sich damals dem Bündnis an.

Gegen Ende der Irak-Intervention entschied sich Bush im Februar 1991, nicht über das Ziel der UN-Resolution 678 hinauszugehen und brach den Marsch der Truppen Richtung Bagdad ab. Damals kommentierte er: "Dies ist nicht bloß ein Sieg für Kuwait, sondern für alle Partner der Koalition - dies ist ein Sieg für die Vereinten Nationen, für die gesamte Menschheit und das Völkerrecht." Der militärische Erfolg war nicht nur ein Sieg über den Diktator, sondern stärkte auch die Rolle der USA als Weltpolizei.

USA: Das ehemalige Präsidentenpaar Barbara und George Bush (picture-alliance/AP Photo/D. J. Phillip)

Das ehemalige Präsidentenpaar Barbara und George H.W. Bush

Niederlage gegen Clinton

Trotz des erfolgreichen Kriegs gegen den Irak verlor Bush senior die nächste Präsidentschaftswahl 1992 gegen Bill Clinton, nicht zuletzt weil er entgegen vorheriger Versprechen während seiner Amtszeit die Steuern angehoben hatte. Angelastet wurden ihm auch die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sowie die steigende Staatsverschuldung. 

Ungeachtet des verlorenen Wahlkampfs entwickelte sich später eine aufrichtige Freundschaft zwischen Bush und seinem Nachfolger Clinton.

Aktiv bis ins hohe Alter

USA - Beerdigung Barbara Bush mit George H.W. Bush, Laura Bush, George W. Bush, Bill Clinton, Hillary Clinton, Barack Obama, Michelle Obama, Melania Trump (picture-alliance/AP Photo/Courtesy of Office of George H.W. Bush/P. Morse)

Gruppenbild am Rande der Trauerfeier für Barbara Bush: im Vordergrund George H.W. Bush, dahinter (von links) Laura und George W. Bush, Bill und Hillary Clinton, Barack und Michelle Obama sowie Melania Trump. Der amtierende Präsident Donald Trump, bei Bushs nicht gut angesehen, verzichtete auf seine Teilnahme

George Herbert Walker Bush genoss einen aktiven Ruhestand. Noch im hohen Alter von 90 macht er mit einem Fallschimrsprung von sich Reden. Und noch viele Jahre nach seiner Präsidentschaft wurde er mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt. 2008 erhielt er in Berlin den Henry-Kissinger-Preis für seine Verdienste um die transatlantische Partnerschaft. Im Jahr 2011 verlieh ihm US-Präsident Barack Obama die Presidential Medal of Freedom, die Freiheitsmedaille - die höchste zivile Auszeichnung der Vereinigten Staaten. Zuletzt wurden seine Auftritte in der Öffentlichkeit seltener. 2014 und 2015 musste er bereits längere Zeit im Krankenhaus verbringen. Viel Anteil nahm die Öffentlichkeit am Tod von Präsidentengattin Barbara Bush im April - das Ehepaar war 73 Jahre verheiratet. Bush saß inzwischen im Rollstuhl. Vor zweieinhalb Jahren hatte er sich bei einem Sturz einen Halswirbel gebrochen.

Dynastie

Selbst als Politiker-Sohn geboren, wurde George Bush zum Begründer einer politischen Dynastie, die mit seinen beiden Söhnen George Walker und Jeb in der US-amerikanischen Politik ihre Fortsetzung fand.

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