George Floyd starb an Sauerstoffmangel | Aktuell Amerika | DW | 08.04.2021
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USA

George Floyd starb an Sauerstoffmangel

Im Gerichtsprozess um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners Floyd hat ein Sachverständiger ausgesagt. Für den Lungen- und Intensivmediziner ist die Todesursache eindeutig.

Eine Frau mit einem Bild von George Floyd in Minneapolis

Eine Frau mit einem Bild von George Floyd in Minneapolis

"George Floyd ist an Sauerstoffmangel gestorben", machte der Mediziner Dr. Martin Tobin vor den Geschworenen im Gericht in der US-Stadt Minneapolis deutlich. Der Mangel an Sauerstoff habe Schäden am Gehirn des Afroamerikaners verursacht, erläuterte Tobin, der sich die Videoaufnahme vom Tod des 46-Jährigen nach eigener Aussage "hunderte Male" angesehen hat. Die fehlende Atemluft habe bei Floyd eine Herzrhythmusstörung ausgelöst, die sein Herz schließlich "zum Stillstand brachte", sagte der Sachverständige.

Der Sachverständige Martin Tobin vor Gericht

Mit Gesten und einfachen Worten erklärt der Sachverständige Tobin den Geschworenen die Todesursache von George Floyd

Tobin, ein Lungen- und Intensivmediziner am Edward Hines Jr. VA Hospital und der medizinischen Fakultät der Loyola Universität in Illinois, erklärte den Geschworenen, an welchen Merkmalen er den Moment erkannt habe, in dem Floyd gestorben sei. "Man kann seine Augen sehen, er ist bei Bewusstsein, und dann sieht man, dass er es nicht mehr ist", sagte er. "Das ist der Moment, in dem das Leben aus seinem Körper schwindet." Tobin wies darauf hin, auch wenn Floyd noch spreche und sich auf dem Video bewege, "bedeutet das nicht, dass er ausreichend atmet".

"Auch ein gesunder Mensch wäre gestorben"

Der Sachverständige wies Angaben der Verteidigung des angeklagten weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin zurück, wonach medizinische Vorerkrankungen zu Floyds Tod beigetragen haben könnten. "Auch ein gesunder Mensch, der erlebt hätte, was Floyd erlebt hat, wäre in Folge dessen gestorben", sagte Tobin.

USA | Minneapolis | Chauvins Anwalt Eric Nelson

Chauvins Anwalt Eric Nelson (M.) argumentiert auch, Floyd sei an den Folgen einer Opioid-Überdosis gestorben

Floyd soll vor dem Eintreffen der Polizisten zwei Pillen geschluckt haben. Seine frühere Freundin sagte in dem Prozess aus, sie habe in der Vergangenheit mit dem Verstorbenen Drogen gekauft.

Video ansehen 00:44

06. April: Polizeichef von Minneapolis im Zeugenstand

Chauvin ist vor dem Gericht im US-Bundesstaat Minnesota wegen Mordes und Totschlags angeklagt. Der 44-Jährige hatte am 25. Mai vorigen Jahres nach Angaben der Staatsanwaltschaft neun Minuten und 26 Sekunden lang - und damit noch länger als die bisher stets genannten acht Minuten und 46 Sekunden - sein Knie in den Nacken Floyds gedrückt, obwohl dieser wiederholt klagte, er bekomme keine Luft mehr.

Noch drei Minuten länger das Knie auf dem Nacken

Chauvin habe sein Knie noch gut drei Minuten lang auf Floyds Nacken gedrückt, nachdem dieser keinen Sauerstoff mehr im Körper gehabt habe, sagte Tobin weiter.

Floyds auf einem Handyvideo festgehaltener Tod löste in den USA beispiellose Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt aus. Chauvin wurde aus dem Polizeidienst entlassen.

se/wa (ap, afp, rtr)

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