Geiselnahme in Kirche endet mit Blutbad | Nahost | DW | 01.11.2010
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Nahost

Geiselnahme in Kirche endet mit Blutbad

Bei dem Geiseldrama in einer Kirche in Bagdad hat es weitaus mehr Opfer gegeben als angenommen. Bei der Erstürmung des Gebäudes wurden wohl auch 37 Gläubige getötet. El-Kaida-Verbündete stecken hinter dem Angriff.

Polizisten vor katholischer Kirche in Bagdad (Foto: AP)

Polizei umstellt Kirche in Bagdad, in der sich bewaffnete Islamisten mit Geiseln verschanzt haben

Das US-Militär filmte den spektakulären Einsatz der irakischen Sicherheitskräfte in Bagdad gegen das Kommando extremistischer Geiselnehmer: Was eine "Befreiungsaktion" werden sollte, endete in einem Blutbad. Das irakische Innenministerium berichtete am Montag (01.11.2010) von insgesamt etwa 50 Toten und mehr als 70 Verletzten. Auch Stunden danach waren die Angaben der Behörden noch widersprüchlich.

Islamistische Terroristen hatten zunächst die Börse in Bagdad mit Blendgranaten beschossen und sich dann in eine der größten katholischen Kirchen im Stadtzentrum geflüchtet. Ihr in der Nähe zurückgelassenes Fahrzeug explodierte, mehrere Passanten wurden verletzt. Die Extremisten nahmen die zur Abendmesse versammelten Gläubigen und Geistlichen als Geiseln und drohten mit deren Hinrichtung. Nach einer vierstündigen Belagerung stürmten die Polizeikräfte schließlich das Gotteshaus.

Extremistengruppe wollte "Feinde des Islam" treffen

Menschengruppe am Rande des Explosionsortes neben der Kirche (Foto: AP)

Neben der Kirche explodierte ein Fahrzeug der islamistischen Angreifer, die in dem Gebäude etwa 100 Gläubige als Geiseln nahmen

Laut Einschätzung der Behörden wurden etwa 100 Personen befreit. 37 Gläubige und neun Sicherheitskräfte seien aber getötet worden. 56 weitere Geiseln und zahlreiche Polizisten seien verletzt, teilte das Innenministerium in einer korrigierten Bilanz des Einsatzes mit. Zudem habe man fünf "Terroristen" erschossen und mehrere Verdächtige festgenommen. Das US-Militär hatte zuvor gemeldet, drei der Geiselnehmer hätten sich selbst in die Luft gesprengt.

Zu den Überfällen bekannte sich die Extremistengruppe "Islamischer Staat Irak", die als Verbündete des Terrornetzwerkes El Kaida gelten. Auf einer Internet-Seite beschimpften sie die christliche Gemeinde als Feinde des Islam. Bei der Aktion selbst hatte die Gruppe die Freilassung prominenter El-Kaida-Mitglieder im Irak und Ägypten gefordert.

Das Sajedat-El-Nadschah-Gotteshaus der syrisch-katholischen Kirche war bereits 2004 angegriffen worden. Sie liegt in der Nähe der Grünen Zone der Hauptstadt, wo sich viele Botschaften und irakische Regierungsgebäude befinden. Im muslimisch dominierten Irak gibt es eine christliche Minderheit mit schätzungsweise 1,5 Millionen Anhängern.

Autor: Siegfried Scheithauer (rtr, afp, dapd, dpa)
Redaktion: Reinhard Kleber

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