Gastkommentar: Was Katar mit der Türkei verbindet | Kommentare | DW | 19.08.2018
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Wirtschaftskrise in der Türkei

Gastkommentar: Was Katar mit der Türkei verbindet

Kein NATO-Partner, sondern das Emirat Katar greift der Türkei in der Krise unter die Arme. Das ist jedoch kein Zufall, meint Rainer Hermann von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

Der Besuch des katarischen Emirs in Ankara, Tamim Bin Hamad Al Thani, war zwar nicht angekündigt. Eine Überraschung war er dennoch nicht. Der Emir war am Mittwoch der erste ausländische Gast, der die Türkei seit dem Beginn der Währungskrise am Freitag vor einer Woche besucht hat. Mit seinem Besuch und den 15 Milliaerden Dollar im Gepäck versicherte er der Türkei seine Solidarität. Andererseits war die Türkei auch das erste Land gewesen, das Katar seit Juni 2017 beigestanden hat, als Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate begannen, den Kleinstaat mit einem bis heute bestehenden Embargo zu isolieren. Seither liefert die Türkei die Produkte, die Katar nicht mehr von seinen Nachbarn beziehen kann, bis hin zu Milch.

Kommentarbild PROVISORISCH | Rainer Hermann, FAZ & Klett-Cotta (Helmut Fricke)

Rainer Hermann ist Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Gemeinsam für die Muslimbrüder

Katar und die Türkei verbindet eine strategische Partnerschaft, die in den vergangenen Jahren immer enger geworden ist. Als 2011 in der arabischen Welt Massendemonstrationen die alte Ordnung ins Wanken gebracht haben, fanden sich die beiden Länder auf derselben Seite wieder. Beide sahen sich als die Fürsprecher der Muslimbruderschaft; beide rechneten damit, dass die Muslimbruderschaft in demokratischen Verhältnissen die künftigen Herrscher stellen werde. Sie unterstützten sie in Ägypten, Libyen, Syrien und anderen Ländern - aber ohne Erfolg. Denn die internen Kräfte des Status quo und jener, die wie Saudi-Arabien in der Region alles beim Alten belassen wollten, waren stärker.

Das führte die Türkei und Katar nur noch näher zusammen. Die beiden Staatsoberhäupter, Erdogan und Tamim Bin Hamad Al Thani, der 2013 seinem Vater nachgefolgt war, wurden persönliche Freunde - auch die Familien treffen sich. Die Türkei richtete in Katar eine Militärbasis ein, die offenbar auch dem Zweck dient, die Hürde der Abschreckung für einen Überfall auf das Land höher zu hängen.

Wirtschaftlich eng verflochten

Eng wurden die wirtschaftlichen Beziehungen. Katar, das seine hohen Überschüsse aus dem Gasexport anlegen muss, hat in den vergangenen Jahre viel in der Türkei investiert. Die Qatar National Bank, eine der größten Banken in der arabischen Welt, hat die türkische Finansbank erworben; 15 Prozent ihrer Aktiva haben bereits einen Türkeibezug. Die katarische Commercial kaufte die Alternatifbank. Die beiden Banken bekommen nun den Währungsverfall der Türkischen Lira direkt zu spüren. Zudem ist Katar auf dem Immobilienmarkt einer der wichtigsten Investoren. Das Land hat damit an der wirtschaftlichen Stabilität der Türkei ein großes Interesse.

Katar und das katarische Volk hätten in den vergangenen Tagen Türkische Lira in Höhe vieler Millionen Dollar gekauft, um die Währung zu stützen, erklärte der katarische Botschafter in Ankara. Das mag zwar nur ein Tropfen auf den heißen Stein gewesen sein. Aber es war für die Türkei ein psychologisches wichtiges Signal.

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