Gastgewerbe Verlierer der Pandemie - Personal wandert ab | Wirtschaft | DW | 11.07.2022
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Arbeitsmarkt

Gastgewerbe Verlierer der Pandemie - Personal wandert ab

Die unsicheren Zeiten der Corona-Pandemie haben Bewegung in den Arbeitsmarkt gebracht. Eine Branche hat überdurchschnittlich viele Beschäftigte verloren, eine andere profitierte davon besonders.

Der Konjunktureinbruch in der Corona-Krise hat bei vielen Branchen in Deutschland zu einem massiven Aderlass des Personals geführt. Wer früher gekellnert hat, sitzt heute oft an der Supermarktkasse, arbeitet als Paketbote oder in der Lagerlogistik, wie aus einer am Montag veröffentlichten Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervorgeht. Im Zuge der Lockdowns kehrten vor allem viele Beschäftigte dem Tourismus, Hotel- und Gaststättengewerbe den Rücken. 2020 waren dies knapp 216.000 Personen auf der Suche nach einem sichereren Job in Pandemie-Zeiten.

Der Einzelhandel habe sich als Auffangbecken für in der Corona-Pandemie abgewanderte Beschäftigte vor allem aus dem Gastgewerbe erwiesen. Fast 35 000 der aus der Gastronomie abgewanderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten im Verkauf einen neuen Job gefunden, etwa als Kassiererinnen. Was zunächst in vielen Fällen als vorübergehende Lösung gedacht gewesen sein möge, habe sich in vielen Fällen als Dauervariante etabliert - womöglich unter anderem wegen familienfreundlicherer Arbeitszeiten. Die Discounter Aldi und Lidl befeuerten den Trend mit lukrativen Angeboten zusätzlich. Sie schreiben seit Monaten Angebote mit Einstiegslöhnen von mindestens 14 Euro aus - deutlich über dem Mindestlohn von künftig 12 Euro und garniert mit der Aussicht auf Aufstiegschancen zumindest für Jüngere.  

Nicht nur Minijobber wechseln

Rund 27 000 Menschen seien von der Gastronomie in das Verkehrs- und Logistikgewerbe gewechselt, etwa als Fahrer für Paketdienste, heißt es in der Studie weiter. Etwa gleich viele hätten im Bereich Unternehmensführung angeheuert, zum Beispiel als Sekretärinnen. Der Studie zufolge sind es aber nicht nur Minijobber, die die Gastronomie verließen. Unter den Abgängen waren von Juni 2020 bis Juni 2021 auch knapp 60 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, heißt es in der Studie weiter - ein Rückgang um 10,3 Prozent. "In keinem anderen Berufsbereich fällt der Rückgang so stark aus, weder absolut noch prozentual", analysieren die Autorinnen, Anika Jansen und Paula Risius, über die Gastronomie. Dort macht es sich auch am stärksten bemerkbar. Selbst Vorzeigebetriebe müssten inzwischen schließen oder zusätzliche Ruhetage einlegen, sagt Thomas Geppert, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Bayern.

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Bei eingetrübten Aussichten orientierten sich Menschen um. "Während der Krise dürfte für viele Sicherheit noch wichtiger geworden sein", sagte Studienautorin Paula Risius. Aber auch sogenannte weichere Faktoren wie feste Arbeitszeiten, die sich gut mit dem Privatleben verbinden lassen, spielten eine größere Rolle. Firmen auf der Suche nach Arbeitskräften müssten attraktiver werden – also die Vereinbarkeit von Schichtarbeit und Familie verbessern, mit Arbeitszeitkonten für mehr Flexibilität oder der Organisation von Kita-Betreuung in Randzeiten.

"Allerdings wird sich das Problem des Fachkräftemangels damit nicht komplett lösen lassen", sagte Risius. Die Politik müsse die Zuwanderung von Fachkräften besser fördern. Das Gastgewerbe und die Luftfahrt suchen beim Neustart ihrer Branche nach vielen Corona-Beschränkungen derzeit hängeringend nach gutem Personal. Lobbyvertreter fordern hierbei von der Ampelkoalition ebenfalls leichtere Zuwanderung aus Nicht-EU-Staaten. Die Probleme durch den Personalmangel zeigen sich derzeit vor allem an deutschen Flughäfen, wo es zu langen Wartezeiten und Verspätungen kommt. Zudem streichen Airlines Tausende Flüge, um die Abläufe zu stabilisieren.

hb/tk (dpa,rtr)

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