Gamescom: Fun-Event und Wirtschaftsfaktor | Wirtschaft | DW | 21.08.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Spielemesse

Gamescom: Fun-Event und Wirtschaftsfaktor

Die gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung der Games-Branche wird zunehmend in der Politik erkannt. Zur Eröffnung der Spielemesse Gamescom in Köln begrüßten die Veranstalter eine ganze Reihe politischer Gäste.

Video ansehen 02:37
Jetzt live
02:37 Min.

Besucher strömen zur Gamescom 2018

Die Messe sei ein "großartiges Aushängeschild für die Stadt", sagte die Kölner Bürgermeisterin Henriette Reker. Noch bis Samstag sollen digitale Spiele in den Messehallen wie auch verteilt in der Rhein-Metropole präsent und erlebbar sein.

Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen, dessen größte Stadt Köln ist, sagte zu Messebeginn: "Wir sind das Mutterland der deutschen Gamesentwicklung", und verwies auf die Entwickler digitaler Spiele in seinem Bundesland.

Die Spielemesse Gamescom ist am Dienstag gestartet. Zum Szenetreffen der Branche werden nach Angaben der Veranstalter bis zum 25. August rund 350.000 Besucher erwartet. Die Gamescom gilt als größte Messe für interaktive Unterhaltung. In diesem Jahr präsentieren sich 1000 Aussteller aus 50 Ländern.

Lange vernachlässigt, müsse die Gamescom inzwischen noch mehr Hallen anbauen, weil so viele Politiker kämen, sagte Digitalstaatsministerin Dorothee Bär scherzhaft zur Eröffnung. Im vergangen Jahr wurde die Messe erstmals von Bundeskanzlerin Angela Merkel eröffnet, was in der Branche als Ritterschlag gilt.

Fördermittel für die Gamer?

Schon vor Messebeginn wurde eine stärkere Förderung von Spiele-Entwicklern in Deutschland diskutiert.  Die Bundesregierung hat sich dieses Ziel bereits im Koalitionsvertrag gesetzt. "Ich halte eine zielführende und effiziente Förderung für Computerspiele sowie die spezifische Förderung von Games-Technologie für sehr wichtig", hatte Bär am Montag dem "Handelsblatt" gesagt.

Gamescom 2017 (Getty Images for BIU/F. Krug)

Im vergangenen Jahr hatte bereits Bundeskanzlerin Merkel (Bildmitte) durch ihre Anwesenheit ein Signal gesetzt.

Bessere Fördermodelle könnten nun "ganz sicher schnell auf den Weg" gebracht werden, versprach Bär. Wie die Staatsministerin weiter erklärte, sollen davon sowohl große als auch kleine Studios profitieren. "Im Herbst werden wir im parlamentarischen Verfahren sehen, wie viel Geld für Computerspiele in den Haushalt 2019 eingestellt wird."

Laut Branchenverband Game wuchs der Markt im ersten Halbjahr um 40 Prozent auf einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro in Deutschland. Der Anteil an "Games made in Germany" sackte jedoch weiter ab und liegt nun bei unter sechs Prozent. Der Verband Game hatte bereits in einem eigenen Förderkonzept seine Vorstellungen in die Diskussion eingebracht. Die Summe von 100 Millionen Euro, die Game dort vorschlägt, "klingt für mich realistisch", sagt Bär.

Kritik am Suchtpotential

Viele deutsche Spieleentwickler verdienen mit Smartphone-Apps mittlerweile mehr Geld als mit klassischen Computerspielen. Dabei setzen sie allerdings Mechanismen ein, die Menschen süchtig machen können, wie der Psychologe Hans-Jürgen Rumpf von der Uniklinik Lübeck im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP kritisiert.

"Sie setzen auf schnelle Gewinne am Anfang, die im Laufe des Spiels aber immer schwerer erreichbar werden", erklärt er. "So muss ein Spieler für seine Belohnung immer mehr Zeit oder Geld investieren." Besonders gefährlich seien Spiele, in denen gemeinsam mit anderen Aufgaben gelöst werden müssen, wie zum Beispiel Onlinerollenspiele. "Dort entsteht schnell ein sozialer Druck, immer weiter zu spielen", sagt Rumpf.

Die Sucht nach Videospielen ist weltweit auf dem Vormarsch. Im Juni erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sie offiziell zur Krankheit. Bislang wurden die meisten Patienten in den Therapiezentren an den "klassischen" Konsolen oder dem Computer süchtig. Doch je leistungsstärker Smartphones werden und je komplexer die Apps, desto gefährlicher werden sie für suchtanfällige Menschen.

"Das Problem am Handy ist seine ständige Verfügbarkeit", sagt Rumpf. "Der Nutzer hat es immer dabei. Will er nur Nachrichten checken, winkt das Spiel schon mit einer Benachrichtigung. Das ist ein Reiz, den der Spieler kaum ausschalten kann."

Geistlicher Beistand ist nah

Pünktlich zum Start der Gamescom sind neue Versionen der "Bibel für Minecrafter" erschienen. In "Unterwegs mit Jesus" und "Helden und Schurken" werden Geschichten der Bibel "Block für Block" erzählt, wie der Gerth-Verlag der Katholischen Nachrichten-Agentur bestätigte. Der erste Band "Die inoffizielle Bibel für Minecrafter" im Comic-Stil erschien demnach 2016. Das Design des Computerspiels "Minecraft", das erstmals 2009 auf den Markt kam, besteht aus würfelförmigen Blöcken in einer 3D-Welt.

Im Band "Unterwegs mit Jesus" sind neun Bibel-Episoden enthalten. "Sei bei seiner Ankunft auf der Erde dabei. Staune über seine Wunder, darüber, wie er über das Wasser läuft oder Kranke heilt", heißt es in der Ankündigung. Sechs Geschichten in der "Minecraft"-Klötzchenwelt sind laut Verlag in "Helden und Schurken" zu finden: "Erfahre mehr über die ungleichen Brüder Kain und Abel, über Mose und seinen Ärger mit dem Pharao, über David und den fiesen Riesen Goliath."

Ein Klassiker der Spieleszene: Lara Croft, die Heldin des Spiels Tomb Raider(picture-alliance/dpa/J. Carstensen)

Ein Klassiker der Spieleszene: Lara Croft, die Heldin des Spiels "Tomb Raider"

"Vielfalt gewinnt"

Die Gamescom gilt als weltweit größter Events für Computer- und Videospiele. An diesem Mittwoch startet sie auch für private Besucher in ihre zehnte Auflage. Die Ausstellungsfläche hat sich laut Bürgermeisterin Reker seit dem Start in Köln 2009 um 70 Prozent vergrößert.

"Vielfalt gewinnt" lautet das diesjährige Leitthema. Damit soll der Facettenreichtum und die Vielseitigkeit der Branche sowie die Bedeutung von Games unterstrichen werden. Vielfalt beschreibe aber auch die Gemeinde der Gamer weltweit, sagte Felix Falk, Geschäftsführer des Branchenverbands Game. Sie bestehe aus Menschen aller Altersgruppen, Nationalitäten und Hautfarben. "Wenn das auch in der Gesellschaft so wäre - es gäbe nichts Schöneres."

dk/ (dpa, afp, kna, epd)

 

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema