Galilei: Der Mann, der ein Weltbild ins Wanken brachte | Kultur | DW | 15.02.2014
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Kultur

Galilei: Der Mann, der ein Weltbild ins Wanken brachte

Der Mensch ist nicht Mittelpunkt des Universums. Er bewohnt nur einen Planeten, der um die Sonne kreist: Mit diesen Thesen schockte Galileo Galilei einst die Kirche – und wirkt bis heute.

Zwischen Olivenhainen und Pinien, mit reichlich gutem Wein: Der italienische Ausnahmewissenschaftler hätte sein Leben in der lieblichen Toskana auch geruhsamer verbringen können. Aber ein Lebemensch war Galileo nicht. Später plagte ihn auch noch die Arthritis und zwang ihn an den Schreibtisch.

Galilei stammte aus bescheidenen Verhältnissen. Sein Vater war Musiker mit einer Leidenschaft für Mathematik. Die gab er an den Junior weiter: Als dieser 78-jährig starb, war er ein berühmter Astronom, Mathematiker, Physiker und Philosoph. An diesem Samstag (15.02.2014) liegt sein Geburtstag 450 Jahre zurück.

Ein Kind der Renaissance

Schon früh ist Galileo Galilei sich seiner einfachen Herkunft bewusst. Aber er hält sich für genial, für ein richtiges Mathe-Ass - wenngleich er sein Mathematikstudium abbricht.

Galilei ist ganz Kind seiner Zeit: Europa emanzipiert sich soeben von den Denkweisen des Mittelalters und besinnt sich zurück auf die Leistungen und Traditionen der Antike. Die Humanisten stellen den Menschen und nicht mehr Gott ins Zentrum ihrer Betrachtung. Anstatt über Übernatürliches zu spekulieren, beobachten sie die Natur. Es wird gemessen, gerechnet, experimentiert. Da lässt sich auch Galilei vom Interesse an den Naturwissenschaften anstecken - und prägt sie entscheidend mit.

Galileo Galilei Astronom

Beobachten und rechnen - Galileos Methoden

Er lehrt an den Universitäten in Pisa und Padua, unterrichtet als Hauslehrer, später als Mathematiker am Hofe der Familie Medici in Florenz. Das fördert seine Karriere, denn die Dynastie ist einflussreich. Florenz entwickelt sich zum Zentrum eines neuen Lebensgefühls.

Aristoteles war gestern

Galilei gilt als schwierig und rechthaberisch. "Er ging wenigen Streitereien aus dem Weg – und sparte bei seiner Selbstinszenierung vor den Höfen nicht mit Lob an sich selber", weiß Wilhelm Schmidt-Biggemann, Professor für Geschichte der Philosophie in Berlin. Und Galilei hat sich Großes vorgenommen: "Er wollte die aristotelische Philosophie loswerden und entwickelte dafür eine mechanische Naturphilosophie", so Schmidt-Biggemann im Interview mit der Deutschen Welle. Während Aristoteles Bewegung als etwas Organisches, durch innere Kräfte Wachsendes sieht, interpretiert Galilei Bewegung als mechanisches Phänomen. Seine Folgerung: Irdische und himmlische Bewegungen richten sich nach denselben Gesetzen - und können somit berechnet werden.

Als er es schafft, das in Holland erfundene Fernrohr weiterzuentwickeln, macht er kuriose Beobachtungen: Der Mond hat eine raue Oberfläche, die Sonne Flecken, der Saturn eine unregelmäßige Form, der Jupiter vier Monde – und die Milchstraße ist gar kein Nebel, sondern eine Ansammlung zahlreicher Sterne! Schließlich sieht er, dass die Venus bestimmte Phasen zeigt, und meint damit beweisen zu können, dass sie um die Sonne kreist, nicht um die Erde.

Eine Kränkung der Menschheit - und des Vatikan

Heliozentrisches Weltbild (Foto: Fotolia/Naeblys)

"Und sie bewegt sich doch!"

Galilei beharrt auf der Richtigkeit des heliozentrischen Weltbildes, wonach die Sonne im Mittelpunkt des Universums steht und die Heimat des Menschen nur einer von vielen Planeten ist, der sie umkreist. Der Gedanke ist nicht neu. Galilei knüpft damit an antike Auffassungen an, die vor allem von den Pythagoreern vertreten wurden. Anfang des 16. Jahrhunderts ist es Nikolaus Kopernikus, der den Gedanken wieder aufgreift. Jedoch kann er seine Theorie nicht empirisch beweisen. Die Zeit ist noch nicht reif für Erkenntnisse, die die Rolle des Menschen und die Gottes relativieren, zu groß ist der Gegensatz zur kirchlich-biblischen Vorstellung des Kosmos. Der Psychoanalytiker Sigmund Freud bezeichnete später Entdeckungen wie diese, die das Selbstverständnis der Menschheit auf den Kopf stellten, als "Kränkung der Menschheit".

Galilei vor der Römischen Inquisition Flash-Galerie

Nicht Bibel-konform: Galilei vor der römischen Inquisition

Vor allem die mächtige katholische Kirche zeigt sich wenig amüsiert von Galileis Weltbild. Zwei Mal zitiert sie den Forscher vor ihr Inquisitionstribunal. Galilei widerruft unter Androhung von Folter. Am Ende wird Galilei nur zu Hausarrest verurteilt - auch dabei sind seine Kontakte zu den Medici förderlich, denn er ist nicht mehr irgendwer. Er verbüßt die Strafe in einer schönen Villa bei Florenz, wo er am 8. Januar 1642 stirbt. Die katholische Kirche rehabilitiert ihn erst 1992.

Auch heute aktuell

Was bleibt von Galileo Galilei? Zweifellos haben sich viele seiner Ansichten durchgesetzt: "Das wichtigste ist die Mathematisierung der gesamten Bewegung, gekoppelt mit Beobachten etwa durch ein Fernrohr - das hat noch einiges mit der heutigen Astronomie zu tun", erklärt Schmidt-Biggemann. Der Kosmos sei durch ihn zum Gegenstand der Wissenschaft geworden. Aber mit Berechenbarkeit und Technik Herr der Dinge werden? Galileis Ideen sind auch heute noch kontroverser als man denkt.

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