Gündogan betroffen von Reaktion auf Erdogan-Fotos | Sport | DW | 05.06.2018
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DFB-Team aktuell

Gündogan betroffen von Reaktion auf Erdogan-Fotos

Eine unbedachte Aktion oder ein politisches Statement? Im Trainingslager der DFB-Elf äußert sich Ilkay Gündogan zu den umstrittenen Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Fußball-Nationalspieler Ilkay Gündogan saß in kurzer Hose und Badelatschen unter einem Olivenbaum auf der Terrasse des Teamhotels Weinegg. Den großen Rummel beim Medientag des DFB-Teams im Mannschaftshotel in Eppan eine Stunde zuvor hat er gemieden, doch jetzt besteht Redebedarf. Und ganz so leicht wie seine Bekleidung ist das Thema, das es zu besprechen gibt, nicht: Sein Treffen mit dem umstrittenen türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan hat hohe Wellen geschlagen, viel Kritik - auch vom DFB - hervorgerufen und ein zweites Politiker-Treffen, diesmal mit dem deutschen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier nach sich gezogen.

"Die Reaktionen haben mich getroffen, vor allem auch die persönlichen Beleidigungen", sagte Gündogan nun, der Erdogan in London gemeinsam mit Mesut Özil und dem in Deutschland aufgewachsenen türkischen Nationalspieler Cenk Tosun getroffen hatte. Gündogan sei der Meinung, "dass einige Vorwürfe, die jetzt gegen Mesut und mich aufgekommen sind, nicht zu 100 Prozent stimmen". Er erklärt: "Wir waren dort, weil türkischstämmige Fußballer aus der Premier League auf eine Stiftungsveranstaltung eingeladen worden sind und dann ist dort dieses Foto entstanden."

Starker Bezug zur Türkei

Direkt nach dem Treffen in London waren die sozialen Medien übergelaufen mit - teilweise hasserfüllten und überzogenen - Kommentaren zu Özil und Gündogan. Viele AFD-Politiker, darunter Abgeordnete des Bundestags, meldeten sich zu Wort und bezweifelten, dass die beiden Spieler im DFB-Dress noch tragbar seien. Es gab zudem viele an den DFB und Bundestrainer Joachim Löw gerichtete Aufrufe, Özil und Gündogan nicht in den WM-Kader aufzunehmen.

Ob das gemeinsame Foto mit Erdogan ein Fehler gewesen sei, wollte Gündogan in Eppan nicht klar beantworten: "Das war eine Erfahrung, die im Nachhinein betrachtet nicht leicht war", sagte der Profi des englischen Meisters Manchester City. "Ich bin immer offen für Kritik. Jeder Mensch hat seine eigene Meinung. Deshalb haben wir die Meinungsfreiheit. Dafür stehe ich auch", erklärte der 27-Jährige und verteidigte sich. "Wir haben aufgrund unserer türkischen Wurzeln noch einen sehr starken Bezug zur Türkei. Das heißt aber nicht, dass wir jemals behauptet hätten, Herr Steinmeier sei nicht unser Bundespräsident oder Frau Merkel nicht unsere Bundeskanzlerin. Deshalb war es auch nie ein Thema, ein politisches Statement zu setzen."

Özil und er hätten "sehr viel dazu beigetragen, dass wir die Integration in Deutschland fördern". Er verstehe und akzeptiere, wenn Leute eine andere Meinung hätten. "Aber beleidigen lassen will ich mich auch nicht", sagte Gündogan und hofft nun wohl, dass das Thema Erdogan ein für allemal erledigt ist. Fortan soll es wieder nur noch um sportliche Themen bei der DFB-Elf gehen.

Kroos an Bord, ter Stegen motiviert

Toni Kroos beim Medientag des DFB-Teams in Eppan (picture-alliance/dpa/C.Charisius)

Toni Kroos fordert Demut vom DFB-Team

Zwei gute Nachrichten gab es am Dienstag: Jerome Boateng stieg ins Mannschaftstraining ein und sprach danach beim Medientag der Mannschaft im Teamhotel von "einem guten Gefühl". Auch Champions-League-Sieger Toni Kroos ist nach seinem Sonderurlaub endlich mittendrin. Der "absolute Schlüsselspieler", wie Löw ihn bezeichnete, wird am Freitagabend (Anstoß 19.30 Uhr MESZ, ab 19.15 Uhr im DW-Audio-Livestream) bei der WM-Generalprobe in Leverkusen gegen Saudi-Arabien wieder die Chefrolle im deutschen Mittelfeld einnehmen. "Wir müssen mit Demut an die Sache herangehen", sagte Kroos zur Wiederholung des Triumphes von Brasilien 2014.

Darüber hinaus äußerte sich Torwart Marc-André ter Stegen erstmals zu seiner Rückstufung zur Nummer zwei hinter Manuel Neuer. Der 26 Jahre alte Schlussmann des FC Barcelona will Konkurrent Neuer und das Team bei der WM tatkräftig unterstützen. "Ich versuche, Manuel eine Hilfe zu sein", sagte ter Stegen. "Die Mannschaft weiß, dass ich sie zu 200 Prozent unterstützen werde." Das Votum des Bundestrainers akzeptiere und respektiere er. "Es ist eine enttäuschende Situation, wenn man die ganze Saison gut gespielt hat und Leistung auf höchstem Niveau gebracht hat", sagte ter Stegen, der unter anderem 2017 beim Confed-Cup-Erfolg in Russland sowie in den meisten Spielen der WM-Qualifikation im deutschen Tor stand. Er gab das Versprechen: "Wenn ich gebraucht werde, bin ich da."

asz (sid, dpa)

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