Freispruch für Geschäftsmann Tapie in Adidas-Affäre | Wirtschaft | DW | 09.07.2019
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Frankreich

Freispruch für Geschäftsmann Tapie in Adidas-Affäre

In der sogenannten Adidas-Affäre ist der französische Geschäftsmann Bernard Tapie freigesprochen worden. Ein Gericht in Paris urteilte, es gebe keine Beweise für Betrug und die Hinterziehung öffentlicher Gelder.

Der frühere Adidas-Eigner und französische Ex-Minister Bernard Tapie ist von den Vorwürfen des Betrugs und der Veruntreuung staatlicher Gelder freigesprochen worden. Die Entscheidung eines Pariser Strafgerichts sei eine immense Befriedigung und Befreiung, sagte Tapies Anwalt, Hervé Temime, am Dienstag vor Journalisten. Sein Mandant habe "sehr emotional" auf das Urteil reagiert, so Temime. Der 76-jährige Tapie wohnte der Urteilsverkündung demnach wegen einer Krebserkrankung nicht bei. Es habe keine ausreichenden Beweise für die Vorwürfe gegeben, berichtete die Nachrichtenagentur AFP in Berufung auf das Gericht zur Begründung der Entscheidung.

Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre Haft für Tapie gefordert. Das Gericht urteilte, eine Einflussnahme Tapies auf das Urteil eines privaten Schiedsgerichts von 2008 lasse sich nicht nachweisen.

Frankreich IMF-Vorsitzender Christine Lagarde vor Gericht (picture alliance/dpa/J. N. Guillo)

Auch Christine Lagarde geriet in den Strudel der Affäre - hier bei einer Anhörung vor Gericht im Dezember 2016


Auch designierte EZB-Chefin Lagarde involviert

In dem Fall spielt auch die designierte Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), Christine Lagarde, eine Rolle. Sie wurde 2016 wegen Beihilfe zur Veruntreuung von Staatsgeldern schuldig gesprochen, da sie das private Schiedsgericht als französische Wirtschaftsministerin anrief und nach dem Urteil zu Gunsten Tapies keine Rechtsmittel einlegte. Allerdings ging Lagarde straffrei aus.

In Frankreich sorgte die Adidas-Affäre für große Empörung: Der Verdacht stand im Raum, dass Lagarde im Auftrag des konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy handelte, den Tapie vor seinem Wahlsieg 2007 unterstützt hatte. Sarkozy hat eine Einflussnahme zugunsten des Geschäftsmannes aber stets bestritten.

Tapie ist in Frankreich eine schillernde Figur. Der frühere Chef des Fußballclubs Olympique Marseille hatte sich beim Verkauf von Anteilen am deutschen Sportartikelhersteller Anfang der 1990er Jahre von der damaligen Staatsbank Crédit Lyonnais geprellt gesehen und geklagt. In einem Schiedsverfahren bekam Tapie 2008 mehr als 400 Millionen Euro Entschädigung zugesprochen. Der Schiedsspruch wurde später aber von einem Zivilgericht aufgehoben. Um Veruntreuung öffentlicher Mittel geht es, weil die Entschädigung letztlich aus der Staatskasse kam. Tapie hatte die Vorwürfe mehrfach zurückgewiesen. "Das ist der Beweis, dass wir immer, immer bis zum Ende kämpfen müssen", sagte Tapie der Zeitung La Provence nach der Urteilsverkündung. Neben Tapie wurde auch der derzeitige Generaldirektor des teilstaatlichen Mobilfunkanbieters Orange, Stéphane Richard, freigesprochen. Ihm war Komplizenschaft vorgeworfen worden. Richard war damals Kabinettschef im Wirtschaftsministerium.

hb/ul (afp,dpa,rtr)

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