Französische Journalisten in Mali getötet | Aktuell Welt | DW | 02.11.2013
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Aktuell Welt

Französische Journalisten in Mali getötet

Im Nordosten Malis sind die Leichen einer französischen Journalistin und ihres Kollegen gefunden worden. Die beiden Reporter des Senders Radio France Internationale waren nur wenige Stunden zuvor verschleppt worden.

Das französische Außenministerium bestätigte am Samstagabend den Tod zweier Reporter des Senders Radio France Internationale (RFI) in Mali. "Ghislaine Dupont und Claude Verlon sind tot aufgefunden worden", erklärte das Ministerium in Paris. Die Leichen seien im Nordosten des Landes gefunden worden.

Die französischen Geheimdienste setzten mit den malischen Behörden alles daran, die genauen Umstände aufzuklären, hieß es in der Mitteilung des Ministeriums weiter. Zur Todesursache sagte das Ministerium nichts. Staatschef François Hollande sprach von einer "verabscheuungswürdigen" Tat.

Die französische RFI-Journalistin Ghislaine Dupont (Foto: AP /RFI, HO)

Die französische RFI-Journalistin Ghislaine Dupont

RFI: Reporter durch Schüsse getötet

Der Sender RFI berichtete, die beiden französischen Reporter seien erschossen worden. Es habe sich niemand zu den Morden bekannt. Die erfahrenen Reporter seien am Mittag von vier bewaffneten Männern an Bord eines Geländewagens in der Stadt Kidal verschleppt worden. Kidal liegt 1500 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Bamako und gilt als Hochburg der Tuareg-Rebellen und der Nationalen Bewegung der Befreiung von Azawad (MNLA).

Nach Angaben von RFI waren die beiden Journalisten für eine Reportage bei der Malischen Solidaritätsbank in Kidal, als sie entführt wurden. Demnach wollten sie einen MNLA-Vertreter interviewen. Vor dem Haus von Ambéry Ag Rhissa seien sie verschleppt worden.

Ag Rhissa habe dem Sender gesagt, er habe ein "verdächtiges Geräusch" gehört. Als er die Tür einen Spalt breit geöffnet habe, habe er beobachtet, wie die Entführer die Journalisten in einen beigen Geländewagen verfrachtet hätten. Dupont und Verlon hätten sich ihrer Entführung widersetzt.

Kidnapper sollen Sprache der Tuareg gesprochen haben

Der RFI-Journalist Claude Verlon (Foto: AP /RFI, HO)

Der RFI-Journalist Claude Verlon

Ihn hätten die Männer angewiesen, sich ins Haus zurückzuziehen, der Fahrer der Reporter habe sich auf den Boden legen müssen, sagte der MNLA-Vertreter. Die Kidnapper hätten Tamaschek, die Sprache der Tuareg, gesprochen. Weitere Zeugen gaben laut RFI an, die Entführer seien Richtung Tin-Essako im Osten von Kidal gefahren. Die Tuareg-Rebellengruppe HCUA in Kidal verurteilte die Tötung der Reporter.

Wie aus französischen Regierungskreisen verlautete, sollen die beiden Journalisten vor einigen Tagen darum gebeten haben, von der französischen Mali-Mission Serval nach Kidal gebracht zu werden. Angesichts der angespannten Sicherheitslage lehne die Truppe solche Anfragen jedoch seit mehr als einem Jahr ab. Die UN-Mission in Mali (MINUSMA) hingegen nehme weiterhin Journalisten mit. Mit den Blauhelmen seien auch die beiden französischen Journalisten schließlich nach Kidal gekommen.

Mali auch nach Wahlen weiter unsicher

Mali war im vergangenen Jahr durch eine Tuareg-Rebellion im Norden und einen Militärputsch in eine schwere Krise geraten. Nach ersten Erfolgen wurden die Tuareg von Islamisten zurückgedrängt, mit denen sie zunächst verbündet gewesen waren.

Die islamistischen Milizen eroberten weite Gebiete des Landes. Sie brachten fast den gesamten Norden Malis unter ihre Kontrolle und rückten auch in Richtung Süden vor.

Erst eine Offensive der früheren Kolonialmacht Frankreich zusammen mit afrikanischen Streitkräften zu Jahresbeginn konnte die Milizen stoppen. Nachdem die Aufständischen erfolgreich zurückgedrängt worden waren, wurden Ende Juli Präsidentschaftswahlen abgehalten. Die Rebellen verüben aber nach wie vor Anschläge in der Region.

kis/nem (dpa, afp, ape)