Frankreichs Regierung über Burkini zerstritten | Aktuell Europa | DW | 25.08.2016
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Aktuell Europa

Frankreichs Regierung über Burkini zerstritten

An diesem Freitag soll der Staatsrat in Paris entscheiden, ob der Burkini an Frankreichs Stränden getragen werden darf. Das Land und seine Regierung sind gespalten.

Vor dem Urteil des Obersten Verwaltungsgerichts in Frankreich über die Rechtmäßigkeit der Burkini-Verbote ist die sozialistische Regierung über den muslimischen Ganzkörperbadeanzug zerstritten. Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem sagte dem Sender Europe 1, sie sei zwar gegen diese Badekleidung, die Vielzahl an Verboten sei aber "nicht willkommen". Sie verwies auf die individuellen Freiheitsrechte und warnte, die Verbote könnten rassistische Äußerungen hoffähig machen. Dem widersprach Premierminister Manuel Valls. Er verteidigte die Auflagen von etwa 30 französischen Kommunen und warf seiner Bildungsministerin eine "Fehlinterpretation" vor.

Auch Gesundheitsministerin Marisol Touraine kritisierte den Ausschluss von Burkini-Trägerinnen von vielen Stränden. Sie warnte vor einer Stigmatisierung von Muslimen, die gefährlich für den Zusammenhalt sei. Staatschef François Hollande ging bislang nicht direkt darauf ein. Er mahnte lediglich, "dass sich jeder an die Regeln hält und dass es weder Provokation noch Stigmatisierung gibt".

Fast Zweidrittel der Franzosen gegen Burkini

Laut einer Umfrage der französischen Tageszeitung "Figaro" sind 64 Prozent der Franzosen gegen den Burkini. 30 Prozent sagten, das Kleidungsstück sei ihnen egal, sechs Prozent waren dafür.

Seit dem islamistischen Anschlag von Nizza am 14. Juli mit 86 Toten hat eine Reihe von französischen Gemeinden Burkinis an ihren Stränden verboten. Die Bürgermeister begründen ihre Verbote mit der angespannten Stimmung nach dem Terrorakt. Das Verwaltungsgericht von Nizza hatte eine solche Einschränkung in Villeneuve-Loubet in erster Instanz für rechtmäßig erklärt. Dagegen hatten zwei Organisationen geklagt. Am Freitag soll nun der Staatsrat, das oberste Verwaltungsgericht, ein Urteil fällen, das als Grundsatzentscheidung gelten wird.

Demos in London und Antwerpen

In London demonstrierten Frauen gegen die Burkini-Verbote (Foto: picture alliance)

In London demonstrierten Frauen vor der französischen Botschaft gegen die Burkini-Verbote

Die Burkini-Debatte hat auch im Ausland für Aufsehen gesorgt. In London demonstrierten rund 50 Menschen vor der französischen Botschaft gegen die Verbote und errichteten vor dem Gebäude einen improvisierten Strand. Für Samstag kündigte eine Gruppen von muslimischen und nicht-muslimischen Frauen in Antwerpen eine Strandparty an. Unter dem Motto "Wir sind Frauen und frei" riefen sie auf mit Burkini, Bikini oder Badeanzug, Liegestuhl und Sonnenbrille zur Promenade in Antwerpen zu kommen, wie die niederländische Zeitung "Gazet van Antwerpen" berichtete.

Das Wort Burkini ist eine Zusammenziehung von Burka und Bikini und bezeichnet einen den ganzen Körper bedeckenden Badeanzug für muslimische Frauen. Nur Gesicht, Hände und Füße sind dabei unbedeckt.

ago/qu (dpa, epd, afp, kna )

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