Fotograf David Rubinger ist tot | Kultur | DW | 02.03.2017
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Kultur

Fotograf David Rubinger ist tot

Er galt als einer der berühmtesten Fotojournalisten weltweit, hielt mit seinen Fotos prägende Momente der israelischen Geschichte fest. Nun ist der Fotograf im Alter von 92 Jahren gestorben.

Drei israelische Fallschirmjäger stehen vor der Klagemauer in Jerusalems Altstadt - ein heiliger Ort für Juden, Christen und Muslime gleichermaßen. Im Sechstagekrieg hatte Israel 1967 unter anderem den Ostteil der Stadt erobert. Rubinger hält den Moment in einem Foto fest. Die Aufnahme wird sich bei vielen als Ikone des Krieges einprägen - auch, wenn Rubinger nie zufrieden mit dem Bild war, weil die Gesichter der Soldaten teils angeschnitten sind. Immer wieder schaffte es Rubinger, geschichtsträchtige Momente wie diesen mit seiner Kamera einzufangen.

Photografie von David Rubinger (Getty Images/Newsmakers/GPO/David Rubinger)

Eines seiner bekanntesten Bilder: die israelischen Fallschirmjäger

"Durch seine Fotografie hat David Geschichte unsterblich gemacht, so wie sie für immer in unseren Erinnerungen eingebrannt sein wird", sagte Israels Staatspräsident Reuven Rivlin zum Tod des Fotografen. Rubinger habe die führenden Personen Israels mit seiner Kamera "eingefangen während ihrer höchsten Höhen und ihrer tiefsten Tiefen".

In intimen Porträts fotografierte Rubinger Menschen wie David Ben-Gurion, Menachem Begin, Ariel Sharon, Yitzhak Rabin und Simon Peres, der Rubinger als "einen Fotografen Israels der ersten Stunde" bezeichnete. Aber auch soziale und kulturelle Entwicklungen des Staates Israel dokumentierte Rubinger: So lichtete er auch Einwanderer ab, die aus der arabischen Welt, Russland und Äthiopien nach Israel kamen.

Vor den Nationalsozialisten geflohen

Rubinger wurde 1924 in Wien geboren. Als 15-Jähriger floh er vor den Nationalsozialisten, die seine Mutter ermordeten, ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina. Rubinger diente während des Zweiten Weltkriegs in der jüdischen Brigade der britischen Armee. Nach seinem Militärdienst begann er, als Fotojournalist zu arbeiten. Mehr als 40 Jahre fotografierte er für das renommierte amerikanische "Time-Life"-Magazin im Nahen Osten. 1997 erhielt er als erster Fotograf Israels höchste Auszeichnung, den Israel-Preis. Rubinger veröffentlichte 2007 seine Autobiografie, die zwei Jahre später unter dem Titel "Israel durch mein Objektiv: Sechzig Jahre als Fotojournalist" auch auf Deutsch erschien.

Die Vertretung der Auslandspresse in Tel Aviv zitierte den Fotografen aus dem Buch: "Was würde ich denen sagen, die mich nach dem Geheimnis für ein erfülltes Leben fragen? Meines ist eine ziemlich einfache Philosophie: Versuche jeden Tag zu leben, als wäre er Dein letzter, aber plane Deine Zukunft, als gäbe es unendlich viele morgen." Die israelische Zeitung "Haaretz" würdigte Rubinger als einen Fotografen, dessen Bilder geholfen hätten "ein kollektives Gedächtnis zu formen".

Rubinger sei nach kurzer, schwerer Krankheit am Mittwoch in Jerusalem gestorben, hieß es in der Mitteilung der Familie.

ld/ bb (dpa, afpd, afpe, rtre)

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