Folgen der Hitzewelle: Waldbrände und mehr Hitzetote
29. Juni 2026
Die Hitzewelle in Europa sorgte für Stress: bei Mensch, Technik und Natur. Eine Folge der Rekordtemperaturen der vergangenen Tage: In mehreren Regionen Deutschlands brachen Waldbrände aus.
So lodert es in einem Waldstück am Chiemsee im süddeutschen Bundesland Bayern. Dutzende Feuerwehrleute und Hubschrauber sind im Einsatz, um mehrere Tausend Quadratmeter Wald- und Moorfläche nahe der Gemeinde Übersee zu löschen. Die angrenzende Autobahn 8 war wegen des vielen Rauchs gesperrt worden, ist aber inzwischen wieder freigegeben.
Das Feuer in einem Waldstück im Landkreis Traunstein war kurz vor Mitternacht am Sonntag gemeldet worden. Seitdem waren rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rettungsdienst, Bergwacht und Technischem Hilfswerk (THW) im Einsatz, um die Flammen zu löschen.
Ein Feuerwehrmann erlitt den Angaben zufolge leichte Verletzungen. Laut der Feuerwehr standen 5,5 Hektar Wald und Moor in Flammen, das entspricht einer Fläche von knapp acht Fußballfeldern.
Evakuierung am Rotenfels
Auch am Rotenfels im Bundesland Rheinland-Pfalz im Südwesten Deutschlands brennt der Wald. Die Lage habe sich aber dank der Wetterveränderungen etwas verbessert. "Der Regen hat das Feuer nach unten gedrückt", sagte Landrätin Bettina Dickes am Montagmorgen im Südwestrundfunk. "Es ist noch da, es glimmt an ganz ganz vielen Stellen noch". Aber zumindest gebe es keine lodernden Flammen.
Der Wall von Sprinklern habe gehalten, so Dickes. "Da sind wir heute wirklich überglücklich, dass wir im Moment zumindest sagen: Wir haben die Lage im Griff."
Dieser Brand war am Samstagnachmittag auf einer Fläche von rund zwei Hektar ausgebrochen. Das Dorf Traisen wurde evakuiert, weil das Feuer zunächst nicht unter Kontrolle zu bekommen war. Nach Angaben des Kreises Bad Kreuznach wütet es in einem steilen, schwer zugänglichen Waldgebiet. Außerdem befinden sich dort Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg, weshalb nicht alle Bereiche betreten werden können.
Die etwa 600 Einwohner von Traisen mussten den Ort vorsorglich verlassen. Sie wurden in einer Notunterkunft versorgt.
Gefahr durch Munition
Altmunition ist auch das Problem in der Gohrischheide an der Landesgrenze von Sachsen und Brandenburg im Osten Deutschlands. Teile des Naturschutzgebietes auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz können von Feuerwehrkräften wegen der Explosionsgefahr nicht betreten werden.
Doch auch dort galt es, einen erneuten Waldbrand unter Kontrolle zu bringen. Hierzu rückte ein spezielles, gepanzertes Tanklöschfahrzeug an.
"Wir sind auf einem guten Weg. Das Feuer hat sich in der Nacht nicht weiter ausgebreitet und könnte noch heute gelöscht werden", hieß es aus dem Lagezentrum des Innenministeriums am Montagmorgen. Einsetzender Regen sorgt für zusätzliche Entspannung.
Das Feuer hatte sich in der Gohrischheide am Samstagnachmittag entwickelt und schnell ausgebreitet. Mehr als 200 Einsatzkräfte hatten den Brand bei schweißtreibenden Temperaturen um die 40 Grad in Schach gehalten. Zudem waren zwei Löschhubschrauber im Einsatz. Erst vor einem Jahr hatte es in der Gohrischheide den größten Waldbrand seit Jahrzehnten in Sachsen gegeben.
DWD: "Historische Hitzewelle"
In einer ersten Zwischenbilanz der "historischen Hitzewelle" sprach der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Sonntag von einem Extremereignis. "Noch nie zuvor seit Beginn der Wetteraufzeichnungen hat es in Deutschland, aber auch in vielen Teilen von Europa, eine solch lange und intensive Hitzewelle so früh im Sommer gegeben", teilte der DWD mit.
In einigen Regionen habe sie elf Tage angehalten. Der vorläufige Rekord lag bei 41,7 Grad im Osten Brandenburgs.
Ein internationales Team von Wissenschaftlern war in der vergangenen Woche zu dem Ergebnis gekommen, dass die Extremtemperaturen mit dem Klimawandel zusammenhängen. Sie wären laut der Forschungsgruppe World Weather Attribution zu diesem Zeitpunkt vor 50 Jahren "praktisch unmöglich" gewesen.
WHO-Chef fordert Konsequenzen
Die beispiellose Hitzewelle in Europa ist nach Einschätzung des Generaldirektors der Weltgesundheitsorganisation, Tedros Adhanom Ghebreyesus, mitverantwortlich für Hunderte zusätzliche Todesfälle. "Seit dem 21. Juni wurden in Europa mehr als 1300 zusätzliche Todesfälle verzeichnet, die im Zusammenhang mit den hohen Temperaturen stehen", so Tedros. "Europa ist der sich am schnellsten erwärmende Kontinent der Erde - die Erwärmung verläuft doppelt so schnell wie im globalen Durchschnitt."
Laut WHO-Chef Tedros leiden derzeit 150 Millionen Menschen unter extremer Hitze, Schulen seien geschlossen, die Stromnetze würden zusammenbrechen. Hitzestress werde oft als "stiller Killer" bezeichnet - und europäische Wohnungen, Arbeitsplätze und Schulen seien für solche Temperaturen nicht ausgelegt, ließ Tedros verlauten.
Manchen wurde aber möglicherweise auch Übermut zum Verhängnis: Nach Angaben der Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind in der Bundesrepublik mindestens 26 Menschen beim Baden ums Leben gekommen - alles Männer und Jungen. Die DLRG zählte dabei auch Vermisste mit, deren Identität bekannt ist, die aber noch nicht gefunden wurden.
AR/haz (dpa, afp)