Flutkatastrophe: Kanzlerin im Landkreis Ahrweiler | Aktuell Deutschland | DW | 18.07.2021
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Unwetterkatastrophe im Südwesten

Flutkatastrophe: Kanzlerin im Landkreis Ahrweiler

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist im Landkreis Ahrweiler im Norden von Rheinland-Pfalz eingetroffen. Sie informiert sich dort über die verheerende Hochwasser-Situation und spricht mit Betroffenen.

Deutschland, Schuld | Unwetter in Rheinland-Pfalz

Der Eifelort Schuld an der Ahr wurde besonders schwer von den Unwettern getroffen

Merkel macht sich in der Gemeinde Schuld, die besonders schwer von der Unwetterkatastrophe getroffen wurde. Dort im Landkreis Ahrweiler waren mehrere Häuser komplett von den Wassermassen fortgerissen worden, zahlreiche weitere wurden stark beschädigt.

Nationaler Kraftakt

Bundesfinanzminister Olaf Scholz stellte unterdessen Soforthilfen in dreistelliger Millionenhöhe in Aussicht. "Es braucht einen nationalen Kraftakt", sagte Scholz der "Bild am Sonntag". Am Mittwoch im Kabinett wolle er zwei Dinge auf den Tisch legen. "Erstens eine Soforthilfe, bei der letzten Flut waren dafür deutlich mehr als 300 Millionen Euro nötig. Da wird jetzt sicher wieder so viel gebraucht", erläuterte Scholz. "Zweitens müssen wir die Grundlage für ein Aufbauprogramm schaffen, damit die zerstörten Häuser, Straßen und Brücken zügig repariert werden. Wie wir von der vorherigen Katastrophe wissen, geht es um Milliarden Euro."

Deutschland Unwetterkatastrophe | Bad Neuenahr-Ahrweiler in Rheinland-Pfalz

Erste Aufräumarbeiten in Bad Neuenahr

Der Schwerpunkt der Katastrophe in Rheinland-Pfalz liegt im Kreis Ahrweiler. Allein dort kamen nach neuesten Angaben der Polizei Koblenz über 110 Menschen ums Leben. 670 Menschen wurden verletzt. Es wird befürchtet, dass noch weitere Todesopfer und Verletzte hinzukommen. "Wenn Sie die Bilder sehen, wie es da aussieht, kann man nicht ausschließen, dass noch weitere Leichen gefunden werden", erklärte ein Sprecher.

Nach wie vor werden in der Region Menschen vermisst. In vielen Orten gibt es immer noch keinen Strom, kein Telefonnetz, kein sauberes Trinkwasser. Viele Straßen sind zerstört und nicht befahrbar, Brücken wurden weggerissen. Hunderte Menschen harren in Notunterkünften aus, weil ihre Häuser nicht mehr bewohnbar sind und abgerissen werden müssen.

Steinmeier trauert mit 

In Nordrhein-Westfalen liegt die Zahl der bestätigten Todesopfer bei 46, darunter sind vier Feuerwehrleute. In der vom Hochwasser besonders betroffenen Ortschaft Erftstadt westlich von Köln suchen zahlreiche Menschen nach ihren Angehörigen. Bisher wurden 59 Menschen gemeldet,
deren Aufenthaltsort ungewiss ist.

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, der am Samstag mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Katastrophengebiet in Erftstadt  besucht hatte, versprach Direkthilfe für die betroffenen Menschen und sagte zu, dass "sehr unbürokratisch Geld ausgezahlt" werde. "Viele haben alles verloren, was sie sich ihr Leben lang aufgebaut haben. Wir trauern mit denen, die Freunde, Bekannte oder Familienmitglieder verloren haben. Ihr Schicksal zerreißt uns das Herz", sagte der Bundespräsident.

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"Ihr Schicksal zerreißt uns das Herz"

Steinmeier rief zu Solidarität und Spenden für die Opfer auf. "Die Unterstützungsbereitschaft, sie muss anhalten, im Großen wie im Kleinen", betonte er. Für Montag hat sich Bundesinnenminister Horst Seehofer in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz angekündigt.Neu aufstellen

Nach der Flutkatastrophe fordert der Städte- und Gemeindebund eine grundlegende Reform des Bevölkerungsschutzes."Die Katastrophe zeigt einmal mehr, dass wir den zivilen Bevölkerungsschutz neu, besser und nachhaltiger aufstellen müssen", sagt der Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe müsse verstärkt und die Frühwarnsysteme verbessert werden. Auch die Eigenvorsorge müsse gefördert werden. So müsse jeder Haushalt über ein batteriebetriebenes Radio verfügen. Das richtige Verhalten in Gefahrensituationen, wie das Abstellen von Strom und Gas, das Nichtbetreten von Kellerräumen und das Vorhalten von Lebensmittelreserven müsse Standard werden.

haz/nob (dpa, rtr, afp)

 

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