Flussbaden in der City | DW Reise | DW | 13.07.2015
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Reise

Flussbaden in der City

Es ist heiß und der Fluss liegt mitten in der Stadt: also ab ins kühle Nass! In London und Berlin ist das wegen der Verschmutzung allerdings nur Wunschdenken. Bislang - denn beide Städte planen ein natürliches Flussbad.

Direkt vor der Museumsinsel haben sich rund 100 Schwimmer am Sonntag (12.07.2015) einen Wettkampf in der Spree geliefert, angefeuert von zahlreichen Zuschauern. Anlässlich des Europäischen Flussbadetags gab es europaweit solche Aktionen. Sie sollen auf den schlechten Zustand der Flüsse aufmerksam machen und für ihren Schutz werben. Auch die Spree ist verschmutzt und wird außerdem als Bundeswasserstraße von Schiffen befahren. Deshalb ist das Baden in der Spree normalerweise verboten. Egal wie heiß es ist, die Berliner müssen auf die Abkühlung im Fluss verzichten und sich auf Freibäder und entfernte Badeseen beschränken.

Baden im "Great Stink"

GroßbritannienLondon Entwurf eines Flussbads

So könnte das Flussbad in der Themse einmal aussehen

Ähnlich sieht es in London aus. Auch die Themse ist kein Badegewässer, auch wenn ihr Zustand längst nicht mehr so berüchtigt ist wie 1858. Damals bekam sie den Namen "Great Stink" verpasst, weil so viel Abwasser eingeleitet wurde, dass es aufgrund des heißen Wetters in dem Jahr unerträglich stank. Auch heute noch reicht die Wasserqualität nicht zum Baden. Architekt Chris Romer-Lee und seine Kollegen wollen trotzdem einen großen Pool in die Themse setzen. Das "Thames Baths" soll das Flusswasser mithilfe eines speziellen Systems reinigen. Ende 2016 oder Anfang 2017 soll das Flussbad eröffnet werden.

Auf einer Crowdfunding-Plattform, auf der Menschen Projekte finanziell unterstützen, warb er für seine Idee. Sie kam so gut an, dass über 140.000 englische Pfund gesammelt wurden - genug um das Projekt an den Start zu bringen. Die endgültige Finanzierung steht allerdings noch aus und soll mit verschiedenen Investoren gestemmt werden. "Im Schwimmbad ist es heiß und die Luft ist schlecht. Aber wenn ich im offenen Wasser in einem Fluss oder See schwimme, ist es für mich ein befreiendes Gefühl", erklärt Romer-Lee seine Motivation. Ganz neu ist die Idee, in der Themse zu baden, nicht: schon 1875 schwammen die Londoner in Pools, die im Fluss trieben. Die "Thames Baths" sind eine modernisierte Form des alten Konzepts.

Die Illusion, in der Spree zu schwimmen

Badeschiff in Berlin

Das "Badeschiff" in Berlin mit Blick auf die Spree

Auch in Berlin gibt es eine lange Badetradition in der Spree. Im 19. Jahrhundert gab es rund 30 Flussbadeanstalten. Sie mussten jedoch im Laufe der Zeit alle wegen der Verunreinigung des Wassers geschlossen werden. Seit Mai 2004 gibt es ein neues Schwimmbad in der Spree, allerdings nicht mit natürlichem Flusswasser. Das "Badeschiff" in Berlin-Treptow ist ein fest in der Spree verankerter Pool, ein umgebauter und mit Schwimmfolie ausgekleideter Frachter. Wer hier badet und hinaus auf die Spree blickt, hat wenigstens die Illusion direkt im Fluss zu schwimmen.

Biotop oder Partybad

Diese Illusion reicht einigen Berlinern nicht aus. Der Verein "Flussbad Berlin" will ein natürliches Schwimmbad im Spreekanal bauen, direkt entlang der Museumsinsel. 840 Meter Fluss sollen dafür zu einem frei zugänglichen Becken mit gereinigtem Wasser verwandelt werden. Im oberen Teil des Kanals ist eine Biotop- und Schilflandschaft zur natürlichen Klärung des Flusses geplant. "Mich motiviert der Gedanke, das Zentrum mit Leben zu füllen. Das Gebiet ist mit seinen Museen und historischen Bauten sicherlich ein attraktiver Ort für Touristen, aber Berliner gehen dort nicht mehr hin", sagt Architekt Jan Edler, Vorsitzender des Vereins und Initiator des Projekts.

Kritik kommt vom Präsidenten der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die für das Welterbe Museumsinsel verantwortlich ist. Hermann Parzinger sieht den Welterbestatus durch ein Flussbad bedroht, da werde nicht nur gebadet, sondern auch gefeiert: "Unmengen von Müll, Polizei, Anwohnerklagen, Dauerparty, gute Nacht Museumsinsel", warnte er im Tagesspiegel.

4 Millionen Euro Fördermittel

Berlin Computer Bild Flussbad Spreekanal

Vision: Schwimmen in der Spree, mitten im Zentrum von Berlin

Das Konzept für ein Flussbad entwickelten die Brüder Tim und Jan Edler schon 1997 und stellten die Idee ein Jahr später erstmals öffentlich vor. Bis 2011 wurde das Projekt als Utopie betrachtet und daher kaum vorangetrieben. Dann aber kam der Wendepunkt: 2011 wurde das Konzept mit dem "Holcim Award Europe" ausgezeichnet, einem renommierten Architekturpreis für nachhaltige Stadtentwicklungs- und Architekturprojekte.

Die internationale Aufmerksamkeit gab dem Projekt neuen Schwung, ein gemeinnütziger Verein zur Förderung des Projektes wurde gegründet. 2014 wurden schließlich Fördermittel durch den Bund und das Land Berlin bewilligt. Bis 2018 sollen 4 Millionen Euro zur Verfügung stehen. "Bisher gab es noch keinen Beschluss, dass das Flussbad gebaut werden soll. Mit den Fördermitteln wollen wir klären, wie das Projekt realisiert werden könnte, und nach Möglichkeit auch einen politischen Entscheid zur Realisierung erwirken", erklärt Jan Edler den Stand des Projekts. "Ich hoffe auch, dass mit dem Flussbad die Diskussion um die Verunreinigung des Flusses an Bedeutung gewinnt, sodass die Spree eines Tages wieder ein gesunder Fluss sein darf."

Trend Flusswasserbad

Berlin und London sind nicht allein mit ihren Plänen für ein City-Flussbad. In New York wird der "+POOL", ein Schwimmbecken in Form eines Pluszeichens, für das Jahr 2016 geplant. Ob es wirklich umgesetzt werden kann, ist noch nicht sicher. Auch die Pariser wollten in der Seine baden, die Pläne sind jedoch gescheitert.

Sowohl Chris Romer-Lee als auch Jan Edler nennen die Schweiz als Vorbild für ihre Flussbad-Ideen in London und Berlin. Obwohl der Rhein eine wichtige Schifffahrtsstraße ist, können Menschen dank einer Bürgerinitiative in Basel im Fluss schwimmen. In Zürich gibt es gleich mehrere Flussbäder. Laut Jan Edler gibt es derzeit einen Trend, dass sich die Menschen wieder für die Flüsse interessieren. "Flusslandschaften sind das Lebenselexier einer Stadt - oder sollten es zumindest sein. Denn sie bieten viele Freizeitmöglichkeiten."