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FIFA-Boss Blatter erneut im Zwielicht

Calle Kops (sid/dpa)13. Juli 2012

Nach der Veröffentlichung von Dokumenten über die Korruptionsaffäre um die ISL steht Joseph Blatter einmal mehr in der Kritik. Der FIFA-Präsident könnte von Provisionszahlungen gewusst haben.

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FIFA-Präsident Joseph Blatter (Foto: FOTOMONTAGE)
FIFA-Präsident Joseph BlatterBild: picture alliance/Sven Simon

Erstmals bekanntgewordene Details der FIFA-Schmiergeldaffäre um Ehrenpräsident Joao Havelange und dessen brasilianischen Landsmann Ricardo Teixeira rücken FIFA-Boss Sepp Blatter erneut ins Zwielicht.

Aus in der Schweiz veröffentlichten Gerichtsdokumenten geht hervor, dass der Ex-FIFA-Präsident Havelange und sein ehemaliger Schwiegersohn Teixeira über mehrere Jahre Schmiergelder in Millionenhöhe angenommen haben. Der 96-jährige Havelange, der von 1974 bis 1998 die FIFA angeführt hatte, erhielt demnach im Jahr 1997 1,5 Millionen Schweizer Franken (ca. 1,25 Millionen Euro) von der inzwischen Pleite gegangenen FIFA-Vermarktungsagentur ISMM/ISL. Teixeira, der Anfang 2012 nach 13 Jahren als Präsident des brasilianischen Fußball-Verbands zurückgetreten war, kassierte zwischen 1992 und 1997 sogar 12,7 Millionen Franken (ca. 10,5 Millionen Euro).

Havelange und Teixeira verwendeten bei Deals zur Verwertung von Übertragungsrechten mehrfach ihnen "anvertraute Vermögenswerte unrechtmäßig", um sich zu bereichern, wie es in den Dokumenten heißt. Ihnen wurde zudem vorgeworfen, der FIFA Provisionen nicht offen gelegt zu haben und den Verband dadurch geschädigt zu haben. Die Verfahren gegen die beiden früheren Funktionäre waren allerdings im Mai 2010 von der Staatsanwaltschaft des schweizerischen Kantons Zug nach Zahlung von hohen Geldsummen eingestellt worden. Havelange und Teixeira wiesen die Anschuldigungen stets zurück. Die Unterlagen belegen, dass die Provisionszahlungen der ISMM/ISL-Gruppe bis in die 1980er Jahre zurückgehen.

FIFA-Ehrenpräsident Joao Havelange (l.) und der ehemalige Präsident des brasilianischen Fußball-Verbands Ricardo Teixeira (Foto: FABIO MOTTA/AGENCIA ESTADO/AE)
FIFA-Ehrenpräsident Havelange (l.) und der ehemalige Präsident des brasilianischen Fußball-Verbands, TeixeiraBild: picture alliance/Agencia Estado

Keine Beteiligung und keine Konsequenzen

Der heutige FIFA-Chef Blatter war zur Zeit der Schmiergeldzahlungen Generalsekretär des Weltverbands. 1998 trat er die Nachfolge von Havelange an. Der Schweizer wusste möglicherweise von den Zahlungen und bestreitet dies indirekt auch nicht. Auf die Frage bei fifa.com am Donnerstag (12.07.2012), ob er Bescheid gewusst habe, antwortete Blatter: "Worüber? Dass Provisionen gezahlt wurden? Damals konnte man solche Zahlungen als Geschäftsaufwand sogar von den Steuern abziehen. Heute wäre dies strafbar. Man kann die Vergangenheit nicht mit den Maßstäben von heute messen. Sonst endet man bei der Moraljustiz. Ich kann also nicht von einem Delikt gewusst haben, welches keines war."

Die FIFA selbst reagierte gelassen: Präsident Blatter sei nicht in den Fall verwickelt, das habe bereits die Staatsanwaltschaft Zug festgehalten, derzufolge "keine Schweizer beteiligt" seien, hieß es in einer Mitteilung.

Allerdings hat auch der nachgewiesenermaßen beteiligte FIFA-Ehrenpräsident Havelange keinerlei Konsequenzen zu befürchten, zumindest nicht von Seiten Blatters. "Es liegt nicht in meiner Kompetenz, ihn zur Rechenschaft zu ziehen. Er wurde vom FIFA-Kongress zum Ehrenpräsidenten ernannt. Nur der Kongress kann über seine Zukunft befinden", sagte Blatter weiter in dem auf der FIFA-Internetseite veröffentlichten Interview.

Demgegenüber reagierte FIFA-Exekutivmitglied Theo Zwanziger mit Bestürzung und forderte neben Konsequenzen für Havelange auch eine rückhaltlose Aufklärung. Unterdessen geht das Tagesgeschäft der FIFA weiter: Am kommenden Dienstag (17.07.2012) verabschiedet das FIFA-Exekutivkomitee auf seiner außerordentlichen Sitzung in Zürich ihren neuen Ethik-Codex und beruft die Vorsitzenden der beiden Kammern der Ethik-Kommission. Blatter selbst dürfte dies auf dem Weg der Erneuerung als Erfolg reklamieren und sich als Reformer feiern lassen.