Feurig | Sprachbar | DW | 25.12.2013
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Sprachbar

Feurig

Es spendet Licht, wärmt, erwärmt, aber es züngelt auch, lodert heftig, wütet, walzt alles nieder, was ihm in den Weg kommt, es verschlingt: das Feuer. Seine Eigenschaften geben auch mancher Redewendung ihre Bedeutung.

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Feurig – die Folge als MP3

Sie brechen regelmäßig in der heißen, trockenen Jahreszeit aus, wobei immer wieder gemunkelt wird, mancher von ihnen sei absichtlich gelegt worden. Die Rede ist von Waldbränden. Diese sind nicht einfach Feuer, es sind Großbrände, Feuersbrünste und Feuerwalzen, die oft ganze Landstriche verwüsten können. Auch zu anderen Jahreszeiten können Feuer entstehen – etwa im Winter durch einen Adventskranz, der durch Unachtsamkeit lichterloh brennt, oder auch durch einen Weihnachtsbaum, an dem noch traditionell Kerzen angebracht sind.

Das „sagenhafte“ Feuer

Eine Briefmarke mit einem antiken Gemäldemotiv: Zu sehen sind Zeus, der Adler und Prometheus (rechts im Bild), der an einen Felsen angekettet ist

Zeus Strafe: Prometheus wurde angekettet, ein Adler fraß von seiner Leber, die sich immer wieder erneuerte

Sicher, Feuer kann zerstören, es legt ganze Städte in Schutt und Asche. Feuer ist aber auch das Gute und Warme. Es spendet Licht, hilft beim Zubereiten von Speisen, schmilzt manches Metall, Eisen wird in ihm geschmiedet. Feuer zählt mit Wasser, Luft und Erde zu den vier Elementen der antiken Wissenschaft.

Der griechischen Sage nach hat es Prometheus den Menschen gegen den Willen des Göttervaters Zeus gebracht. In den Sprachgebrauch wirkt nach, dass sich die Menschen das Feuer als lebendes Wesen vorgestellt haben. So gab es noch bis Ende des 19. Jahrhunderts im österreichischen Bundesland Kärnten den Brauch, das Feuer regelrecht zu füttern. Da wurden zu den „heiligen Zeiten“, wie es heißt, Schmalz, also Fett, und Krapfen, ein fettiges Gebäck, ins Feuer geworfen, um den „Feuergeist“ zu nähren und ihn gnädig zu stimmen. Die moderne Form des Fütterns ist einfach nur Holz nachzulegen, wenn man es in der Stube schön warm haben will.

Die vielen Facetten des Feuers

Eine Frau und ein Mann sitzen am Laptop und lächeln sich an

Feuer und Flamme: „Der Neue – was für ein toller Typ!

Aber wehe, wenn das Feuer ausbricht, wenn die züngelnden Flammen aufs Nachbarhaus überspringen, wenn lodernde Flammen alles verschlingen, fressen, verzehren, wenn das Feuer sich ausbreitet und wütet. Die Vorstellung des Lebendigen ist naheliegend. Feuer ist Bewegung, Geräusch, ist Licht und Schatten. Flammen lecken und zischen, schlängeln sich, ein Kaminfeuer knistert.

Unser Stichwort kommt auch in einer Vielzahl übertragener Bedeutungen und Redensarten vor. Gerüchte zum Beispiel verbreiten sich wie ein Lauffeuer: Da wird beispielsweise gemunkelt, die Kollegin sei keineswegs nur Feuer und Flamme für ihren Beruf, sondern auch für den Neuen in der Abteilung. Aber nicht nur bei Liebe oder gar Leidenschaft ist Feuer mit im Spiel.

Hände und Eisen im Feuer

Ein Mann hält ein glühendes Eisenstück und schlägt mit dem Hammer drauf

Das Eisen muss man schmieden, solange es heiß ist

Ausdruck unbedingten Vertrauens bedeutet es, wenn jemand bereit ist, für einen anderen durchs Feuer zu gehen, beziehungsweise seine Hand ins Feuer zu legen. Diese Redensart geht allerdings auf den grausigen Brauch des mittelalterlichen Feuerurteils zurück. Wer seine Unschuld beweisen wollte, musste eine Zeit lang die Hand ins Feuer halten. Je nach Schwere der Verletzung wurde dann über Schuld oder Unschuld der Person entschieden.

Weitaus harmloser ist die Geschichte vom Eisen oder gleich mehreren Eisen, die jemand im Feuer hat, was bedeutet, dass man etwas oder gleich vielerlei vorhat und zwar mit berechtigter Aussicht auf Erfolg – ebenso wie der Schmied, der das Eisen im Feuer erhitzt, es zum Glühen bringt, dann bearbeitet und etwas daraus macht.

Die Feuerprobe und die Feuertaufe

Ein farbiger Holzschnitt aus etwa dem Jahr 1580: Zu sehen sind drei Frauen, die auf einem Scheiterhaufen öffentlich verbrannt werden

Den Feuertod starben auch Frauen, die der Hexerei beschuldigt wurden

Aus alter Zeit stammt auch der Ausdruck der Feuerprobe. Früher befreiten die Goldschmiede das Gold im Feuer von Verunreinigungen und Schmutz; sie läuterten es. Diese Feuerprobe gab Aufschluss über die Reinheit des Goldes. Die Feuertaufe dagegen beruht auf der christlichen Vorstellung der Taufe mit dem Feuer des Heiligen Geistes wie sie im Matthäus-Evangelium geschrieben steht.

Die Feuertaufe ist heute die erste zu bestehende Bewährungsprobe für einen Berufsanfänger zum Beispiel, aber auch für ein neues Automodell. Erwähnt werden soll auch noch das Höllenfeuer. Es gehört zum umfassenden Bußkatalog der katholischen Kirche, die das Feuer als Strafe besonders gerne angewandt hat. Unzählige der Ketzerei und Hexerei Verdächtigte mussten den grässlichen Feuertod auf dem Scheiterhaufen sterben.

Der Feuerteufel

Wen wir nicht vergessen wollen ist der Feuerteufel. „Feuer“ und „Teufel“ gehören ja gewissermaßen zusammen, da der „Höllenfürst“ im Feuer zu Hause ist. Der Feuerteufel hingegen ist keineswegs ein in Flammen gehüllter Dämon, sondern ein leibhaftiger und notorischer Brandstifter, der Freude daran hat, Feuer zu legen. Dass jemand nach dem Löschen eines Großbrandes für ihn die Kastanien aus dem Feuer holt und ihm hilft, ist sehr unwahrscheinlich.




Fragen zum Text

Flammen können nicht
1. knistern.
2. züngeln.
3. löschen.

Jemand, der etwas zum ersten Mal erfolgreich geschafft hat, hat …
1. ein Lauffeuer gebändigt.
2. Feuersbrünste bewegt.
3. seine Feuertaufe bestanden.

Wer eine Person seines Vertrauens empfiehlt, kann sagen: …
1. „Für sie/ihn lege ich meine Hand ins Feuer.“
2. „Ich habe gern mehrere Eisen im Feuer.“
3. „Ich hole gerne für sie die Kastanien aus dem Feuer.“


Arbeitsauftrag
Schreibe deiner Freundin oder deinem Freund einen kurzen Brief zum Thema „Für dich gehe ich durchs Feuer.“ Versuche, dabei möglichst viele beschreibende Adjektive zu verwenden und ihr oder ihm Gründe zu nennen, warum du dich jederzeit für sie oder ihn einsetzen würdest.

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