Festnahmen im Skandal um Kindesmissbrauch in Pakistan | Aktuell Asien | DW | 10.08.2015
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Aktuell Asien

Festnahmen im Skandal um Kindesmissbrauch in Pakistan

Eine Bande in Pakistan steht im Verdacht, hunderte Kinder vergewaltigt, dies gefilmt und die Opferfamilien erpresst zu haben. Jetzt wurden erste Verdächtige in Gewahrsam genommen.

Inhaftierte Verdächtige im Fall um Kindesmissbrauch in Pakistan (Foto: afp)

Inhaftierte Verdächtige im Fall um Kindesmissbrauch in Pakistan

Die pakistanische Polizei hat mindestens sieben Männer wegen Kindesmissbrauchs und der Verbreitung von Videoaufnahmen des Missbrauchs festgenommen. Örtlichen Medien berichten, dass es fast 300 Missbrauchsfälle gebe. Das jüngste Opfer sei sieben Jahre alt, teilte die Polizei am Sonntag mit. Die Behörden hätten Dutzende Videos beschlagnahmt, erklärte ein Beamter des Bezirks Kasur im Osten Pakistans. Auf diesen Filmen sei zu sehen, wie Kinder aus der Umgebung misshandelt werden. Die Polizei fahndet nach eigenen Angaben nach zehn weiteren Verdächtigen.

Der größte Missbrauchsskandal Pakistans

Dies könnte der erste Fall sein, in dem die Polizei in Pakistan gegen ein organisiertes Netzwerk an Missbrauchstätern vorgeht. Saba Sadiq, Leiter der örtlichen Kinderrechtsbehörde, beschrieb den Fall als den "größten Kindesmissbrauchsskandal in der Geschichte Pakistans".

Mindestens 280 Kinder seien von einer Gruppe von 25 Männern missbraucht und dabei gefilmt worden, sagte Latif Ahmed Sara, eine Sprecherin der Opferfamilien. Später hätten die Täter versucht, die Eltern der Opfer zu erpressen. Sie hätten damit gedroht, die Videos öffentlich zu machen. Kinder aus dem Dorf Hussain Khanwala seien seit 2007 gezwungen worden, sexuelle Handlungen aneinander durchzuführen. Dies sei in mehr als 400 Videos aufgezeichnet worden, so lokale Medienberichte. Nach Angaben Saras wurden etwa 300 Videos im Dorf verbreitet. Jedes zweite Kind in Hussain Khanwala soll dem Missbrauchsring zum Opfer gefallen sein.

Hohe Dunkelziffer

Der bekannte Kinderrechtler Rana Asif Habib sagte der Deutschen Welle, dass die Zahl der jetzt registrierten Fälle lediglich "die Spitze des Eisbergs" darstelle. Die tatsächliche Zahl der Missbrauchsfälle könnte wesentlich höher sein, da die Tatorte in der Nähe von Lahore liegen würden, wo Kinder aus den Slums viele Missbrauchstäter anlocken würden.

Zuvor hatte es in der Stadt Kasur nahe Hussain Khanwala Zusammenstöße zwischen Polizei und Opferfamilien gegeben. Die Familien warfen der Polizei vor, nicht gegen den Missbrauchsring vorzugehen. Gut 400 Menschen protestierten, mehr als 20 Menschen wurden verletzt, als die Polizei gewaltsam die Demonstration auflöste.

Untersuchung nach Protesten

Der Staatsminister der Provinz, Shahbaz Sharif, hatte am Sonntag - nach den Protesten der Familien und von Kinderrechtsaktivisten - eine unabhängige Untersuchung des Falles angeordert.

mb/kle (dpa, afp, rtr)