Festnahme nach Geiselnahme in Südfrankreich | Aktuell Europa | DW | 23.03.2018
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Frankreich

Festnahme nach Geiselnahme in Südfrankreich

Die Polizei hatte den mutmaßlichen Geiselnehmer erschossen, der zuvor drei Menschen getötet hatte. Der Mann war den Behörden schon länger verdächtig. Jetzt rückt eine weitere Person in den Fokus der Ermittler.

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Trauma nach dem Terror vom Bataclan

Nach der islamistischen Geiselnahme in Südfrankreich ist eine enge Bekannte des getöteten Angreifers festgenommen worden. Die Frau werde der Mitgliedschaft in einer kriminellen terroristischen Vereinigung verdächtigt, sagte Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins in Carcassonne. Sie lebte demnach mit dem marokkanischen Islamisten zusammen, der drei Menschen erschossen und 16 verletzt hatte.

Der Mann habe bei der Erstürmung eines Supermarktes in der südfranzösischen Stadt Trèbes "Allah Akbar" (Gott ist groß) gerufen und sich als "Soldat" der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) bezeichnet, sagte Molins. Er habe gesagt, er sei bereit, für Syrien zu sterben, und habe die Freilassung inhaftierter "Brüder" gefordert.

In Gefährder-Datei aufgenommen

Der 26-jährige Marokkaner hatte bei einem Autodiebstahl in Carcassonne und bei einer Geiselnahme in einem Supermarkt in Trèbes drei Menschen getötet, bevor er von der Polizei erschossen wurde. Der Mann Mitte zwanzig war den Sicherheitsbehörden bekannt, wie Staatsanwalt Molins sagte. Wegen seiner Verbindungen zur Salafisten-Szene wurde er in einer Datei mit mutmaßlichen islamistischen Gefährdern geführt. 

Frankreich Geiselnahme in Trèbes bei Carcassonne (Reuters/La Vie à Trèbes)

Der Supermarkt in Trèbes, in dem der später erschossene Täter mehrere Menschen tötete

Auch mehrere Polizisten verletzt

Inzwischen wurden von offizieller Seite weitere Details bekanntgegeben: So wurden bei der gewaltsamen Beendigung der Geiselnahme insgesamt drei Polizeibeamte verletzt, darunter der Polizist, der sich gegen die letzte noch verbliebene Geisel im Supermarkt hatte austauschen lassen. Erst danach gaben die Spezialkräfte den Markt zum Sturm frei. Innenminister Gérard Collomb lobte den "Heldenmut" des Beamten.

Collomb hatte zunächst von einem Einzeltäter gesprochen, der den Sicherheitskräften als Kleinkrimineller und Drogenbesitzer bekannt gewesen sei. Sie hätten ihn zwar observiert, hätten aber keine islamistische Radikalisierung feststellen können. Demnach lebte der junge Mann in Carcassonne. Zuvor hatte der Radiosender France Info bereits abweichend gemeldet, der Täter sei den Geheimdiensten bekannt und in einer Datenbank zur Bekämpfung von Terrorismus und Radikalisierung verzeichnet. 

Ein Augenzeuge sagte aus, der Täter sei mit Messern, einer Schusswaffe und Handgranaten bewaffnet gewesen, als er den Supermarkt betrat. Der Geiselnehmer wollte offenbar den Terrorverdächtigen Salah Abdeslam freipressen. Das meldete der Sender BFMTV ohne Angabe einer klaren Quelle. Eine offizielle Bestätigung gab es dafür zunächst nicht. Der französische Staatsbürger Abdeslam soll zu einer Terrorzelle der Terrororganisation IS gehören, die die schweren Anschläge in Paris im November 2015 und in Brüssel im März 2016 verübte. Er sitzt in Frankreich in Untersuchungshaft.

Macron spricht von Terrorakt

Frankreichs Präsident sagte, es habe sich um einen Terrorakt gehandelt. Eine Untersuchung müsse nun klären, wann und wie der Angreifer sich radikalisiert habe und wo er sich seine Waffe beschafft habe. Regierungschef Edouard Philippe sprach von einer "ernsten Situation". Auch er betonte, alles deute auf einen terroristischen Hintergrund hin. Dies ließen alle vorliegenden Informationen vermuten, sagte der Politiker.

Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel islamistischer Anschläge. Vor allem die Attacken von Paris 2015 und Nizza 2016 hatten das Land schwer erschüttert. Die Behörden sprechen regelmäßig von einer weiterhin hohen Gefahr. 

qu/jj (dpa, afp, rtr, APE)

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