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Kriminalität

"Falsche Anna" schuldig gesprochen

26. April 2019

Eine deutsch-russische Hochstaplerin ist in New York in einem viel beachteten Prozess wegen Diebstahls verurteilt worden. Für die Jury ist klar, sie hat sich Geschenke, Reisen und viele Millionen Kredit ergaunert.

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USA, New York: Prozess gegen Anna Sorokin
Bild: picture-alliance/AP/M. Altaffer

Eine Jury sprach die 28-jährige Anna Sorokin, die sich eine falsche Identität als reiche Erbin zugelegt hatte, in allen zehn Anklagepunkten schuldig, wie der zuständige Staatsanwalt mitteilte. Das Strafmaß soll am 9. Mai verkündet werden. Der Deutsch-Russin drohen bis zu 15 Jahre Haft und die Abschiebung nach Deutschland. Ihr 90-tägiges Besuchervisum in den USA ist schon lange abgelaufen.

Statt unter richtigem Namen soll die in Russland geborene und später bei Köln aufgewachsene Frau in den USA eine Identität als "Anna Delvey" erfunden haben. Ihren "Freunden" soll sie erzählt haben, eine Erbin mit deutschem Millionenvermögen im Rücken zu sein. Während ihrer "Abenteuer" mit den "Reichen und Schönen" hatte sie angeblich immer nur mal gerade eben kein Geld dabei oder wartete auf die nächste Überweisung von daheim.

Die Anklage betonte, dass Sorokin über Monate hinweg nicht nur eine andere Identität angenommen, sondern gezielt gelogen und angebliche Überweisungen erfunden haben soll. Ganze zehn Monate dauerte es, bis die Scharade in New York aufflog. 

Luxuriöser Lebenswandel auf Kosten anderer

Restaurantbesuche, Hotelzimmer, Flüge oder extravagante Geschenke, ihre New Yorker Freunde ließen sich blenden und zahlten. Sie soll ihre Opfer aus der "besseren Gesellschaft" um insgesamt 275.000 Dollar gebracht haben. Sie versuchte außerdem mit einem mutmaßlich ergaunerten Darlehen von 22 Millionen Dollar, eine Mischung aus einem exklusiven Nachtclub und Kunstgalerie zu gründen - und setzte dafür gefälschte Dokumente ein.

Staatsanwältin Catherine McCaw warf ihr während des Prozesses vor, mit "krimineller Absicht" gehandelt zu haben. Anwalt Todd Spodek wies die Vorwürfe gegen seine Mandanten zurück. "Sie hat nichts unternommen, um die New Yorker von ihrem Geld zu trennen - sie haben es ihr gegeben."

Die junge Frau stammt aus bescheidenen Verhältnissen. Sie ist die Tochter eines russischen Lastwagenfahrers. 2016 kam Sorokin in die USA.

Der Fall hat in den USA für großes Aufsehen gesorgt. Der Streamingdienst Netflix und der Sender HBO planen bereits, Sorokins Geschichte zu verfilmen.

qu/cgn (afp, dpa, ape)