Experte: ″Ein heißer Sommer macht noch keinen Hautkrebs″ | Wissen & Umwelt | DW | 17.09.2018
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Experte: "Ein heißer Sommer macht noch keinen Hautkrebs"

2018 war ein Super-Sommer. Für die meisten hieß das: Nichts wie raus, möglichst viel Sonne tanken und sich bräunen. Doch der Dermatoonkologe Thomas Eigentler warnt vor der Krebsgefahr.

Deutsche Welle: Der Sommer 2018 war extrem heiß und sonnig. Werden die Hautkrebsraten dadurch steigen?

Thomas Eigentler: Man kann das nicht auf ein einziges Jahr runterbrechen. Das Problem ist die Belastung der Haut mit UVA-Strahlung über Jahre und Jahrzehnte hinweg.   

Aber Hautkrebs nimmt an Häufigkeit zu. Das betrifft vor allem ältere Menschen. Durch die Strahlung entstehen Schäden in ihrem Erbgut. Je älter die Menschen, umso mehr Schäden gibt es im Erbgut und umso schlechter werden die Reparaturmechanismen. Wenn es zu mehreren Schäden in einer Zelle kommt, kann es sein, dass sie entartet, dass sie unkontrolliert wächst und dass Hautkrebs entsteht. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass gerade bei Männern jeder Zweite im Alter von 80 Hautkrebs bekommt oder zumindest Vorstufen davon.

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Sind die Hautkrebsraten insgesamt gestiegen?

Wir haben Daten aus den 40er Jahren. Damals gab es in Deutschland schwarzen Hautkrebs bei einem von 100.000 Menschen pro Jahr, und es werden immer mehr. Was wir hier sehen ist ein Wandel im Verhalten der Bevölkerung. In den 40er Jahren machten die wenigsten Sonnenurlaub. Der Anstieg beginnt in den 50er und 60er Jahren. Ein noch größerer Schritt kam dann in den 70er und 80er Jahren. Das war die Zeit, als sich immer mehr Familien einen Sonnenurlaub etwa in Spanien leisten konnten. Und es galt: Braun sein ist chic. Diese Generation kommt jetzt teilweise mit mehreren Hautkrebsen zu uns.

Professor Thomas Eigentler (Universitätsklinikum Tübingen)

Professor Thomas Eigentler ist Dermatoonkologe am Universitätsklinikum Tübingen

Welche Hauptunterschiede bestehen zwischen weißem und schwarzem Hautkrebs?

Weißer Hautkrebs beinhaltet viele verschiedene Hautkrebsarten. Die Neuerkrankungen bei diesen epithelialen Tumoren liegen zwischen 100 und 150 pro 100.000 Menschen pro Jahr. Beim schwarzen Hautkrebs hingegen sind wir bei 25 pro 100.000 Menschen im Jahr.

Die epithelialen Hautkrebse sind viel häufiger als der schwarze Hautkrebs. Aber der ist eben mit wenigen Ausnahmen der gefährlichste, denn er kann Metastasen entwickeln.

Ist ein Muttermal schon schwarzer Hautkrebs?

Neugeborene kommen bis auf wenige Ausnahmen ohne Muttermale auf die Welt. Die Belastung im Kindes- und Jugendalter ist letztendlich Auslöser für die Entwicklung von Muttermalen, und die sind ein Risikofaktor für die Entwicklung von schwarzem Hautkrebs. Die Kindheit ist eine sehr wichtige Phase. Letztendlich ist die gesamte Dosis im Kindes- und Jugendalter entscheidend und nicht nur der Sonnenbrand aus einem bestimmten Jahr. 

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Wie ist der Informationsstand in der Bevölkerung?

Es gab in den letzten Jahren größere Kampagnen. Aber das ist wie ein Kampf gegen Windmühlen. Man möchte ja braun oder fast rot aus dem Urlaub kommen, damit auch jeder sieht, dass man im Urlaub war. Aber es kommt ja auch zu Hautalterung und Faltenbildung, und vielleicht können wir über diesen Ansatz etwas erreichen. Aber solange braune Haut weiterhin als chic und schön gilt, wird es für uns schwierig. Aber es gibt keine gesunde Bräune. 

Professor Thomas Eigentler ist Mitarbeiter der Dermatologischen Onkologie am Hauttumorzentrum des Universitätsklinikums Tübingen. Mehr zur Krebsfrüherkennung gibt es auch auf den Seiten der Deutschen Krebsgesellschaft. 

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